MDR FERNSEHEN | 08.02.2012 | 23:30 Uhr : Abgehauen
Deutschland 1998
Am 19. April 1977 verlässt der in der DDR äußerst populäre Schauspieler Manfred Krug die DDR. Er war bei den SED-Oberen in Ungnade gefallen. Verfilmung des autobiografischen Bestsellers mit Peter Lohmeyer als Manfred Krug.
In der Ost-Berliner Villa des populären Schauspielers Manfred Krug und seiner Frau Ottilie versammeln sich am 20.11.1976 elf Menschen. Es sind Autoren, Regisseure und prominente Schauspieler - die Künstler-Elite der DDR. Unter ihnen Jurek Becker, Stefan Heym, Christa Wolf, Ulrich Plenzdorf, Frank Beyer, Heiner Müller. Ihnen gegenüber sitzen die Vertreter der Macht im Staate: SED-Agitationschef Werner Lamberz und sein Mitarbeiter Eberhard Heinrich sowie Heinz Adameck, Vorsitzender des Staatlichen Komitees für Fernsehen. Drei Tage zuvor wurde der Sänger Wolf Biermann aus der DDR ausgebürgert. Die Künstler unterzeichneten daraufhin eine Protest-Petition. Für die SED-Oberen eine unerhörte Aktion, die sie vor ein großes Problem stellt: Die Versammelten und Unterzeichner in Krugs Villa gehören zu den populärsten Bürgern der DDR.
Quasi Berufsverbot
Manfred Krug muss geahnt haben, was ihn nach dieser seltsamen Tafelrunde erwartet, dennoch zeigt er eine enorme Zivilcourage. Er nimmt das Gespräch heimlich mit Tonband auf. Er kennt das Risiko, doch er kann nicht anders. Dieses Treffen muss protokolliert werden. Die Folgen des Treffens in der Ost-Berliner Schauspieler-Villa sind ein Stück Zeitgeschichte. Jeder der Anwesenden ist gezwungen, sein Verhältnis zu sich selbst, seinem Beruf und seinem Staat zu überdenken, wenn nicht neu zu definieren. Der Staat erweist sich unfähig, anders als mit Druck und Einschüchterung zu reagieren. Entgegen aller Versprechungen gibt es Konsequenzen. Manfred Krug wird mit einem nie ausgesprochenen Berufsverbot belegt.
Die Ausreise
Berlin-Pankow, am 19. April 1977. Nach einem halben Jahr erzwungener Untätigkeit steht Krugs Entschluss fest: Er stellt einen Ausreiseantrag. Spätestens jetzt trennt sich im Freundeskreis die Spreu vom Weizen. Die Frage lautet nicht, wer ebenfalls gehen wird, sondern vielmehr, wer lässt sich verbiegen, lässt sich korrumpieren? Wer hat den Mut, jetzt noch Kontakt aufrechtzuerhalten? Die Partei droht und lockt, stellt sich taub, schickt Unterhändler. Für Krug und seine Familie werden die kommenden Wochen zur Nervenprobe.
Auch der Regisseur und der Autor saßen mit am Tisch
Der Film "Abgehauen" basiert auf Manfred Krugs gleichnamigen autobiografischen Roman aus dem Jahr 1996. Das Buch wurde 1998 verfilmt. Die Rolle des jungen Schauspielers Manfred Krug spielt Peter Lohmeyer. Krugs Frau Ottilie wird von Karoline Eichhorn verkörpert. Der Regisseur Frank Beyer und der Autor Ulrich Plenzdorf - saßen 1976 beide mit am Tisch in der Krug-Villa. Die langjährigen Weggefährten von Manfred Krug verfilmten dessen autobiografischen Bestseller als wortreich-sensibles Kammerspiel. Frank Beyer erhielt dafür 1999 den Grimme-Preis.
Das MDR FERNSEHEN sendet den Film anlässlich des 75. Geburtstags von Manfred Krug.
Stab:
Kamera: Eberhard Geick
Musik: Günther Fischer, Peter Herbolzheimer und Wolfram Heicking
Buch: Ulrich Plenzdorf
Regie: Frank Beyer
Besetzung:
Manfred Krug, Schauspieler - Peter Lohmeyer
Ottilie Krug - Karoline Eichhorn
Manfred Salowski - Peter Donath
Erika Salowski- Ann-Kathrin Kramer
Jurek Becker- Uwe Kockisch
Stefan Heym - Jürgen Hentsch
Christa Wolf - Ute Lubosch
Gerhard W. - Manfred Gorr
Heiner Müller - Karl Kranzkowski
Frank Beyer - Hermann Beyer
Ulrich Plenzdorf - Thomas Dehler
u.a.
Weitere Filme zum Thema im MDR FERNSEHEN:
10.02. | 00:00 Uhr | Tatort " Der Duft des Geldes"
12.02. | 11:00 Uhr | Kit & Co, Defa-Abenteuerfilm



