Wolf läuft in Fotofalle
Das Beweisfoto aus der Fotofalle des NABU: Die Wölfin von Ohrdruf. Bildrechte: NABU Thüringen

Ohrdruf Weiter kein Nachweis für Wolfsrudel in Thüringen

Mehr als 60 Schafe und Ziegen fielen fielen in den vergangenen Wochen rund um Ohrdruf einem Wolf zum Opfer. Jäger, Züchter und Behörden spekulierten daraufhin: das kann kein einzelner Wolf sein. Alles spreche für ein Rudel. Doch tatsächlich handelt es sich offenbar um eine einzelne Wölfin, die auf dem Truppenübungsplatz ihr Revier hat.

Wolf läuft in Fotofalle
Das Beweisfoto aus der Fotofalle des NABU: Die Wölfin von Ohrdruf. Bildrechte: NABU Thüringen

In Thüringen gibt es bisher kein Wolfsrudel. Zu diesem Ergebnis kommen die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie - TLUG - und der Naturschutzbund Thüringen - NABU. Uwe Müller, Beauftragter für Großraubtiere bei der Landesanstalt, sagte MDR THÜRINGEN, alle Spuren und die jüngsten Gen-Analysen hätten bisher darauf hingedeutet, dass es sich um eine einzige Wölfin handelt, die ihr Revier auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf im Thüringer Wald hat. Es gebe auch keinerlei Hinweise auf einen weiteren Wolf, Nachwuchs oder Hybride - also eine Kreuzung zwischen Hund und Wolf. Jäger, Hundezüchter und Behörden hatten in den vergangenen Tagen über ein Wolfsrudel in der Gegend von Ohrdruf spekuliert.

Nur eine Wölfin beobachtet

Zum selben Ergebnis kommt der Naturschutzbund Thüringen. Wolfexperte Silvester Tamas sagte MDR THÜRINGEN, die Dauerbeobachtung (Wolfs-Monitoring) seit Anfang dieses Jahres hätte gezeigt, dass es sich nur um einen einzelnen Wolf handle.

Das erste Thüringer Wolfsgebiet rund um den Truppenübungsplatz Ohrdruf bei Arnstadt.
Das erste Thüringer Wolfsgebiet rund um den Truppenübungsplatz Ohrdruf. Bildrechte: Bing Maps/Konrad Herrmann

Es sei durchaus möglich, dass ein Wolf pro Nacht zehn bis 20 Weidetiere reißen kann. Da verhalte er sich wie der Fuchs im Hühnerstall. Zudem gebe es vier bis fünf streunende Hunde in dem Gebiet, die einige Schafe und Ziegen angegriffen hätten. Insgesamt wurden seit Juli 65 Schafe und zwölf Ziegen gerissen - erst am Dienstag hatte ein Schäfer den Verlust zweier Ziegen und eines Schafs angezeigt.

Laut Naturschutzbund eignet sich der Truppenübungsplatz bei Ohrdruf jedoch hervorragend als Reproduktionsgebiet, so dass es durchaus möglich sei, irgendwann tatsächlich ein Wolfsrudel in Thüringen zu beobachten.

Bauernverband fordert Abschuss von Problemwölfen

Auch politisch sorgt der Wolf weiterhin für Wirbel. Der Thüringer Bauernverband fordert, sogenannte Problemwölfe nötigenfalls auch zu erlegen. Während die Thüringer Landtagsfraktionen von CDU und AfD der Auffassung sind, dass Weidetierhaltung und Wölfe nicht zusammenpassen, hält die rot-rot-grüne Landesregierung daran fest, den Wolf in Thüringen dauerhaft wieder anzusiedeln.

In Deutschland gibt es derzeit insgesamt 53 Wolfs-Territorien mit 41 Rudeln, acht Wolfs-Paare mit 150 Welpen und vier territoriale Einzeltiere, darunter die einsame Wölfin bei Ohrdruf.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - das Radio | Nachrichten | 07.09.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 08. September 2017, 11:56 Uhr

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