Schild für das Nabu-Schwalben-Projekt
Der Nabu will Hauseigentümer überzeugen, dass Schwalben als Untermieter gar nicht so schlecht sind. Doch vor allem sollen zerstörte Nester vermieden werden. Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

Naturschutz Warum gibt es immer weniger Schwalben?

Abgeschlagene Nester, der Klimawandel und die industrielle Landwirtschaft – das sind die größten Feinde der Schwalben. Denn sie zerstören nicht nur ihre Brut, sondern vor allem ihre Nahrung. Laut Bundesumweltministerium ist die Anzahl der Insekten um fast 80 Prozent zurückgegangen und Schwalben ernähren sich von sehr vielen Insekten. Damit die Populationen nicht noch weiter sinken, hat der Nabu Schwalbenschutzmaßnahmen gestartet.

von Jens Falkowski, MDR AKTUELL

Schild für das Nabu-Schwalben-Projekt
Der Nabu will Hauseigentümer überzeugen, dass Schwalben als Untermieter gar nicht so schlecht sind. Doch vor allem sollen zerstörte Nester vermieden werden. Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

Vögel und ihre Brut sind in Deutschland besonders geschützt. Trotzdem werden immer wieder Nester zerstört. Die traurigen Überreste dieser Aktionen landen dann oft bei der Wildvogelhilfe des Naturschutzbunds, kurz Nabu. Karsten Peterlein hat gerade eine Kiste mit einem Schwalbennest bekommen. Zwei Küken haben den Sturz nicht überlebt, erzählt er. "Die Vögel kommen aus Oschatz, die hat uns ein Finder gebracht. Da sind von einem Gebäude die Nester abgeschlagen worden von einem Mieter, der sich gestört gefühlt hat durch die Vögel. Es ist natürlich verboten zur Brutzeit, solche Nester zu entfernen, zumal hier zusätzlich noch Tiere zu Schaden kommen durch den Absturz", erklärt Peterlein.

Schwalben-Konfliktlösung

Nisthilfe für Schwalben
Eine Schwalben-Nisthilfe soll den Vögeln und ihrer Brut Schutz bieten. Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

In der Station werden die Schwalben aufgezogen und ausgewildert. Doch der Nabu will bereits helfen, bevor die Nester zerstört werden. Dabei sorgt der Schwalbenkot an Wohnhäusern oft für den meisten Ärger. Karsten Peterlein kann hier aber häufig vermitteln, sagt er. Der Nabu habe im letzten Jahr das Programm "Schwalben willkommen" in Sachsen gestartet und das richte sich gezielt an Gebäudeeigentümer, die die Schwalben dulden oder zusätzlich Schwalben ansiedeln wollen, so Peterlein. Der Nabu Leipzig unterstütze das mit künstlichen Nisthilfen oder berate die Leute auch, wenn es Konflikte mit Verschmutzungen gebe.

Immer weniger Nahrung

Doch abgeschlagene Nester sind für die Schwalben nur das kleinere Problem. So sorgt der Klimawandel und die industrielle Landwirtschaft ohne Blühstreifen und mit Pestziden für weniger Insekten. Gerade für Rauchschwalben ist das ein besonderes Problem. Bereits 2008 war ihre Anzahl laut sächsischem Umweltministerium um 60 Prozent gesunken. Tomas Brückmann von der Grünen Liga erforscht die Rauchschwalben im Kohrener Land zwischen Leipzig und Chemnitz. "Rauchschwalben ernähren sich von Insekten, von ganz, ganz vielen Insekten. Man sagt, das sind Untersuchungen aus der Schweiz, dass eine Rauchschwalbe für eine einzelne Brut 1,2 Kilogramm Insekten benötigt und diese Insekten sind in der Landschaft einfach nicht mehr da", sagt Brückmann.

Keine Insekten, keine Schwalben

Naturschützer mit Fernglas
Nicht nur abgeschlagene Nester, sondern auch der Klimawandel und die industrielle Landwirtschaft machen den Schwalben zu schaffen. Bildrechte: MDR/Jens Falkowski

Laut Bundesumweltministerium ist die Anzahl der Insekten um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Pferdehöfe mit offenen Ställen sind oft die einzigen verbliebenen Schwalbenparadiese. Deshalb fordert Experte Tomas Brückmann: "Eine andere Landwirtschaft und wieder Viehhaltung. Viehhaltung wieder mit offenen Ställen und Stroheinstreuung, weil in Gülleställen sind meist keine Schwalben vorhanden. Ich habe im Kohrener Land den Umstand entdeckt, dass Gehöfte, auf denen Misthaufen wieder vorhanden sind, eine viel höhere Rauchschwalbenpopulation haben. Es braucht einen viel verantwortungsbewussteren Umgang mit Pestiziden." Dann kommen auch wieder die Insekten und mit ihnen die Schwalben.

Diesen Beitrag sendet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.07.2017 | ab 05:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2017, 17:34 Uhr

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