Thüringen

"Operation Rennsteig" : Thüringer Tourismus bangt um Rennsteig-Ruf

von Dr. Jan Schönfelder

Die Thüringer Tourismus-Branche wirft dem Bundesamt für Verfassungsschutz Rufschädigung vor. Durch die Bezeichnung seiner Geheimoperation gegen Thüringer Neonazis mit dem Decknamen "Rennsteig" sei der beliebte Höhenwanderweg in ein falsches Licht gerückt worden, sagte die Geschäftsführerin der Thüringer Tourismus GmbH, Bärbel Grönegres, MDR THÜRINGEN. Der Präsident des Regionalverbundes Thüringer Wald, Andreas Trautvetter, sieht einen "massiven Schaden" für die Region und Florian Meusel vom Verband Naturpark Thüringer Wald wird noch deutlicher: "Damit hat man uns ganz schön ins Knie geschossen." Der Bundesverfassungsschutz verteidigt sich. Es sei doch um Thüringen gegangen, und der Rennsteig liege nun mal dort.

Ein Schild verweist auf den Rennsteig im Thüringer Wald

"Der Rennsteig", so schreibt die Thüringer Tourismus GmbH, "ist Deutschlands bekanntester und beliebtester Höhenwanderweg und lockt jährlich Hunderttausende Gäste an." Der 170 Kilometer lange Höhenweg steht für Wandern, Radfahren und Skilaufen. Der Rennsteig ist Thüringen - Thüringen ist der Rennsteig. Hier schlägt das grüne Herz. Herbert Roth, der 1983 verstorbene legendäre singende Friseur aus Suhl, machte mit seinem "Rennsteiglied" den "Weg auf den Höh'n'" und sich selbst unsterblich. Das Volkslied mit der Zeile "Den Rennsteig gibt's ja nur einmal und nur ein Wanderglück" ist die heimliche Hymne der Thüringer. Doch in einem Punkt müsste sich Roth heute korrigieren. Denn den Rennsteig gibt es inzwischen ein zweites Mal: als Aktenstapel bei den deutschen Geheimdiensten.

Herbert Roth müsste sich heute korrigieren

Der Name "Rennsteig" steht nicht mehr nur für Entspannung und Frohsinn auf Thüringer Art, sondern inzwischen auch für das Desaster des Verfassungsschutzes. Inlandsgeheimdienste hatten zwischen 1997 und 2003 eine Operation gegen Thüringer Neonazis nach dem Höhenweg benannt. Die "Fallbezeichnung" für die Geheimdienstoperation wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn die Operation tatsächlich geheim geblieben oder vielleicht sogar erfolgreich gewesen wäre. Doch beides ist nicht der Fall. Aus dem observierten Thüringer Neonazi-Milieu stammt das Terrortrio Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe. Und die Aktion geriet auch deshalb in Verruf, weil Teile der Akten nach dem Auffliegen der Terrorzelle vom Geheimdienst geschreddert wurden. Bis heute steht deshalb der Verdacht im Raum, dass etwas vertuscht werden sollte. Der Behördenleiter nahm seinen Hut.

"Andi T" spricht von "massivem Schaden"

Was für das Ansehen des Geheimdienstes der Super-Gau ist, ist für die Thüringer ein Imageschaden sonders gleichen. Seit mehr als zwanzig Jahren müht sich die Thüringer Tourismus GmbH den Rennsteig als positives Aushängeschild des Freistaates national und auch international zu vermarkten. Und dann das! Tourismus-Geschäftsführerin Bärbel Grönegres stöhnt, dass der Rennsteig nun in ein Licht gerückt worden sei, wo er nicht hingehöre. Die aktuelle Debatte sei "höchst bedauerlich". Ähnlich sieht das Andreas Trautvetter, Präsident des Regionalverbundes Thüringer Wald. Trautvetter stürmte einst als blondierter Innenminister unter dem Künstlernamen "Andi T" mit einer eigenwilligen Interpretation des "Rennsteigliedes" die Charts. Nun sieht er einen "massiven Schaden" für die Region. Nur die schnelle Aufklärung der Sache könne die Debatte beenden.

"Ins Knie geschossen" und "mit brauner Soße übergossen"

Der Ärger über die eigenwillige "Fallbezeichnung" beim Verfassungsschutz ist beiderseits des Rennsteigs groß. "Also damit hat man uns ganz schön ins Knie geschossen", sagt Florian Meusel vom Verband Naturpark Thüringer Wald. Seine Forderung: Es sollte verboten werden, regionale Marken für Geheimdienstoperation zu verwenden. Und Jürgen Lange, Präsident des Rennsteiglaufvereins, schimpft: "Mich regt das auf. Ich weiß nicht, was in die Köpfe derjenigen gefahren ist, die solche Namen vergeben." Durch die Geheimdienstoperation sei der "bisher positiv beleumundete" Rennsteig mit einer "braunen Soße übergossen" worden. Thomas Heß, Geschäftsführer von Thüringer Waldquell, mit der Marke "Rennsteig"-Mineralwasser im Sortiment, würde sogar eine Sammelklage gegen den Verfassungsschutz wegen Rufschädigung mitunterschreiben. Er ist sich allerdings auch sicher: Der gute Ruf seiner "Rennsteig"-Marke lasse sich nicht so schnell in Misskredit bringen. Denn "Rennsteig" sei ein "starkes Synonym für die Region und für Gastfreundschaft".

Bundesverfassungsschutz  findet Namensgebung passend

Wer den Namen Mitte der 1990er-Jahre auswählte und weshalb lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Eine Sprecherin des Bundesamtes für Verfassungsschutz sagte MDR THÜRINGEN, die Namensvergabe sei "reiner Zufall". Es gebe keine Dienstanweisung, die die Auswahl von "Fallbezeichnungen" für Operationen vorschreibe. Der Name "Rennsteig" sei aber passend gewesen, da der Schwerpunkt der Operation in Thüringen gewesen sei. Und dort gebe es ja schließlich, so die Behördensprecherin in Köln, den bekannten Rennsteig. Kurzum: Bereits wenige Jahre nach der Wiedervereinigung war "Deutschlands bekanntester und beliebtester Höhenwanderweg" auch in Geheimdienstkreisen zumindest bekannt und vielleicht auch beliebt.

Zuletzt aktualisiert: 09. Juli 2012, 10:29 Uhr

3. Möwe:
@Harry "Etersberg" wird mit tt geschrieben und "Harz4" so :Hartz 4 bekannt nach seinem Erfinder Peter Hartz. Der mündige Bundesbürger wird es unterscheinen können, das "Operation Rennsteig" keine Beschreibung der Örtlichkeit ist. Wenn man auf dem Rennsteig wandert, ist man nicht "Nackt unter Wölfen" haha.
09.07.2012
13:07 Uhr
2. Rennsteigbürger:
Zu den Tönen der Thüringer Rennsteig-Tourismus- Branche. Wollen diese ihre eigenen unfähigen Fähigkeiten dem Bundesamt für Verfassungsschutz unter der " Operation Rennsteig" in die Schuhe schieben? Für mich ist die Thüringer Tourismus- Branche mit der Einheit eine totalle Fehlbesetzung. Wen ich da unseren Rennsteigpapst vor Ort sehe, da frag ich mich sowieso immer, wer hat hier wohl den Bock zum Gärtner gemacht. Solche Gedanken sind so überflüssig, als ob man dem Papst ein Doppelbett schenken sollte.
09.07.2012
12:18 Uhr
1. Harry:
Das ist doch alles nur Propaganta mit dem Rennsteig, über den Begriff Harz 4 hat sich auch keiner so aufgespielt und da geht es um Menschen denen es nicht gerade gut geht und hört endlich mal damit auf über die Nazis zu reden. Die Kommunisten oder Sozialisten sind genau nicht besser. Die nach 1945 von den Russen auf dem Etersberg ermordet wurden, redet keiner mehr und wird totgeschwiegen, weil Ihr alle Angst vor der Wahrheit habt.
08.07.2012
18:34 Uhr

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