Thüringen

Mit Kenntnis der Behörden : Neonazis nutzten Gelände bei Kahla für Schießübungen

Der Thüringer Verfassungsschutz und das Landeskriminalamt haben offenbar Kenntnis von Schießübungen der rechtsextremen Jenaer Kameradschaft gehabt. Das geht aus Unterlagen des Landeskriminalamts (LKA) hervor, die dem MDR THÜRINGEN in Kopie vorliegen. Danach trafen sich seit dem Frühsommer 1996 Neonazis aus Jena und Saalfeld regelmäßig auf einem Gelände bei Kahla.

Die Polizei kannte den Unterlagen zufolge das Grundstück spätestens seit dem 28. Juli 1996. Die Beamten waren an diesem Tag alarmiert worden, weil es Streit zwischen den Rechtsextremisten und Anliegern gegeben hatte. Nach MDR-Informationen wurde die Polizei häufiger dorthin gerufen und soll auch regelmäßig vor Ort Streife gefahren sein.

Anwohner beobachteten Schießübungen

Augenzeugenberichten von Anwohnern zufolge wurde spätestens seit Mitte Oktober 1997 auf dem Gelände mit einer Langwaffe Schießen geübt wurde. Auf Fotos sollen Zeugen den langjährigen Leiter der Jenaer Kameradschaft Andre K. und Uwe Böhnhardt erkannt haben. Drei Monate später ging Böhnhardt in den Untergrund. Den Erinnerungen nach dauerten die Treffen der Neonazis bis etwa ins Jahr 2000.

Die Polizei Jena hielt in ihren Akten fest, dass das Gelände von Tino Brandt gepachtet worden sei, und die Jugendlichen alle der rechten Szene zuzuordnen seien. Brandt war damals schon V-Mann des Verfassungsschutzes. Die Pacht soll an den Besitzer des Grundstücks, den früheren NPD-Funktionär Peter Dehoust aus Coburg, geflossen sein.

Dehoust sagte dem MDR THÜRINGEN, er habe das 2.180 Quadratmeter große Gelände "auf Bitten von Tino Brandt" Mitte Juli 1996 gekauft. Er habe 1.500 Mark dafür bezahlt. Brandt habe ihm gesagt, er wolle das Gelände, um dort mit jungen Leuten "Zeltlager und Sonnenwendfeiern" zu veranstalten. Eine Pacht habe Brandt nicht gezahlt, sagte Dehoust. Was Brandt auf dem Gelände veranstaltet habe, darüber hätten sie nie gesprochen. Tino Brand war zu diesem Zeitpunkt als Spitzel für den Thüringer Verfassungsschutz in der Neonaziszene tätig.

Nachfragen beim LKA und Innenministerium zu dem Fall blieben bisher unbeantwortet. Das Landesamt für Verfassungsschutz bestätigte, dass der Dienst Kenntnis von dem Grundstück und möglichen Schießübungen hatte.

Spezial: Nachrichten und Hintergründe zu den Terror-Ermittlungen

NSU - der Prozess, der Fall, die politischen Folgen. In unserem Spezial finden Sie alle Fakten, Bilder und Hintergründe. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 28. April 2012, 22:32 Uhr

3. bernd2001:
leider ein schreibfehler. Es heißt "l steinalte Fakten ", ist aber auch genauso gemeint.
30.04.2012
06:37 Uhr
2. bernd2001:
Der Wert dieses Berichtes ist weniger als Null. Was soll ein Bericht über Dinge die vor 10 und mehr Jahren waren? Was ist heute mit dem Grundstück? Aufgabe der öffentlich-rechtlichen ist nicht, mit steialten Fakten Stimmung gegen Verfassungsorgane zu machen.
30.04.2012
06:34 Uhr
1. Gerlinde teuber-krause:
Wie soll man da noch Vertrauen zum Verfassungsschutz haben?-Es wäre nicht das erste mal,wo kenntnis von nazis bekannt waren u.nicht's getan wurde.-So kommt der braune Sumpf wieder nach oben u.D'schland schaut zu
29.04.2012
16:07 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

© 2014 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK