Doku-Soap | MDR FERNSEHEN | 17.01.2013 | 19:50 Uhr | Livestream & Mediathek : Gitterblick (2/4) oder Was ist Freiheit?
Acht Monate proben 20 Insassen der Justizvollzugsanstalt Dresden gemeinsam mit 20 Leuten von "draußen" ein gemeinsames Theaterstück. Die Doku-Soap begleitet das mutige Projekt und wirft einen Blick hinter Gitter.
Im April 2012 wagen sich 20 Menschen hinter die Mauern eines Ortes, den sonst keiner freiwillig betritt: die Justizvollzugsanstalt Dresden. Unter ihnen: Studenten, Beamte, Pensionäre, Auszubildende, Krankenpfleger - ganz normale Leute eben. Sie folgen einem Aufruf in der Zeitung. Sie kommen fortan regelmäßig, jede Woche mindestens einmal. Und sie treffen auf 20 Gefangene der JVA. Drogendelikte, Diebstahl, Betrug, Heiratsschwindel, schwere Körperverletzung, Menschenraub, Mord - für diese Straftaten sitzen sie hinter Gittern - von wenigen Monaten bis lebenslänglich.
Das Projekt "Richtungswechsel"
Acht Monate Zeit haben alle gemeinsam, um ein Theaterstück auf die Beine zu stellen. Den Titel "Richtungswechsel" haben dem Projekt die beiden Kunsttherapeutinnen der JVA, Yvonne und Antje, gegeben. Gemeinsam mit zwei freiberuflichen Choreografen, Ka und David, wagen sie das Experiment. Für das Stück gibt es kein Textbuch, keine Vorlage - es gibt nur das Thema "Richtungswechsel".
Folge 2: Neuanfang draußen und Liebe hinter Gittern
Drei Mal haben sich die Montags- und die Mittwochsgruppe bereits getrennt zu Proben getroffen, jetzt steht die erste gemeinsame Probe an. Nicole kann dieses Mal nicht dabei sein. Sie wurde gerade aus dem Gefängnis entlassen und möchte endlich den Schlüssel für ihre neue Wohnung holen. Ihr Freund Markus steht ihr zur Seite. Er hat sich extra eine Woche Urlaub genommen und erledigt mit Nicole gemeinsam die vielen Behördengänge. Eine Hilfe, die die junge Frau nach zwei Jahren Gefängnis unbedingt braucht.
Die erste gemeinsame Probe
Für alle, sowohl für die von draußen als auch für die von drinnen, ist es ungewohnt, so nah beieinander zu sein, 40 Leute in der Turnhalle. Glückie, seit acht Jahren im Gefängnis, kommt mit Sonnenbrille zur ersten gemeinsamen Probe. Ein Schutz, denn 40 Leute sind für ihn einfach zuviel.
Kunsttherapeutin Antje Grüner versucht, allen Beteiligten mit Kennenlernspielen die Berührungsängste zu nehmen. Und so fängt eine Beamtin vielleicht einen Mörder, der Betrüger eine Studentin. Wird das Zusammentreffen der Menschen von draußen mit den Gefangenen Veränderungen auf beiden Seiten bewirken? Das wünschen sich zumindest die Projektleiter und die Gefängnisleitung. Die Studenten Tine und Jonas begreifen zum Beispiel allmählich, was Gefangensein bedeutet. Zuallererst, dass den Gefangenen das höchste Gut, die Freiheit, genommen wird. Ob das die Menschen besser macht, darüber sind sich Jonas und Tine nicht einig. Jonas meint: "Nein!", Tine denkt, dass das Einsperren die Gefangenen dazu bringt, über sich und das, was sie getan haben, nachzudenken.
Liebe hinter Gittern
Bei den Theaterproben passiert auch das, was eigentlich nicht passieren soll. Männer und Frauen verlieben sich. Sunny hat Mark (beide Gefangene) bei der ersten Probe kennengelernt. Die Zeit zwischen den Proben und Hofgängen nutzen sie, um sich zu schreiben. Liebesbriefe, die Mut machen. Doch über dieser Liebe und den weiteren Proben braut sich eine dunkle Wolke zusammen. Die Frauen aus der JVA Dresden sollen nach Chemnitz verlegt werden. Muss auch Sunny mit und wie ist es mit den anderen sechs Frauen aus dem Gefängnis, die beim Projekt dabei sind?
Die nächsten Folgen:
Folge 3: 24.01.2013 | 19:50 Uhr
Folge 4: 31.01.2013 | 19:50 Uhr



