Zwickauer Trio BKA half schon 1998 bei Suche nach Bombenbauern

von Michaela Schenk

Das Bundeskriminalamt ist im Jahr 1998 entgegen bisherigen Behauptungen doch in die Suche nach den untergetauchten mutmaßlichen Bombenbauern Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe einbezogen gewesen. Das geht nach Informationen des MDR THÜRINGEN aus Polizei- und Justizakten aus der damaligen Zeit hervor. Demnach haben Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) kurz nach dem Abtauchen der drei Rechtsextremen aus Jena im Januar 1998 eine Telefon- und Adressliste des Trios ausgewertet. Mindestens eine der dort aufgeführten Adressen war ein erster Unterschlupf für die Untergetauchten. Dort lebte der Rechtsextreme Thomas S., der nach heutigen Erkenntnissen dem Trio Unterschlupf gewährte und ihm bei der Suche nach einer anderen Bleibe half. Überprüft wurde S. jedoch erst Monate später.

Die Akten aus dem Jahr 1998 widersprechen aktuellen Darstellungen, wonach das Bundeskriminalamt weitgehend auf Informationen der Thüringer Ermittlungsbehörden angewiesen war, und dass Informationen nur spärlich oder gar nicht weitergereicht wurden. Tatsächlich kamen Mitte Februar 1998 zwei Beamte vom BKA aus Meckenheim (bei Köln) nach Erfurt. Die Hauptkommissarin B.-S. und der Hauptkommissar B. wurden in die Fahnungen nach Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos eingebunden. Laut Aktenvermerk sollten sie vorrangig bei der internationalen Fahndung helfen. Doch ihre Arbeit ging weit über diese Amtshilfe hinaus: Die Beamten ermittelten beispielsweise bei Banken, Krankenversicherungen und Telefongesellschaften.

Telefonliste aus Garage ausgewertet

Hauptkommissar B. widmete sich auch den Dokumenten, die in der mutmaßlichen Bombenwerkstatt in Jena gefunden worden waren: ein Aktenordner mit Briefen und Postkarten sowie eine Liste und Zettel mit Telefonnummern. Die Papiere belegten die Kontakte von Uwe Mundlos zu Rechtsextremen in Thüringen, Sachsen und Süddeutschland. Einige der Adressen weisen geografisch auf spätere Tatorte von Banküberfällen und Morden hin, die dem Trio zur Last gelegt werden.

Der BKA-Beamte stellte im Februar 1998 fest, dass es sich bei den Notizen "zum Teil um Adressen bekannter Personen der rechtsextremistischen bundesdeutschen Szene (handelt)". Allerdings seien sie für die Ermittlungen "ohne Bedeutung". Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe wurden wegen des Verdachts der Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens gesucht. Ihre "Bombenbastelei" wurde als Tat der Drei, ohne Verbindung zur rechten Szene Thüringens gewertet. Ihre Kontakte außerhalb des Landes blieben unberücksichtigt.

Der Auswertungsbericht von BKA-Hauptkommissar B. ging damals auch an die BKA-Staatsschutz-Kollegen in Meckenheim. Neben der offiziellen Zuarbeit findet sich in den Dokumenten auch dieser handschriftliche Vermerk: "Hinweis auf Thomas S. (...) als möglicher Unterschlupf". Ob die Beobachtung weitergemeldet wurde, ob daraufhin Ermittlungen und von wenn ja, von wem ausgelöst wurden, ist den Akten nicht zu entnehmen. Antworten auf eine Anfrage von MDR THÜRINGEN dazu lehnte das BKA ab.

Enge Kontakte zwischen Thomas S. und Uwe Mundlos

Polizei- und Justizakten aus dem Jahr 1998 zum untergetauchten mutmaßlichen Bombenbauer-Trio
Diese Akten liegen dem MDR vor. Bildrechte: MDR/Michaela Schenk

Thomas S. und Uwe Mundlos standen in engem Briefkontakt, als S. in Waldheim eine Haftstrafe absitzen musste. Von den Zielfahndern des Thüringer Landeskriminalamtes (LKA) wurde S. aber erst über ein halbes Jahr später telefonisch überwacht. Dass S. mit Beate Zschäpe liiert war, erfuhr der Verfassungsschutz erst nach dieser Abhöraktion, und zwar von einem V-Mann namens "Riese". Von der Thüringer Polizei wurde S. am 19. April 1999 besucht. Den Zielfahndern teilte er dabei mit, dass das Trio zuletzt im Januar 1998 bei ihm gewesen sei.

Heute ist bekannt, dass die drei Gesuchten nach ihrem Abtauchen bei S. ersten Unterschlupf fanden und dieser ihnen bei der Suche nach einer weiteren Bleibe half. Bekannt ist inzwischen auch, dass er dem Trio zuvor Sprengstoff beschafft haben will. Seit dem Jahr 2000 wurde S. als V-Mann beim Landeskriminalamt Berlin geführt.

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7 Kommentare

16.01.2013 20:53 Georg 7

Man fragt sich hier schon wer hier eigentlich wem half. Das BKA den Rechtsextremen. Oder die V-Männer dem Verfassungschutz, der wiederum den Terroristen half? Jedenfalls gewinnt man nicht den Eindruck, dass irgend jemand auf Leitungsebene daran gelegen war, diese Leute zu finden. Als ausreichendes Ergebnis wurde wohl die finanzielle und informationelle Unterstützung der Terroristen empfunden, die daraufhin ungestört morden konnten. Normalerweise wäre es Aufgabe der Politik derartigen Umtrieben ein Ende zu setzen. Zum Wohle der Bevölkerung, zu denen Leute gehören die lieber am Leben bleiben wollen und die Täter bestraft sehen wollen. Andererseits sieht man am Beispiel von Hessen und Bayern in jüngsten Berichten genau das Gegenteil: die Polizei wird nicht kontrolliert sondern Brüderschaft getrunken und der Verfassungsschutz darf noch mehr einzelne Akten anlegen. Jetzt wo die alten Akten aus Versehen geschreddert wurden.

16.01.2013 15:30 schnöder rotz 6

Die einen geilen sich an Semantik , Kommata , oder kleinen Schreibfehler auf.

Wer sich für unsere Rechtsordnung interessiert, sollte des Inhaltes wegen explodieren, dass es soetwas gab. Loben und belohnen gehören die Journalisten, deren Ehrgeiz es ist diesen Staat und seine Instrumente transparenter darzustellen.

Da sach ich ma, : Lieber nen guter Satzbau, als zu wissen was gesagt wird