Zuckerrübenernte
Die deutsche Zuckerindustrie muss sich nun auf dem rauen Weltmarkt messen. Bildrechte: dpa

Ende der EU-Regulierung Landwirte rechnen mit mehr Zuckerrüben, aber ungewissem Profit

Ungewisse Zeiten für die Zuckerrübe: Die EU hebt ab Oktober die Mengenbegrenzung für den Anbau sowie die Garantiepreise auf. Thüringer Landwirte müssen künftig auf dem Weltmarkt bestehen.

Zuckerrübenernte
Die deutsche Zuckerindustrie muss sich nun auf dem rauen Weltmarkt messen. Bildrechte: dpa

Die Thüringer Zuckerrüben-Anbauer sehen vorsichtig optimistisch dem Ende der Zuckerquote entgegen. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN haben sie einerseits ihre Produktion gesteigert. Unsicherheit besteht andererseits jedoch über die zu erreichenden Preise. Hintergrund ist, dass die EU die Anbaumengenbegrenzung sowie die Garantiepreise ab Oktober aufhebt.

Thomas Rothe vom Verband der Sächsisch-Thüringischen Zuckerrübenanbauer sagte dem MDR, die rund 1.000 Mitgliedsbetriebe in Thüringen (300), Sachsen (550) und Sachsen-Anhalt (knapp 200) hätten ihre Anbaufläche in der laufenden Saison um 20 Prozent erhöht. Außerdem rechnen sie aktuell mit überdurchschnittlich gutem Ertrag, so dass das Mengenplus noch höher ausfalle. Die Rüben werden bis Ende November gerodet und an die Zuckerfabriken geliefert. Zu welchem Preis, wisse jedoch niemand. "Da herrscht erstmal ungewohnte Unklarheit", sagte Rothe. Nach den neuen Verträgen ohne EU-Zuckermarktregulierung werden die Landwirte erst im Nachhinein am Verkaufserlös des Zuckers beteiligt. Wie hoch der ist, erfahren die Landwirte erst im Juni 2018, wenn die Zuckerfabriken abrechnen. Vorab erhalten die Landwirte lediglich einen unbestimmten Anteil als Abschlagszahlung.

Sinkender Zuckerpreis und Verdrängungswettbewerb?

Zuckerrübe
Die Zuckerrübe Bildrechte: dpa

Steffen Fritsche, Vorstand der Agrargenossenschaft "Altenburger Land" Dobitschen, rechnet mit einem zunächst sinkenden Zuckerpreis und einem Verdrängungswettbewerb. Doch sein Betrieb sei dafür gerüstet und wesentlich konkurrenzfähiger als noch vor 25 Jahren, sagte er MDR THÜRINGEN. Neue Züchtungen und bessere Technik hätten den Rübenertrag pro Hektar mehr als verdoppelt und den Zuckergehalt erhöht. Anders als bei anderen Kulturen sei das Ende der Zuchterfolge auch noch nicht erreicht, ist Fritsche überzeugt. Sein Optimismus lässt sich auch in Zahlen ausdrücken: Die Agrargenossenschaft hat 2017 auf 30 Prozent mehr Ackerfläche Zuckerrüben angebaut als im Vorjahr. Und für die kommende Saison hat der Betrieb mit einer Zuckerrübenfabrik bereits eine Ausweitung um weitere 25 Prozent auf dann insgesamt 200 Hektar vertraglich vereinbart.

Weltweite Nachfrage steigt Jahr für Jahr

Im vergangenen Jahr wurde in Thüringen über eine halbe Million Tonnen Rüben geerntet. Alle Betriebe in Thüringen und Sachsen sowie viele aus Sachsen-Anhalt liefern die Rüben ausschließlich an die Südzuckerfabriken im sachsen-anhaltinischen Zeitz und im brandenburgischen Brottewitz. Die im Schnitt um 15 bis 20 Prozent vergrößerten Anbauflächen sind im Sinne des Unternehmens. Südzucker-Sprecher Dominik Risser sagte MDR THÜRINGEN, da die mengenbeschränkenden Zuckerquoten wegfallen, wolle die Südzucker AG ihre Fabriken stärker auslasten, um die Herstellkosten pro Tonne Zucker zu senken. Deshalb würden dort in diesem Jahr entsprechend länger, bis zu 130 Tage lang, Rüben verarbeitet. So will Südzücker die Produktion auf mehr als fünf Millionen Tonnen Zucker hochschrauben. Mit der Menge will das Unternehmen wie früher wieder auf dem Weltmarkt mitmischen. Dies habe die EU-Regulierung in den vergangenen Jahren verhindert. Zunächst wolle Südzucker etwa 800.000 Tonnen an Staaten außerhalb Europas exportieren, sagte Sprecher Dominik Risser. Die weltweite Nachfrage nach Zucker steige Jahr für Jahr.

Thomas Rothe vom Thüringer Anbau-Verband teilt den Optimismus. Er rechnet nicht mit einem starken Preisverfall. Das "weiße Gold" sei nicht so abhängig vom Weltmarkt wie Milch. Zucker könne problemlos gelagert werden. Daher gebe es keinen Zeitdruck, die Produktion sofort zu vermarkten, so Rothe. Wenn die Landwirte im Frühsommer ihre erste Abrechnung vom freien Handel erhalten, werde sich zeigen, ob ihre Rechnung aufgeht.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 29. September 2017, 20:53 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Mehr aus Thüringen