Mehrere Männer verladen ein teilweise mit Planen zugedecktes Wohnmobil auf einen Lkw.
Das ausgebrannte Wohnmobil wird im November 2011 abtransportiert Bildrechte: MDR/Ruth Breer

NSU-Untersuchungsausschuss Ungereimtheiten und hoher Besuch in Eisenach?

Das Wohnmobil, in dem im November 2011 die Leichen der mutmaßlichen Rechtsterroristen Böhnhardt und Mundlos gefunden worden waren, stand am Donnerstag im Mittelpunkt des NSU-Untersuchungsausschuss. Dabei wurden mehrere Ungereimtheiten offenbar. Eine Journalistin wurderte sich über fehlende Spurensicherung, der damalige Brandschutzleiter stand in der Kritik, und schließlich verblüffte der Chef einer Abschleppfirma mit seinem Bericht über einen hohen Besuch.

Mehrere Männer verladen ein teilweise mit Planen zugedecktes Wohnmobil auf einen Lkw.
Das ausgebrannte Wohnmobil wird im November 2011 abtransportiert Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Im NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages hat es am Donnerstag eine überraschende Zeugenaussage gegeben. Der Chef eines Eisenacher Abschleppunternehmens berichtete, dass er im November 2011 prominenten Besuch aus Sachsen gehabt habe. Dessen Innenminister sei mit Polizeibeamten auf seinem Firmengelände aufgetaucht und habe sich das Wohnmobil angeschaut, in dem die Leichen der mutmaßlichen Rechtsterroristen Böhnhardt und Mundlos gefunden worden waren. Nach mehrfachen Nachfragen der Abgeordneten sagte der Firmenchef, dass er die Anweisung von der Polizei bekommen hatte, einen Minister oder hohen Beamten aus dem Innenministerium Sachsen auf sein Gelände zu geleiten. Eine Sprecherin des sächsischen Innenministeriums sagte MDR THÜRINGEN, dass ein Besuch von Minister Markus Ulbig nicht stattgefunden hatte. Sie konnte aber bisher nicht ausschließen, dass andere hochrangige Beamte aus dem Ministerium die Abschleppfirma besucht hatten.

Eisenacher Wohnmobil stand einen Monat in Abschlepphalle

Auf dem Firmengelände lief seit dem 4. November 2011 die Tatortarbeit an dem ausgebrannten Wohnmobil. Der Unternehmer sagte aus, dass das Wohnmobil dazu fast einen Monat in seiner Halle gestanden hätte. Erst dann sei es in eine LKW-Röntgenanlage nach Hermsdorf und dann ins Landeskriminalamt nach Erfurt gebracht worden.

Journalistin verwundert über Fehlen von Spuren-Spezialisten

Zu Beginn der Sitzung hatte eine Journalistin über mutmaßliche Ungereimtheiten bei den ersten Ermittlungen nach dem Auffinden der Leichen berichtet. Die Fotoreporterin erklärte, es seien keine Spezialisten zur Spurensicherung beteiligt gewesen. Das sei ihr komisch vorgekommen, sagte die Frau, die damals als erste Fotografin vor Ort gewesen war. Die Journalistin, die nach eigenen Angaben zu dieser Zeit schon seit mehreren Jahren als "Blaulicht"-Reporterin gearbeitet hatte, sagte, sie habe bei ihren vorherigen Einsätzen zur Polizei-Berichterstattung nie erlebt, "dass bei zwei Leichen keine Tatort-Gruppe vor Ort war".

Kritik an ehemaligem Brandschutzleiter

Abgeordnete der Linken, der SPD und der Grünen übten zudem Kritik am ehemaligen Leiter des Eisenacher Amtes für Brand- und Katastrophenschutz. Zum einen warfen sie ihm vor, Beschwerden der Freiwilligen Feuerwehr Eisenach-Stregda über die Polizei im Zusammenhang mit dem Einsatz am Wohnmobil nicht ausreichend an seine Vorgesetzten weitergeleitet zu haben. Die Feuerwehrleute hatten bei einer früheren Sitzung des Ausschusses erklärt, ihnen sei vor den Löscharbeiten nicht gesagt worden, dass sich in dem Fahrzeug möglicherweise Bewaffnete aufhalten könnten und dass Schüsse gefallen seien. Der frühere Amtsleiter sagte dazu am Donnerstag, für ihn seien nur Einschätzungen der Berufsfeuerwehr relevant gewesen. Deren Leiter sei mit der Polizei nicht unzufrieden gewesen. Außerdem kritisierten die Abgeordneten, der frühere Beamte habe keinerlei Versuche unternommen, die Feuerwehr-Fotos von der Polizei wiederzubekommen, die im Laufe des 4. Novembers 2011 von einem Polizeibeamten beschlagnahmt worden waren. Der Ex-Amtsleiter bestätigte, von der Polizei nur eine leere Speicherkarte wiederbekommen zu haben.

Eisenach war das Ende des NSU

Am 4. November waren Böhnhardt und Mundlos nach einem Banküberfall in Eisenach tot in einem brennenden Wohnmobil gefunden worden. Die Polizei geht davon aus, dass Mundlos seinen Komplizen Böhnhardt und dann sich erschossen hat. Wenige Stunden nach den Ereignissen in Eisenach soll Beate Zschäpe die gemeinsame Wohnung in Zwickau in Brand gesetzt haben. Sie stellte sich einige Tage später in Jena der Polizei. Inzwischen war klar, dass die drei ein jahrelang gesuchtes Neonazi-Trio waren, das 1998 untergetaucht war. Dem sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund werden zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und mehrere Banküberfälle zugeschrieben.

Neuer Ausschuss konzentriert sich auf Eisenach und Mord an Kiesewetter

Der jetzige NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtags hatte in der neuen Legislaturperiode seine Arbeit aufgenommen. Er konzentriert sich in seiner Arbeit auf die Geschehnisse im November 2011 sowie auf den Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter. In der vergangenen Legislaturperiode hatte ein erster Untersuchungsausschuss zahlreiche Pannen von Polizei und Verfassungsschutz bei der Suche nach dem untergetauchten Trio offengelegt.

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2015, 20:05 Uhr

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15 Kommentare

29.08.2015 16:03 Codo81 15

@14: Sie haben absolut recht!! Ich frage mich ohnehin, was der (nun schon zweite) Untersuchungsausschuss genau bringen soll-Außer natürlich als Bühne für sonst nicht so wahrgenommene Politiker, die, wenn sie nicht irgendwelche Abschleppfahrer verhören könnten, völlig unnütz wären. Der Strafprozess findet in München statt.

29.08.2015 10:10 Was für ein erbärmlich banaler Artikel. 14

Man lese den Artikel genau und berücksichtige die "Quellen" dieser "erschütternden" Neuigkeiten. Qualifikation: Mehrfach für... "Blaulicht" gearbeitet, ich fasse es nicht. Banales Zeugs, typische und nicht unübliche Schlampereien, laienhafte Vermutungen (natürlich wird ein Fahrzeug zur Spurensicherung abgeschleppt, wenn die Aussenspurenlage gesichert ist und sich alle weiteren relevanten Spuren im Inneren des Fahrzeugs befinden) und eine gehörige Portion Wichtigtuerei. Natürlich muß der Ausschuß jeder Information nachgehen (ich hoffe, er tut das auch) - aber auf diesen Haufen leeres Stroh medial einzudreschen, ist nur lächerlich und zeugt einmal mehr von der Inkompetenz der beteiligten Journaille.

29.08.2015 09:58 Ich kennen einen, der einen kennt, dessen Tante einen Kunden hat, der gesehen hat, wie ein Freund seines Bruders mal etwas genau gesehen hat. 13

@3. Sven Becker: "Nicht nur der Journalistin kam einiges merkwürdig vor. Fragt doch mal bei den Feuerwehrleuten die dort waren nach, was ihnen so alles aufgefallen ist!" - Mach' snicht so spannend, Sven Becker - erzähl es uns einfach: Was ist ihnen denn aufgefallen, den Feuerwehrleuten?

28.08.2015 13:46 martin 12

Und sie werden immer den wahren Gründen hinterherlaufen - Wer korrigiert den sog. "Schäfer Bericht" und stellt Herrn Schäfer Bundesrichter a.D. zur Rede?

28.08.2015 08:54 Manne 11

Warum sehe ich nirgends die Leute mit den weissen Anzügen? Warum löscht die Polizei die Fotos von der Feuerwehr? Warum versteckt die Polizei die eigenen Aufnahmen vom Tatort? Wie wurde eigentlich am Tatort der Todeszeitpunkt der Uwes festgestellt? Jeder der die geleakten Akten kennt weiss, daß hier massiv manipuliert wurde. Und das geht natürlich in einer Halle besser als auf der Strasse. Herr Hintze, haben Sie schon mal erlebt, dass eine Leiche bei Abschleppen nach oben rutscht? Steht alles in den Akten ;-)

27.08.2015 21:34 Dieter 10

@2 : Durch die PD Gotha wird am 04.11.11, 12.30 Uhr über den Führungs- und Lagedienst des TLKA die Rufbereitschaft der Tatortgruppe (TOG) - KHKin Michel, KK Hoffmann und PM Schminkel - zu einem ausgebranntem Wohnmobil mit zwei darin liegenden unbekannten Personen mit Schussverletzungen zur Unterstützung der Tatortarbeit angefordert. Bei Ankunft am Tatort in Stregda bei Eisenach wird eine Lageeinweisung durch KOK Lotz (KPS Eisenach/ Lt.Komm.1) sowie den Polizeiführer PD Menzel (Leiter PD Gotha) durchgeführt, anwesend sind weiterhin PR Gubert (Leiter PI Eisenach) sowie KHKin Knobloch (KPI Gotha/ 1.SB'in Komm.1). Ist alles lange bekannt und unter anderem im Abschlussbericht des 1. Thüringer NSU-UA nachzulesen. Aber gut. Auf einmal ist halt keine Tatortgruppe vor Ort gewesen, bzw. das keine Tatortgruppe vor Ort war, hat fast 4 Jahre niemand mitbekommen. Wundern würde mich auch das nicht mehr!

27.08.2015 21:06 Eirene 9

Und was sollen diese Aussagen uns sagen? Welchen Zweck verfolgt der Untersuchungsausschuss denn noch? Wenn man die Ergebnisse so sieht, scheint das Thema durch zu sein!

27.08.2015 20:16 Thor 8

@ Herr Hinter: Sie sollten mal Mr. Google fragen. Geben Sie doch mal fatalist im Suchtfeld ein und gehen Sie mal auf seinen Blog. Es sind soviel Ungereimtheiten im "sogenannten" NSU, das es zu Himmel schreit.

27.08.2015 18:11 BuWe 7

@5. Sind Sie ausgebildeter Spurensicherer, oder woher nehmen sie ihre Weisheiten? Wenn man keine Ahnung hat sollte man solche unqualifizierten Kommentare lassen. Die Tatortgruppe war vor Ort und die wissen was sie tun. Schluss aus!

27.08.2015 17:47 bundle 6

Es wäre doch viel interessanter zu erfahren, wann die Halle angemietet wurde! Falls das ein paar Tage vor dem 4.11. war, ist klar, dass die ganze Aktion eine gesteuerte Staats(-Schutz)-Aktion war. Zur Debatte steht ja auch immer noch, ob nicht zwei Wohnmobile im Spiel waren (vergl. NSU-Leaks). Das sollte man auch vorsichtshalber fragen. Ein paar Formulierungen des Artikels zeigen, ("Eisenach war das Ende des NSU" bzw. "Inzwischen war klar, das die drei ein jahrelang gesuchtes Neozazi-Trio waren") dass die MDR-Autoren immer noch der offiziellen Version hinterherlaufen. Informiert euch mal im Internet!