Die Jungstörche Albrecht und Agathe aus Wittichenau
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Storchennest in Horka Storchen-Rettung in letzter Minute

In Horka bei Niesky mussten Tierfreunde bei einer Storchenfamilie zu Hilfe eilen. Ein Jungvogel drohte, aus dem Nest zu fallen. Helfer klommen ins Nest und entdeckten die Ursache für sein Verhalten.

von Uwe Walter

Die Jungstörche Albrecht und Agathe aus Wittichenau
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Aufregung in Horka bei Niesky: Im Storchennest schien sich ein Drama anzubahnen. Einer der Jungvögel hatte Probleme beim Stehen, drohte aus dem Nest zu fallen. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr wurden alarmiert. Mithilfe einer Leiter klimmen sie in den Horst.

Plastikmüll schnürt dem Jungstorch das Bein ab
Plastikmüll schnürt dem Jungstorch das Bein ab. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Bei dem Jungvogel ist der Oberschenkel von einem Plastefetzen abgeschnürt. Schnelle medizinische Hilfe ist dringend erforderlich. Die Storchenfreunde bringen den verletzten Nestling in die Wildtierauffangstation des Naturschutztierparks Görlitz.

Rettung in letzter Minute

Tierpark-Chef Sven Hammer ist auch Tierarzt. Zusammen mit seiner Frau eilt er sofort zu dem verletzten Vogel. "Schei........Plastemüll", flucht Sven Hammer als Tierfreund. Catrin Hammer hält den Storch, um die Behandlung zu ermöglichen. Ruhig lässt Adebar die Prozedur über sich ergehen. Ganz vorsichtig wird der Plastestreifen knapp über dem Gelenk entfernt. In der offenen Wunde liegen die Sehnen blank.

Sven und Catrin Hammer versorgen einen verletzten Jungstorch
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Nur ein paar Stunden später, dann wäre das Bein hin gewesen. Das hätte den Tod für den Vogel bedeutet.

Sven Hammer Tierparkdirektor

"Ein Glück, dass es in der Oberlausitz so viele Naturfreunde gibt, die auch die Klapperstörche im Blick haben", freut sich Catrin Hammer als Kuratorin des Görlitzer Tierpark, während sie ihrem Mann zur Hand geht. Die grässliche Wunde wird gesäubert, die Sehnen werden zurecht gerückt und anschließend wird die Wunde verbunden. Dann wird das Bein mit einer Art Gummimull umwickelt, um es zu stützen. Mit weit aufgerissenen Augen verfolgt der Patient, wie die Menschen an seinem Oberschenkel herumwerkeln. Zum Abschluss bekommt der Patient noch zwei Spritzen unter den Flügel verpasst: gegen Schmerzen und Infektionen.

Ein Storch bekommt Spritzen gegen Schmerzen und Infektionen
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Steht er oder steht er nicht?

Sven Hammer ist immer noch angespannt. Die Operation ist zwar gut verlaufen, aber erst jetzt wird sich zeigen, ob die Operation auch gelungen ist. "Der Jungstorch muss sich jetzt auf seine beiden Beine stellen, dann ist alles o.k.", sagt der Tierarzt.

Verletzter Storch wird nach dem Verarzten auf die Beine gestellt
Catrin Hammer stellt den versorgten Jungstorch vorsichtig auf die Beine. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Ganz langsam stellt Catrin Hammer den versorgten Vogel in einer leeren Voliere, dem "Ein-Nest-Krankenzimmer" auf die Beine. Immer wieder zieht Adebar sein behandeltes Bein zurück. Doch dann steht er. Die nächsten fünf Tage muss er auf der Krankenstation verweilen, Chefarztbehandlung inklusive. Erst dann darf er zu seinen sechs Altersgenossen in die Jungstörche-WG.

Störche im Rüpelalter

Der Neuzugang mit dem verletzten Bein hat noch keinen Namen. Zwei Artgenossen schon. Albrecht und Agathe waren im Frühjahr aus einem Storchennest in Wittichenau gefallen. Die Nestlinge überlebten den Sturz aus 15 Meter Höhe unverletzt. Seitdem werden sie in Görlitz versorgt. Albrecht und Agathe sind keine kleinen kuschlichen Nestlinge mehr, denn die beiden bringen jeder drei Kilogramm auf die Waage. Sie sind jetzt im Rüpelalter.

Jungstörche
Jungstörche in der Wildtierauffangstation Görlitz. Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Nestlinge durchleben drei Phasen, erklärt Catrin Hammer: Es gibt die Kuschel-, dann folgt die sture - und vor dem Erwachsensein die Rüpelphase. Am Anfang kuscheln die kleinen Rotschnäbel noch gerne mit ihrem Pfleger. Dann stellen sie sich stur oder ignorieren ihre Betreuer. Später werden die Jungadebare vielfach garstig. Sie hacken sie mit dem Schnabel oder schlagen mit den Flügeln, wenn sie gestört werden. Gerade Albrecht entpuppt sich derzeit als besonders schlecht gelaunter Zeitgenosse. "Das Wiegen hasst er geradezu, da wird Albrecht richtig grantig", schimpft seine Betreuerin.

Fitness für Störche

Instinktiv hat der Nachwuchs in der kleinen Voliere schon mit einem Fitnessprogramm begonnen. Zirkeltraining mit nur einem Gerät. Ein Holzklotz dient für den "Big Box Jump". Wieder und wieder springen die Jungvögel auf den Baumstumpf. Später werden sie ihr Fitnessprogramm um den "Flight Jump" erweitern. Dabei versucht der Storchennachwuchs die Äste in unterschiedlicher Höhe an einem "Auf"-Baum zu erreichen. Die Flügel dürfen beim "Flight Jump" zu Hilfe genommen werden. Noch steht der "Auf"Baum unbenutzt in der Voliere, doch in den nächsten Tagen wird sich das ändern.

Sven Hammer und Catrin Hammer stabilisieren das verletzte Bein
Sven Hammer und Catrin Hammer stabilisieren das verletzte Bein Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Der "Auf"baum ist ganz wichtig für den Aufbau der Flugmuskulatur, denn die muss bis Ende August ausgebildet sein. Unsere Jungstörche sollen ja auch ihren Weg in den Süden antreten können, zusammen mit den Artgenossen.

Noch werden die sieben Jungstörche im Tierpark in Görlitz versorgt. Jeder Nachwuchsadebar verspeist sei pro Tag ein halbes Kilo, darunter Fische, Mäuse und Küken. Mitte August sollen die Tiere im Oberlausitzer Biosphärenreservat Heide- und Teichlandschaft ausgewildert werden. Am Anfang wird in freier Wildbahn noch etwas zugefüttert, doch nach wenigen Tagen müssen sich Albrecht und Agathe sowie ihre fünf Artgenossen aus der Tierauffangstation selbst versorgen. Doch bis dahin können Albrecht, der Griesgram und Agathe, die Zarte noch im Görlitzer Tierpark in ihrer WG beobachtet werden.

Wie Adebar sein Bein behält Drama im Storchennest verhindert

Sven und Catrin Hammer versorgen einen verletzten Jungstorch
Sven und Catrin Hammer versorgen den verletzten Jungstorch aus Horka. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Sven und Catrin Hammer versorgen einen verletzten Jungstorch
Sven und Catrin Hammer versorgen den verletzten Jungstorch aus Horka. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Plastikmüll schnürt dem Jungstorch das Bein ab
Plastikmüll schnürt dem Jungstorch das Bein ab. Stunden später und das Bein wäre abgestorben, der Vogel verendet. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Plastikmüll schnürt dem Jungstorch das Bein ab
Ganz vorsichtig wird der Plastikmüll abgewickelt. Darunter liegen die Sehnen frei. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Wundversorgung eines verletzten Storches
Die Wunde wird versorgt, desinfiziert und abgedeckt. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Sven Hammer und Catrin Hammer stabilisieren das verletzte Bein
Mithilfe von Bändern wird das verletzte Storchenbein fixiert und stabilisiert. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Verletzter Jungstorch aus Horka
Ohne Murren, ohne Hacken: Ganz ruhig lässt der gefiederte Patient sich helfen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Ein Storch bekommt Spritzen gegen Schmerzen und Infektionen
Zum Abschluss der Behandlung bekommt Adebar zwei Spritzen: gegen Schmerzen und Infektionen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Verletzter Storch wird nach dem Verarzten auf die Beine gestellt
Ganz vorsichtig stellt Catrin Hammer den Storch im "Krankenzimmer" auf die Beine. Nun muss sich zeigen, ob die OP erfolgreich war. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Ein junger Storch vor einer Fischmahlzeit
Noch schwankt der Patient, wie ein Rohr im Wind. Kann er das verletzte Bein belasten? Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Ein junger Storch vor einer Fischmahlzeit
Operation gelungen: Patient steht im "Ein-Nest-Krankenzimmer". Noch fünf Tag gibt es Chefarztbehandlung, dann darf er zu seinen benachbarten Altersgenossen. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
Jungstörche in der Wildtierauffangstation Görlitz
WG von Jungstörchen in der Wildtierauffangstation Görlitz. Bildrechte: MDR/Uwe Walter
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Ein Storch bekommt Spritzen gegen Schmerzen und Infektionen
Bildrechte: MDR/Uwe Walter

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio : MDR SACHSEN - DAS SACHSENRADIO | 18.07.2017 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2017, 15:48 Uhr