Pongoland Spezial
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Stichwort Pongoland: Erlebnispark, Forschungsstätte und Arche Noah

Nur im Leipziger Zoo kann das Verhalten aller vier Menschenaffenarten an einem Ort erforscht werden, das macht ihn weltweit einmalig. Dass die Besucher den Forschern in den Testräumen zusehen können, ist ebenfalls besonders.

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Die Affenanlage Pongoland ist für den Leipziger Zoo eine Erfolgsgeschichte. Sie ist Teil des Konzepts "Zoo der Zukunft", das artgerechte Haltung, Artenschutz und Bildung verbindet. Dabei geht es darum, die natürliche Umwelt der Tiere möglichst originalgetreu in sogenannten Themenwelten zu rekonstruieren. Nach Savannenlandschaft, Tigertaiga, Pongoland und Elefantentempel entstand zuletzt die Tropenhalle Gondwanaland. Baubeginn für das Pongoland war im Mai 1999, fertig gestellt wurde es im März 2001. Eröffnung war am 1. April. Rund 30 Millionen Euro hat das Pongloand gekostet. Die Max-Planck-Gesellschaft trug 90 Prozent der Kosten.

Alle vier Menschenaffenarten an einem Ort

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Bei der offiziellen Einweihung Bildrechte: MDR / ETC

Kern des 30.000 Quadratmeter großen Komplexes ist eine dreigeschossige Tropenhalle mit 1.600 Quadratmetern Grundfläche. Darin befinden sich vier Gehege. Maximal 60 Menschenaffen kann die Anlage aufnehmen. Vor der Halle befinden die voneinander abgegrenzten Außenbereichen für die Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und Bonobos mit jeweils etwa 1.400 bis 4.200 Quadratmetern Fläche. Ein Stück renaturierte Wildnis mitten in der Stadt mit Gras, Gebüsch und Kletterbäumen, ergänzt durch Felsen, liegende Stämme, Hangelseile und witterungsgeschützte Unterstände. Wassergräben trennen die Anlagen zum Besucher bzw. zu den Nachbargehegen ab. Innen gibt es - als Abgrenzung zu den Besuchern - auch Glasscheiben.

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Warten auf die Pellets: "Ganz wenig Kalorien!" Bildrechte: MDR / ETC

Ein Tag im Pongoland kostet 2.500 Euro, rechnet Zoodirektor Jörg Junhold. Eine knappe Million Euro investieren das Max Planck-Institut und der Leipziger Zoo also jedes Jahr, die Kosten teilen sich die beiden Partner. Täglich werden beispielsweise 250 Kilogramm an Obst und Gemüse verfüttert. Beste Qualität, versichert Pflegerin Martina Lohse in der Futterküche. Obst geht am besten, um den Kohlrabi oder den Salat streitet sich keiner, weiß sie. Ansonsten sorgt auch die Zwischenmahlzeit gegen Zwei für großes Gekreische. Pfleger Frank Schellhardt, der sich seit mehr als 40 Jahren um die Affen im Leipziger Zoo kümmert, erdachte mit seinen Kollegen ganz besondere Leckerlis: Rosinen verpackt in Papier-Bonbons für die Schimpansen, die müssen sie erstmal auswickeln. Oder kleine Pellets für die Gorillas: "Das ist bloß gepresstes Grün, sehr wenig Kalorien."

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Bimbo will ans Futter. Bildrechte: MDR / ETC

Und die Affen haben trotzdem was zu tun und was zu knabbern. "Und je kleiner die sind, desto mehr haben sie natürlich zu arbeiten", erklärt Frank Schellhardt. Er liebt seine Affen und hat sich eigens für sie auch einen Futterautomaten mit Zeitschaltuhr ausgedacht. Mit Stöcken oder den bloßen Fingern können sie das Futter herausangeln. Nach einer kleinen Weile füllt sich die Etage im Schrank wieder, sonst kommt schlechte Laune auf. Gut befestigt sein, muss so ein Zauberschrank auch, sonst würde ihn so ein Orang-Utan-Mann wie Bimbo davon tragen, weiß Frank Schellhardt:

Das ist unser TÜV, der Orang. Was bei Bimbo standhält, kann ich unbedenklich bei jeder anderen Gruppe reintun. Wir wollen in den nächsten Jahren sehen, dass jede Gruppe auf der Innenanlage zumindest immer zwei Kästen hat. Also, da haben die ewig zu tun.

Ein Pfleger im Affenkäfig
Frank Schellhardt mit Orang-Utan-Dame Dunja Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bimbo ist Frank Schellhardt besonders ans Herz gewachsen. Er holte ihn einst aus Frankreich ins neue Pongoland. Auch ein erfahrener Pfleger wie er lernte damals einen völlig neuen Umgang mit den Tieren. Früher war der Pfleger das Leittier. Das bedeutete auch, dass sich Affe und Mensch im Gehege begegneten, sie waren sogar manchmal außerhalb unterwegs. Solcherart Nähe gibt es nicht mehr, was für Schellhardt anfangs schmerzlich war. Aber das sei eben heute nicht mehr artgerecht, sagt er. Vor allem würde es die Arbeit der Forscher beeinträchtigen. Die Hälfte des Zeit-Budgets eines Pflegers gilt deren Unterstützung. Seine Morgenrunde macht Frank Schellhardt unbenommen, Bimbo wartet dann schon: "Eine Altmännerfreundschaft", schmunzelt Schellhardt und legt seine Hand gegen die Scheibe, wo Bimbo ihm schon die seine entgegenstreckt.

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"Altmännerfreundschaft": Frank Schellhardt und Bimbo begrüßen sich durch die Scheibe. Bildrechte: MDR / ETC

Unter dem Dach des Tropenhauses befindet sich auch das Wolfgang-Köhler-Zentrum für Primatenforschung, das zum Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie gehört. Nur im Leipziger Zoo kann das Verhalten aller vier Menschenaffenarten an einem Ort erforscht werden, das macht ihn weltweit einmalig. Dass die Besucher den Forschern in den Testräumen zusehen können, ist ebenfalls besonders. Wolfgang Köhler (1887-1967) war ein Psychologe, der sich mit den Fähigkeiten von Menschenaffen befasste. Als Direktor der Anthropoiden-Forschungsstation auf Teneriffa untersuchte er Schimpansen und beschritt damit neue Wege, denn die Verhaltensforschung konzentrierte sich zu diesem Zeitpunkt auf Hunde und Katzen. Die Hauptziele seiner Arbeit mit den Schimpansen war es herauszufinden, in welcher Hinsicht sich Menschen und Menschenaffen ähneln und worin sie sich unterscheiden.

Eine Karte der Anlage des Pongoland im Leipziger Zoo.
Blicks aufs Pongoland mit Tropenhalle und Außenbereichen für die vier großen Menschenaffenarten des Zoos. Bildrechte: dpa

Zuletzt aktualisiert: 30. März 2017, 11:44 Uhr