Di 05.02. 2013 22:05Uhr 44:00 min

Panzer als Schneeräumfahrzeug im Tagebau.
Panzer als Schneeräumfahrzeug im Tagebau. Bildrechte: MDR/HA Kommunikation
MDR FERNSEHEN Di, 05.02.2013 22:05 22:48
Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind die Feinde der Braunkohleindustrie der DDR. So witzelte man wegen der großen Schwierigkeiten, die Strom- und Wärmeversorgung des Landes auf sichere Füße zu stellen. Aber das war kein Witz: Der Hauptfeind der DDR war der Winter. Die Schlacht an der Kohlefront war existenziell für das ganze Land. Neben der minderwertigen Braunkohle gab es keine wirkliche Alternative für die Energieversorgung des Landes. Und trotz ausgefeilter Katastrophenpläne kollabierte im Winter mit einer gewissen Regelmäßigkeit die Kohleförderung in den Tagebauen.

Bereits im Frühjahr wurden die Erfahrungen des gerade vergangenen Winters ausgewertet und Maßnahmen getroffen, dass es nicht wieder so katastrophal werden sollte. Im Sommer zogen die Arbeiter- und Bauern-Inspektionen los zur ersten Kontrolle der Vorbereitungen für den Winter. Im Herbst wurden Sonderschichten gefahren, um einen gewissen Planvorsprung für den Winter in Reserve zu haben. Am Tag X im Herbst begann dann die einwöchige sogenannte "Winterbereitschaft", die Überprüfung der Ausrüstung vor dem Einbruch der Kälte. Und wie jedes Jahr versammelte sich dann im Winter die halbe DDR in der Braunkohle. Neben den Kohlekumpels standen Bauern, Soldaten, Studenten im Schlamm oder Eis. Selbst politische Häftlinge mussten in der Kohle schinden - sozusagen als Erziehungsmaßnahme.

Mit Magnesiumlauge, brennendem Altöl oder umgebauten Flugzeugtriebwerken versuchte man die eingefrorene Kohle dem Tagebau abzuringen - gefährliche Unternehmungen, die nicht immer gut gingen. Jedem, der hier arbeitete, wurde suggeriert, dass er persönlich dafür verantwortlich sei, wenn zu Hause das Licht ausgeht. Selten gezeigte Bilder aus dem Tagebaurevier und Gespräche mit "Kämpfern" der Winterschlacht erzählen eine besondere Geschichte der DDR.