Fernsehen

MDR FERNSEHEN | 14.08.-21.08.2012 : Der Laden (1-3)

Familiensaga Deutschland 1998

Die Trilogie "Der Laden" gehört zu Erwin Strittmatters Hauptwerken. Die drei Bücher erschienen zwischen 1983 und 1992 und schildern das Leben in einem niederlausitzer Dorf vom 1. Weltkrieg bis in die DDR-Zeit und trägt autobiografische Züge. Der Stoff wurde 1998 von Jo Baier verfilmt. In den Hautrollen spielen Dagmar Manzel und Jörg Schüttauf. Der deutsch-sorbische Schriftsteller wäre am 14. August 100 Jahre alt geworden.

der Laden

Juni 1919: Familie Matt zieht mit Sack und Pack ins kleine niederlausitzer Dorf Bossdom, nahe der deutsch-polnischen Grenze. Dort eröffnet sie einen Kramladen mit eigener Bäckerei. Der neunjährige Sohn Esau (Ole Brandmeyer) ist ein aufmerksamer Beobachter der Familie und des Dorflebens. Mit neun Personen unter einem Dach hat Esau jede Menge Unterhaltung.

Da sind Esaus Eltern (Dagmar Manzel und Jörg Schüttauf), seine Geschwister Marga, Heinjak und Tinko, das hübsche Kindermädchen Hanka (Sabrina Rattey), die Großmutter (Carmen Maja Antoni) und der Großvater (Martin Benrath). An ihm hängt Esau mit inniger Liebe. Esaus Kindheit ist immer dann besonders unbeschwert, wenn er mit seinem Großvater zusammen ist. Denn der kann mit den Steinen sprechen und kennt sich wie kein zweiter mit Pferden aus. Er versteht den verträumten Esau am besten.

Zu Hause hingegen gibt es ständig Streit. Esaus Eltern müssen sich Geld vom Großvater leihen, was die ständigen Querelen in der Familie provoziert. Der Vater wäre lieber Farmer in Amerika als Bäcker, die Mutter lieber Geschäftsfrau und feine Dame als Bäuerin. Zudem hat der Vater ein Auge auf das Kindermädchen Hanka geworfen. Als sich auch der stotternde Onkel Phile, der bei der Familie Matt untergeschlüpft ist, unsterblich in das Kindermädchen verliebt, will er sich das Leben nehmen. Der Vater setzt Phile vor die Tür - und auch Hanka muss gehen, weil ihr Verhältnis mit Vater Matt aufgeflogen ist.

Ein glücklicher Zufall verändert Esaus Leben. Sein neuer Lehrer erkennt Esaus Begabung zum Schreiben und schlägt den Eltern vor, Esau auf die höhere Schule in der Nachbarstadt Spremberg zu schicken. Und so nimmt Esau Abschied von seinen Freunden, den Müllerskindern Gustav und Alfredko, vom Großvater und dem Dorf. Er weiß nicht, dass dies auch ein Abschied von seiner Kindheit ist.

Zweiter und dritter Teil

Heinjak, der Bruder von Erwin Strittmatter, in "Strittmatters Laden" in Bohsdorf, wo er weitgehend original im alten Gebäude wiederaufgebaut werden konnte.
Strittmatters Bruder Heinjak steht 2001 im "Laden".

Im zweiten Teil der Trilogie schildert Strittmatter ausführlich das Leben von Esau Matt auf dem Spremberger Gymansium. Doch dann bricht der 2. Weltkrieg aus. Esau Matt muss - wie alle seine Klassenkameraden- an die Front. Als er nach dem Krieg heimkehrt, ist Bossdom von den Russen besetzt. Sein Vater muss nun für die sowjetische Armee backen, seine Schwägerin wurde von den Soldaten vergewaltigt und ist schwanger. Esau beginnt eine Affäre mit der örtlichen Gemeindeschwester. Eines Tages bekommt er einen Brief von seiner "Kriegsliebe". Sie habe ein mittlerweile zweijähriges Kind von ihm. Esau heiratet sie, hat jedoch weiter eine Affäre mit der Gemeindeschwester, bis deren Verlobter zurückkehrt. Mutter Matt stirbt nach der Enteignung, der Vater wird Mitglied der SED und Esau Matt zum Hauptredakteur der "Volksstimme" - auch er tritt in die Partei ein.

Autobiografische Züge

Der Schriftsteller Erwin Strittmatter , aufgenommen am 08.12.1992 in Berlin.
Früher verehrt - heute wegen seiner unklaren Geschichte umstritten: Erwin Strittmatter (1912 - 1994).

Die Parallelen im Leben des Esau Matt und des Erwin Strittmatter sind offensichtlich. Strittmatter wuchs in  Bohsdorf nahe Spremberg in der Niederlausitz auf, wo seine Eltern einen Krämerladen und eine Bäckerei betrieben. Der "Laden" wurde später weitgehend originalgetreu wieder aufgebaut. Von 1924 bis 1930 besuchte Strittmatter das heute nach ihm benannte Reform-Realgymnasium in Spremberg. Strittmatter lernte Bäcker, war später als Kellner, Hilfsarbeiter und Tierpfleger tätig. Der 1912 geborene Strittmatter trat zwar in die SPD ein - bewarb er sich aber 1940 bei der Waffen-SS. Er wurde jedoch nicht angenommen und diente ab 1941 einer Einheit der Ordnungspolizei, die später der Waffen-SS unterstellt wurde. Die Zugehörigkeit zur Waffen-SS habe er zeit seines Lebens der Öffentlichkeit gegenüber verschwiegen, fand der Literaturwissenschaftler Werner Liersch im Quellenstudium heraus. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Strittmatter zunächst als Bäcker und später als Zeitungsredakteur in Senftenberg bei der "Märkischen Volksstimme". Kurze Zeit später begann seine Karriere als Schriftsteller. 1950 erschien sein Erstlingswerk Ochsenkutscher. Mit "Tinko" 1954,  "Pony Pedro" 1959 und "Ole Bienkopp" 1963 wurde er zu einem der bekanntesten und beliebtesten Autoren in der DDR.

Zum 100. Geburtstag | MDR FIGARO: Erwin Strittmatter - Ein Leben voller Brüche

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Zuletzt aktualisiert: 20. August 2012, 15:14 Uhr

Sendetermine

Teil 1 | 14.08. | 23:35 Uhr
Teil 2 | 17.08. | 00:00 Uhr
Teil 3 | 21.08. | 23:55 Uhr

Stab:

Musik: Thomas Osterhoff
Kamera: Gernot Roll
Buch: Jo Baier und Ulrich Plenzdorf
Regie: Jo Baier

Besetzung:

Großmutter - Carmen Maja Antoni
Großvater - Martin Benrath
Mutter - Dagmar Manzel
Vater - Jörg Schüttauf
Esau - Ole Brandmeyer
Phile - Ingo Naujoks
Hanka - Sabrina Rattey
Lehrer Rumposch - Horst Krause
Müller Sastupeit - Hermann Beyer
Müllerin Sastupeit - Nina Petri
Gustav - Florian Riedel

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