Wirtschaftsdelegation zu Gast Thüringen will ein Stück mehr vom japanischen Kuchen

40 Manager, Politiker und Wissenschaftsvertreter aus Thüringen sind in Japan unterwegs. Sie wollen die eingeschlafenen Wirtschaftsbeziehungen wieder ankurbeln. Oberster Handlungsreisender: Wirtschaftsminister Tiefensee.

von Alexander Reißland

Japan gilt als Land der aufgehenden Sonne. Und in gewisser Hinsicht stimmt das derzeit auch. Seit dem Amtsantritt des liberaldemokratischen Ministerpräsidenten Shinzō Abe im Dezember 2012 verfolgt die Regierung einen Kurs der wirtschaftlichen Expansion. Lange Jahre hat sich der Inselstaat dem Trend der Globalisierung verschlossen. Nun soll aufgeholt werden. 130 Milliarden US-Dollar investierten Japans Großunternehmen allein 2015 in die Besetzung neuer Märkte. Eine Politik, die sich auszuzahlen scheint. Die japanische Wirtschaft läuft auf Hochtouren. Für das aktuelle Jahr wird ein Wachstum von deutlich mehr als zwei Prozent erwartet.

Briefing für die Teilnehmer der Thüringer Wirtschaftsdelegation in Tokio. Links Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD):
Briefing für die Teilnehmer der Thüringer Wirtschaftsdelegation in Tokio. Links Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD): Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Thüringen allerdings scheint keine Rolle auf der japanischen Weltkarte zu spielen. In den vergangenen zehn Jahren sind Exporte aus dem Freistaat nach Japan um ein Drittel gesunken. In der Exportstatistik liegt die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt somit lediglich auf Rang 22 und damit gleichauf mit Ländern wie Mexiko und Südkorea. "Die Handelsbeziehungen nach Japan sind deutlich ausbaufähig", meint deshalb Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD).

Beispiel Piezosysteme: Sieben Prozent Umsatz mit Japan-Exporten

Ähnlich sehen das die Unternehmer. Die Firma Piezosysteme aus Jena zum Beispiel unterhält seit vielen Jahren Wirtschaftsbeziehung nach Japan. Die Firma unter Leitung von Bernt Götz produziert Piezomotoren - hochpräzise Systeme, die im Ultraschallbereich arbeiten und in Lasern oder Optiken zum Einsatz kommen. Bereits jetzt machen die Exporte nach Japan sieben Prozent des Umsatzes aus. Doch da geht noch mehr, ist sich Götz sicher. Japans Wirtschaft floriert, und Götz würde gern "etwas vom Kuchen abhaben".

Als Höhepunkt der siebentägigen Reise gilt ein Empfang in der deutschen Botschaft in Tokio. Hier wird am 3. Oktober der Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Erwartet werden rund 1.200 Gäste. Ausgerichtet wird das Event in diesem Jahr vom Freistaat. "Thüringen wird diese Gelegenheit nutzen, um sich als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort, aber auch als Reiseland und Kulturregion in der Mitte Deutschlands und Europas zu präsentieren", sagt Minister Tiefensee.

Thüringer Wirtschaftsdelegation besichtigt den Asakusa-Schrein in Tokio.
Die Thüringer Wirtschaftsdelegation besichtigt den Asakusa-Schrein in Tokio. Bildrechte: MDR/Alexander Reißland

Neuwahlen stehen an

Einen Strich durch die Thüringer Wirtschaftsrechnung könnte allerdings Japans Ministerpräsident Abe selbst gemacht haben. Am Donnerstag löste er das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Somit dürften neue Handelsbeziehungen derzeit sicher nicht ganz oben auf der japanischen Prioritätenliste stehen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. Oktober 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2017, 20:06 Uhr

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8 Kommentare

03.10.2017 10:35 klausi01 8

Die Reisen sind gut, gerade für kleine Unternehmen, ich war da vor Jahren auch schon mal mit. Die Unternehmen zahlen das selbst. Thüringen muss im Ausland werben, andere werden es ganz sicher nicht für uns tun.

02.10.2017 10:03 Eisvogel 7

Warum nicht den Handel mit Russland fortsetzen, es waren doch vor Jahren die Freunde , mit den Anhängern von Rot-Rot-Grün ? Wahrscheinlich sind die japanischen Wirtschaftsbosse scharf auf die Thüringer Rostbratwurst und Thüringer Klöße mit Rotkohl, aber bestimmt nicht auf technische Erfolgsleistungen. Hier sind uns die Japaner um Jahre voraus, zumal Deutschland vorwiegend Produkte aus Billigländern einkauft und in Deutschland wieder verkauft. Wie mein Fernseher, Kaminofen, Bekleidungen u.ä.m. !

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