Matthias Tandler und Matthias Schneider im Interview "Es ist eine ganz andere Welt"

Bis vor drei Jahren waren Matthias Tandler und Matthias Schneider erfolgreich in der Softwarebranche. Jetzt sind sie Pferde- und Rinderzüchter in Graditz. Zum Abschluss der Dokusoap "Von Rindern und Rennpferden" sprachen wir mit ihnen über alte Wurzeln, einen Neuanfang und den Alltag auf dem Land.

Matthias Schneider und Matthias Tandler

Dokusoap über das Gestütz Graditz bei Torgau in Sachsen
Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Dokusoap über das Gestütz Graditz bei Torgau in Sachsen
Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Dokusoap über das Gestütz Graditz bei Torgau in Sachsen
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Wie fanden Sie es denn so, bei der Arbeit plötzlich vor der Kamera zu stehen? Gerade in den aufregenden Momenten, etwa vor der Fohlen-Geburt oder als Kuh Mela ihr Kälbchen nicht ganz ohne Komplikationen auf die Welt bringt?

Matthias Tandler: Ehrlich? Na ja, ungewohnt.

Matthias Schneider: Ich kümmere mich ja hier um die Rinder. Bei der Geburt haben sie mich weggeschnitten! Ich wurde dann gefragt, warum hast du denn nicht mit geholfen? Ich habe mit gezogen, wollte ich nur mal klarstellen. (Lacht)

Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Matthias Schneider hat mitgezogen, auch wenn man es nicht sieht. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN

Die Kamere ist halt sehr dicht dran, auch beim Decken. Wir sehen sehr direkt, wie das abläuft mit der Vollblutzucht. Was wir als Zuschauer nicht mehr erfahren: Hat es denn noch geklappt mit Deckhengst Lucky Lion und Megaperls?

Matthias Tandler: Ja, das hat noch geklappt, auf natürlichem Wege! Megaperls ist tragend, jetzt im dritten Monat. Bei den Pferden dauert so eine "Schwangerschaft" ja elf Monate. Und die wird streng überwacht. Im Herbst kommt dann extra nochmal ein Professor aus Berlin, der einen großen Ultraschall macht.

Von Rindern und Rennpfernden Alltag in Graditz

Jeder im Gestüt hat seine Rolle. Von Stuten, Fohlen und "Probierhengsten" ...

Dokusoap über das Gestütz Graditz bei Torgau in Sachsen
Schon ab Jahresbeginn herrscht Trubel auf dem Gestüt. Die Abfohlzeit beginnt. Der Chef der Vollblutzucht, Matthias Tandler, hat schon über 100 Fohlen-Geburten, trotzdem ist es auch für ihn immer noch "ein Wunder". Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Matthias Tandler überlässt nichts dem Zufall, die sieben trächtigen Stuten sind mit Geburtsmeldern versehen, Kameras überwachen die Abfohlboxen. Immer, wenn sich eine Stute auf die Seite legt, geht der Alarm los. Meistens mitten in der Nacht und oft, weil sich die Stute einfach mal hinlegt - ohne, dass die Geburt losginge. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Dokusoap über das Gestütz Graditz bei Torgau in Sachsen
Bei "Walnut Hill" ist alles gut gegangen. Es ist ein Mädchen! Zwölf Mitarbeiter kümmern sich um die rund 50 Stuten der privat geführten Vollblutzucht. Die meisten gehören nicht dem Gestüt, sondern kommen zum Decken und für die Zeit der Fohlenaufzucht nach Graditz. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Denn dann kommt "Lucky Lion", der ganze Stolz des Gestüts. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere hat er alles gewonnen, was in Deutschland zu gewinnen war. In dieser Saison muss er sich erstmals als Deckhengst beweisen. Zwischen 1.000 und 10.000 Euro beträgt die Decktaxe in der Region. Matthias Tandler hat aber gerade 60.000 Euro hingelegt für "Red Lips": "Die Stute ist von Gleen Eagles gedeckt, das ist ein irischer Hengst, ein sehr wertvoller ... Was es bringt, wird man sehen." Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Dokusoap über das Gestütz Graditz bei Torgau in Sachsen
Matthias Schneider führt gemeinsam mit Matthias Tandler den privaten Teil des Gestüts Graditz, der sich auf die Vollblutzucht konzentriert, während sich der staatliche Teil seit der Wiedervereinigung um die Zucht von Warmblutpferden für das Landgestüt Moritzburg kümmert. Beide sind studierte Agrar-Ingenieure, waren aber lange Jahre erfolgreich mit einem IT-Unternehmen. Seit 2014 sind sie "back to the roots" und Pächter in Graditz. Schneider ist nun der Mann für die Rindviecher. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Der kleine Bulle lebt! Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Matthias Schneider hat ihm schon Ohrmarken verpasst. Das muss sofort sein, so will es die Bürokratie. Dann nervt die Mutter. Das Kälbchen soll aufstehen, will es aber noch nicht! Schneider betont, dass die Tiere, die für ihr gutes Fleisch bekannt sind, in Graditz artgerecht gehalten werden. Immerhin gehören zur Pacht auch 80 Hektar bestes Weideland.

Ein Paradies für die Rinder, die als Herdentiere in aller Ruhe penibel grasen, während die Pferde als Fluchttiere nur "selektiv" fressen. So erklärt Schneider seinen Gästen bei der Weidewanderung den Sinn der Doppelhaltung von Rindern und Rennpferden auf den gepachteten 80 Hektar. Artgerecht, versichert er. Wer sich davon überzeugen wolle, könne ja mal eine Weidewanderung mitmachen.
Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Auch Chef Matthias Tandler ist aus Graditz angereist. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Dokusoap über das Gestütz Graditz bei Torgau in Sachsen
Schon ab Jahresbeginn herrscht Trubel auf dem Gestüt. Die Abfohlzeit beginnt. Der Chef der Vollblutzucht, Matthias Tandler, hat schon über 100 Fohlen-Geburten, trotzdem ist es auch für ihn immer noch "ein Wunder". Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Jeder im Gestüt hat seine Rolle. Valerius ist schon 31 Jahre alt. Er wird als "Probierhengst" in die historische Deckhalle geführt. Zum Anheizen sozusagen. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Neben Rennpferden werden in Graditz auch englische Hereford-Rinder gezüchtet. Tierarzt Hartmut Lohr hilft hier dem 13. Kälbchen der Saison auf die Welt. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Kuh Mela hat es geschafft, das Kälbchen noch nicht ganz. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
2016 haben Tandler und Schneider den Leipziger "Rennstall Scheibenholz" gegründet. Jeder Galoppsport-Fan kann Mitglied werden, sagen sie. Ein Pferd wie der in Graditz geborene "Mount Juliet" gehört einer stetig wachsenden Besitzergemeinschaft von rund 60 Rennpaten. Sie zahlen zehn Euro im Monat. Dafür dürfen sie bei den Rennen dabei sein und werden eventuell sogar am Gewinn beteiligt. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Heidi ist einer der Rennpaten, zur Eröffnung der 150. Rennsaison im Leipziger Scheibenholz will sie den Start von "Mount Juliet" und sein Rennen über zwei Kilometer miterleben. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Die Graditzer setzen auf Sieg! Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Das Gestüt Graditz aus der Vogelperspektive
Sehen Sie die vierteilige Dokusoap über den Alltag in Graditz, jetzt samstags im MDR FERNSEHEN und in der Mediathek, mehr auch in der Webreportage. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Sie waren nach der Wende erfolgreich in der Software-Branche. Wie kamen Sie vor drei Jahren auf die Idee, nun als Rinder- und Pferdezüchter ins traditionsreiche Gestüt Graditz einzusteigen?

Matthias Tandler: Wir haben beide in Leipzig Landwirtschaft studiert, Pferde- bzw. Rinderzucht. Für mich waren die Pferde immer auch ein Hobby. Ich hatte zwei Stuten in Pension in Graditz stehen. Somit war der Kontakt zum Gestüt immer da. Nach der Wende war es mit der Landwitschaft ja schwierig, da sind wir in die Software-Branche gegangen, gründeten eine Firma in Leipzig, s+p, die haben wir dann nach 25 Jahren verkauft. Als vor drei Jahren ein neuer Pächter für die Vollblutucht gesucht wurde, haben wir die Chance ergriffen. Ich wollte im Leben immer nochmal was anderes machen.

Matthias Schneider: Ich habe vor dem Studium Rinderzüchter gelernt in der Nähe von Graditz, und dann studiert. Das heißt, ich kehre zu meinen Wurzeln zurück.

Das Gestüt mit dem weitläufigen Gelände hatte nach der Wende ja einen schweren Start, schließlich stieg der Freistaat ein, alles wurde saniert. Die Zucht von Hengsten für das Landesgestüt in Moritzburg läuft staatlich, während die Vollblutzucht privatisiert wurde. Ist das ein Sonderfall?

Matthias Tandler: Nein, das ist aus Artenschutzgründen eigentlich deutschlandweit so, aber in der Konstellation mit der Rinderhaltung, wie wir sie betreiben vielleicht schon.

Matthias Schneider: Historisch war das allerdings schon immer so, dass Pferde und Rinder zusammengehalten wurden, weil die Pferde als Fluchttiere nur selektiv fressen, die Rinder als Herdentiere aber alles sauber abgrasen, passt das einfach gut zusammen. Wir haben 80 Hektar, davon 70 Hektar Weideland und Koppeln, davon wiederum 50 Hektar Grünland an der Elbe. Das wäre ohne die Tiere ein Riesenaufwand, das alles zu pflegen, ohne das es verwächst und verfilzt. Die Rinder fressen alles gut weg, alle Pflanzen wachsen gleichermaßen wieder nach und ein Stück Düngung bringt die Haltung auch.

Glückliche Kühe, die ein Leben lang auf der Weide grasen dürfen ...

Matthias Schneider: Wir halten sie schon auch zur Fleischgewinnung. Aber so, dass wir dem Bestreben nach Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft Rechnung tragen. Das heißt, die Kälber bleiben nach der Geburt erstmal bei der Mutter. Die Schlachtung findet in der Nähe bei einem regionalen Fleischer statt, der Verkauf in unserem Laden in Liebertwolkwitz, der nur alle 14 Tage donnerstags aufmacht. Mehr ginge gar nicht. Wir haben zwar inzwischen eine relativ große Fan-Basis, aber wir schlachten ja "nur" etwa so 50, 60 Rinder im Jahr. Mehr sollen es auch nicht werden. Wir selbst halten 60 Rinder, unser Partner hat noch 250 Tiere unten an der Elbe stehen.

Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Nur die Ruhe: Kuh Mela mit dem Kälbchen Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN

Offenbar kommt das an, da waren ja deutlich mehr Leute als erwartet mit ihnen unterwegs zur Weidewanderung im Frühling, wie wir in einer der Folgen sehen ...

Matthias Schneider: Ja, die findet übrigens auch im Herbst und im Winter statt. Es gibt schon viele Nachfragen heute zur artgerechten Haltung. Wir sagen: Guckt’s euch an, Marketing und bunte Bilder kann ja jeder machen. Wir geben Auskunft und scheuen uns nicht, auch über die Schlachtung zu reden. Gern Wurst essen, aber nicht wissen wollen, wo sie herkommt, das geht nicht so gut zusammen. Also reden wir während so einer Wanderung, die ja mit einer Verkostung endet, auch darüber.

Von Rindern und Rennpfernden Alltag in Graditz

Jeder im Gestüt hat seine Rolle. Von Stuten, Fohlen und "Probierhengsten" ...

Dokusoap über das Gestütz Graditz bei Torgau in Sachsen
Schon ab Jahresbeginn herrscht Trubel auf dem Gestüt. Die Abfohlzeit beginnt. Der Chef der Vollblutzucht, Matthias Tandler, hat schon über 100 Fohlen-Geburten, trotzdem ist es auch für ihn immer noch "ein Wunder". Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Matthias Tandler überlässt nichts dem Zufall, die sieben trächtigen Stuten sind mit Geburtsmeldern versehen, Kameras überwachen die Abfohlboxen. Immer, wenn sich eine Stute auf die Seite legt, geht der Alarm los. Meistens mitten in der Nacht und oft, weil sich die Stute einfach mal hinlegt - ohne, dass die Geburt losginge. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Dokusoap über das Gestütz Graditz bei Torgau in Sachsen
Bei "Walnut Hill" ist alles gut gegangen. Es ist ein Mädchen! Zwölf Mitarbeiter kümmern sich um die rund 50 Stuten der privat geführten Vollblutzucht. Die meisten gehören nicht dem Gestüt, sondern kommen zum Decken und für die Zeit der Fohlenaufzucht nach Graditz. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Denn dann kommt "Lucky Lion", der ganze Stolz des Gestüts. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere hat er alles gewonnen, was in Deutschland zu gewinnen war. In dieser Saison muss er sich erstmals als Deckhengst beweisen. Zwischen 1.000 und 10.000 Euro beträgt die Decktaxe in der Region. Matthias Tandler hat aber gerade 60.000 Euro hingelegt für "Red Lips": "Die Stute ist von Gleen Eagles gedeckt, das ist ein irischer Hengst, ein sehr wertvoller ... Was es bringt, wird man sehen." Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Dokusoap über das Gestütz Graditz bei Torgau in Sachsen
Matthias Schneider führt gemeinsam mit Matthias Tandler den privaten Teil des Gestüts Graditz, der sich auf die Vollblutzucht konzentriert, während sich der staatliche Teil seit der Wiedervereinigung um die Zucht von Warmblutpferden für das Landgestüt Moritzburg kümmert. Beide sind studierte Agrar-Ingenieure, waren aber lange Jahre erfolgreich mit einem IT-Unternehmen. Seit 2014 sind sie "back to the roots" und Pächter in Graditz. Schneider ist nun der Mann für die Rindviecher. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Der kleine Bulle lebt! Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Matthias Schneider hat ihm schon Ohrmarken verpasst. Das muss sofort sein, so will es die Bürokratie. Dann nervt die Mutter. Das Kälbchen soll aufstehen, will es aber noch nicht! Schneider betont, dass die Tiere, die für ihr gutes Fleisch bekannt sind, in Graditz artgerecht gehalten werden. Immerhin gehören zur Pacht auch 80 Hektar bestes Weideland.

Ein Paradies für die Rinder, die als Herdentiere in aller Ruhe penibel grasen, während die Pferde als Fluchttiere nur "selektiv" fressen. So erklärt Schneider seinen Gästen bei der Weidewanderung den Sinn der Doppelhaltung von Rindern und Rennpferden auf den gepachteten 80 Hektar. Artgerecht, versichert er. Wer sich davon überzeugen wolle, könne ja mal eine Weidewanderung mitmachen.
Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Auch Chef Matthias Tandler ist aus Graditz angereist. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Dokusoap über das Gestütz Graditz bei Torgau in Sachsen
Schon ab Jahresbeginn herrscht Trubel auf dem Gestüt. Die Abfohlzeit beginnt. Der Chef der Vollblutzucht, Matthias Tandler, hat schon über 100 Fohlen-Geburten, trotzdem ist es auch für ihn immer noch "ein Wunder". Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Jeder im Gestüt hat seine Rolle. Valerius ist schon 31 Jahre alt. Er wird als "Probierhengst" in die historische Deckhalle geführt. Zum Anheizen sozusagen. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Neben Rennpferden werden in Graditz auch englische Hereford-Rinder gezüchtet. Tierarzt Hartmut Lohr hilft hier dem 13. Kälbchen der Saison auf die Welt. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
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Kuh Mela hat es geschafft, das Kälbchen noch nicht ganz. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
2016 haben Tandler und Schneider den Leipziger "Rennstall Scheibenholz" gegründet. Jeder Galoppsport-Fan kann Mitglied werden, sagen sie. Ein Pferd wie der in Graditz geborene "Mount Juliet" gehört einer stetig wachsenden Besitzergemeinschaft von rund 60 Rennpaten. Sie zahlen zehn Euro im Monat. Dafür dürfen sie bei den Rennen dabei sein und werden eventuell sogar am Gewinn beteiligt. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Heidi ist einer der Rennpaten, zur Eröffnung der 150. Rennsaison im Leipziger Scheibenholz will sie den Start von "Mount Juliet" und sein Rennen über zwei Kilometer miterleben. Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
Szene aus der Dokusoap über das Gestüt Graditz bei Torgau in Sachsen
Die Graditzer setzen auf Sieg! Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN
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Wie lief es denn bei Pferden in diesem Jahr, schließlich leben sie ja von der Vollblutzucht. Wir sehen, dass Walnut Hills ihr Fohlen nach einigen Aufregungen problemlos auf die Welt bringt, in der Zeit dnach gibt es aber Komplikationen. Kehrt jetzt, wenn der Herbst kommt, auf dem Gestüt mehr Ruhe ein?

Pferd
Ein wilder Wallach in der Vorbereitung auf das Anreiten Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Matthias Tandler: Wir haben 50 Mutterstuten, dieses Jahr kamen 34 Fohlen zur Welt. Bei Walnut Hills Fohlen ging noch alles gut, es wächst und gedeiht. Aber auch jetzt, wenn der Herbst kommt, ist viel zu tun. Nach sechs Monaten werden die Fohlen ja von der Mutter "abgesetzt", sie kommen sozusagen in die Kindergartengruppe, die ist dann bis Oktober, November komplett. Die beschäftigen sich gut mit sich selber, sind in Bewegung, das kräftigt Lungen und Muskeln. Natürlich aufzuwachsen, das heißt, unter Artgenossen zu sein, miteinander zu rangeln. So bildet sich eine Rangordnung aus. Ende August, Anfang September ist eine große Auktion in Baden-Baden. Im Herbst steht außerdem das Anreiten auf der Rennbahn an.

Apropos Rennbahn: Vor einem Jahr haben Sie auch noch den Leipziger Rennstall Scheibenholz gegründet. Wie kamen Sie darauf und welche Absichten verfolgen Sie damit?

Matthias Tandler: Wir hatten die Idee, waren die Mitgründer und sind auch im Vorstand. Aber der Rennstall ist ein Verein, eine Besitzergemeinschaft, an der sich bis jetzt so zwischen 50 bis 60 Familien beteilien, auf Basis eines Monatsbeitrages von überschaubaren zehn Euro. Unser Ziel ist es, den Rennsport in die Breite zu ziehen. Die Leute, die Mitglied sind, können bei freiem Eintritt zu den Rennen kommen und mitfiebern mit ihren Favoriten. Sie sind ganz anders beteiligt, denn sie kennen die Geschichte des Pferdes, das dort an den Start geht. Das ist ein Gemeinschaftserlebnis für die ganze Familie. Der Rennsport hat heute längst nicht mehr diesen elitären Beigeschmack. Wenn am 1. Mai in Leipzig Aufgalopp ist, da kommen 20.000 Leute, sonst zwischen 4.000 und 7.000.

Unser Traum ist es natürlich, dass dann mal ein Graditzer das Rennen macht. Und natürlich gibt es auch wirtschaftliche Gründe, sich da zu engagieren: Ohne Rennsport - kein Gestüt.

Wie fällt Ihre Bilanz nach drei Jahren als Pferde- und Rinderzüchter in Graditz aus: Denken Sie manchmal: Wären wir doch lieber in der Software-Branche geblieben, dann hätten wir wenigstens mal Urlaub?

Dokusoap über das Gestütz Graditz bei Torgau in Sachsen
"Es ist ein Mädchen!" Bildrechte: tierisch, tierisch / MDR FERNSEHEN

Matthias Tandler: Ja, das stimmt (Lacht). Es ist ein Rund-um-die-Uhr-Job. Die Arbeit hört eigentlich nie auf. Nach dem Decken kommen die Fohlengeburten und die Aufzucht, parallel läuft die Pflege der Weiden, die Doppelhaltung mit den Rindern. Alles soll artgerecht sein. Wir sind ja nicht "nur" Züchter, sondern haben Verantwortung für einen großen landwirtschaftlichen Betrieb, der einen hohen Anteil an manueller Arbeit hat. Wir beschäftigen neun Mitarbeiter und zahlen Pacht. All das muss erwirtschaftet werden. Aber auch nach 100 Fohlengeburten, die ich miterlebt habe, denke ich immer: Das ist ein Wunder!

Matthias Schneider: Aber es ist eben eine ganz andere Welt, ein ganz anderes Leben hier draußen, nicht virtuell, sondern mit der Scholle verbunden, mit den Jahreszeiten, mit den Tieren. Das ist kein Vergleich.

Zuletzt aktualisiert: 01. September 2017, 10:26 Uhr

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