Mo 28.01. 2013 22:50Uhr 115:58 min

Einer der Deportierten versucht verzweifelt den von außen verriegelten Eisenbahnwaggon zu öffnen. Boxer Henry (Gedeon Burkhard, re.) hofft, dass er es schafft.
Einer der Deportierten versucht verzweifelt den von außen verriegelten Eisenbahnwaggon zu öffnen. Boxer Henry (Gedeon Burkhard, re.) hofft, dass er es schafft. Bildrechte: MDR/Degeto
MDR FERNSEHEN Mo, 28.01.2013 22:50 00:45

Der letzte Zug

Der letzte Zug

Spielfilm Deutschland 2006

  • Stereo
  • 16:9 Format
19. April 1943. In einer Berliner Amtsstube der SS will ein junger Offizier in vorauseilendem Gehorsam dem Führer zum Geburtstag ein "judenfreies Berlin" schenken. Fast 70.000 Juden sind bereits abtransportiert worden. Anhand einer bürokratisch penibel erstellten Todesliste spüren Nazischergen nun die letzten 688 jüdischen Frauen, Männer und Kinder nachts in deren Wohnungen auf.

Die junge Ruth Zilbermann (Sibel Kekilli) und ihr Verlobter (Roman Roth) hatten gehofft, in einem Versteck hinter einem Schrank vor den Nazis sicher zu sein - vergeblich. Zusammen mit den anderen werden die Zilbermanns zum Bahnhof Grunewald gebracht und wie Vieh in einen Güterzug gesperrt. Unter den Deportierten befindet sich auch das Ehepaar Henry (Gedeon Burkhard) und Lea (Lale Yavas) Neumann. Henry, einst ein erfolgreicher Profi-Boxer, macht sich Vorwürfe, dass er nicht auf seine Frau gehört hat, die in den Untergrund gehen wollte.

Je länger die Fahrt in dem verriegelten Waggon dauert, desto klarer wird den Opfern, dass ihre Reise in den Tod führt. Der Eimer Wasser für mehrere Dutzend Menschen ist rasch aufgebraucht. Auf einem Bahnhof schreien die Eingepferchten vor Durst. Doch der skrupellose SS-Obersturmführer Crewes (Ludwig Blochberger), um die präzise Einhaltung des Todesfahrplans besorgt, antwortet mit Schüssen. Nur einige polnische Bahnarbeiter erbarmen sich: Im Tausch gegen goldene Uhren und Perlenketten spritzen sie ein paar Wassertropfen in den Todeswaggon.

Aufgrund der Strapazen sterben immer mehr Menschen, in einer Ecke türmen sich die Leichen. Der desillusionierte Arzt Dr. Friedlich (Juraj Kukura) wählt den Freitod. Nur Henry gibt nicht auf: Durch ein Loch, das er in den hölzernen Waggonboden sägen konnte, können Ruth Zilbermann und Nina (Lena Beyerling), die kleine Tochter der Neumanns, am letzten Bahnhof vor Auschwitz fliehen.

Auf Gleis 17 des Bahnhofs Berlin-Grunewald erinnert eine Bronzetafel an einen der letzten Züge, die von hier aus nach Auschwitz rollten. Joseph Vilsmaier und seine Frau Dana Vávrová, gemeinsam für die Regie verantwortlich, vermitteln eine filmische Ahnung von dem unvorstellbaren Grauen. Artur Brauner, selbst Überlebender des Holocausts, produzierte dieses erschütternde Filmerlebnis. Von wenigen Rückblenden unterbrochen, setzt der Film den Zuschauer diesem klaustrophobischen Drama gnadenlos aus. Es wird von brillanten Darstellern, darunter Sibel Kekilli, Gedeon Burkhard, Lena Beyerling und Juraj Kukura, getragen.

Musik: Chris Heyne
Kamera: Joseph Vilsmaier und Helmfried Kober
Buch: Stephen Glantz
Regie: Joseph Vilsmaier und Dana Vávrová

Lea Neumann - Lale Yavas
Henry Neumann - Gedeon Burkhard
Albert Rosen - Roman Roth
Nina Neumann - Lena Beyerling
Gabrielle Hellmann - Brigitte Grothum
Ruth Zilbermann - Sibel Kekilli
Jakob Noschik - Hans-Jürgen Silbermann
Erika Friedlich - Sharon Brauner
und andere

(116 Min. - Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.01., 2/2)