MDR FERNSEHEN | 27.08.2012 | 22:50 Uhr : Für die Liebe noch zu mager?
Spielfilm DDR 1974
Die 18-jährige Susanne ist freundlich, bescheiden und hilfsbereit - keine Eigenschaften, mit denen sie bei Männern punktet. Irgendwann platzt ihr der Kragen und sie beschließt, ihre große Liebe Lutz mit allen Mitteln zu erobern. Der Spielfilm traf 1974 genau den Nerv der DDR-Jugend ...
Susanne ist klein und zierlich, 18 Jahre alt sowie Facharbeiterin in einem Textilbetrieb. Sie ist fleißig und gewissenhaft und immer da, wenn jemand Hilfe braucht. Bei der Maidemonstration werden ihr am Ende die Fahnen in die Hand gedrückt, bei der GST-Übung ist sie die Aktivste. Und zu Hause geht es weiter, brav führt sie ihrem Vater und den Brüdern den Haushalt. Ihre eigenen Bedürfnisse stellt sie hinten an.
Dabei ist Susanne verliebt in den verwegenen, wuschelköpfigen Lutz, einen Kraftfahrer. Die beiden kennen sich seit Kindheitstagen. Doch Lutz sieht in Susanne nur das kleine Mädchen von früher und nicht die junge Frau. Als Susanne erfährt, dass ausgerechnet ihre egoistische Freundin Daisy ein Kind von Lutz bekommt, wacht sie endlich auf. Sie begreift, dass sie für ihr Glück kämpfen muss und beginnt, Lutz zu erobern. Das neue Selbstbewusstsein steht ihr gut - das bemerkt schließlich auch Lutz. Obwohl das junge Glück nicht lange hält, weil es Lutz auf See in die weite Welt zieht, ist Susanne eine andere geworden - lockerer, gelöster, souveräner.
Unterhaltsamer Film trifft Nerv der Jugend
Dieser 1974 von Regisseur Bernhard Stephan als Debüt inszenierte Spielfilm traf genau den Nerv der Jugend jener Zeit. Heiter und unverkrampft erzählt er von Susanne, die nicht mehr "immer den Doofen für andere machen" will. In Simone von Zglinicki, damals Schauspielschülerin in Leipzig und mittlerweile seit mehr als 35 Jahren Mitglied des Ensembles des Deutschen Theatersin Berlin, fand Stephan eine Darstellerin, die sehr glaubhaft das Spannungsfeld zwischen dem Vorgegebenen, Normalen und den eigenen Wünschen, verbunden mit Schmerzen und Freuden, über die Leinwand transportieren konnte. Hinzu kommt die Musik von Zsusza Koncz und ihrem Illes-Ensemble sowie der Klaus-Renft-Combo.
Hintergrund
Für die Rolle der Susanne war ursprünglich Katharina Thalbach vorgesehen. Diese musste aber absagen, weil sie gerade schwanger mit ihrer Tochter Anna war. Stattdessen wurde die Schauspielstudentin Simone von Zglinicki engagiert. Der rebellische Lutz wird gespielt von Christian Steyer. Dieser ist mittlerweile die bekannte Stimme der MDR Serie "Elefant, Tiger und Co."
Stab & Darsteller
Musik: Klaus Renft und Levente Szörenyi
Kamera: Hans-Jürgen Kruse
Buch: Bernhard Stephan, Jochen Nestler, Manfred Freitag
Regie: Bernhard Stephan
Susanne - Simone von Zglinicki
Lutz - Christian Steyer
Susannes Vater - Norbert Christian
Daisy - Ursula Staack
Martin - Karl Thiele
Alfons - Carl-Hermann Risse
Wolfgang - Uwe Kockisch
Ossi - Fred Delmare
Monika - Karin Beewen
Astrid - Renate Gey
und andere



