So 24.02. 2013 23:40Uhr 45:00 min

MDR FERNSEHEN So, 24.02.2013 23:40 00:25
  • Stereo
  • 16:9 Format
Der 2. Teil von "Sex im 21. Jahrhundert" untersucht die Geschlechtervielfalt heute und fragt: Ist Sex alias Geschlecht eher Natur oder eher Kultur?

Bisher schien die Sache mit den Geschlechtern klar zu sein: Es gibt Männer und Frauen. Männlich bedeutet XY-Chromosomen, Testosteron, Hoden. Das starke Geschlecht. Weiblich hingegen bedeutet XX-Chromosomen, Östrogen, Eierstöcke und ist so ziemlich das Gegenteil von männlich. Das schwache Geschlecht. Beide Geschlechter dienen einem Ziel: der Fortpflanzung.

Doch nun erweist sich unter dem Blick verschiedener Wissenschaftler das starke Geschlecht als das eigentlich schwache. Und die Verwirrung wird noch größer, denn sie unterscheiden auch noch in Sex und Gender, das heißt in biologisches und soziales Geschlecht. Außerdem treten immer mehr Menschen in das Licht der Öffentlichkeit, die irgendwie nicht Männer und irgendwie nicht Frauen sind.

Da ist zum Beispiel Lina. Sie wurde als Mädchen geboren, doch in der Pubertät setzte die weibliche Entwicklung aus. Es erwies sich, dass ihr Chromosomensatz männlich ist. Prof. Hertha Richter-Appelt vom Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf kennt das Phänomen. Seit über zehn Jahren forscht sie zum Thema Intersexualität. Sie erklärt die Ursachen und wehrt sich gegen geschlechtszuweisende Operationen an Intersexuellen.

Während bei Intersexuellen physische Gründe für ihre Besonderheit vorliegen, weiß man bis heute nicht, was der Grund für Transsexualität ist. Transsexuelle, d.h. Männer, die sich als Frau empfinden oder Frauen, die sich als Mann verstehen, haben in den westlichen Gesellschaften einen schweren Stand. Die Ethnologin Prof. Birgitt Röttger-Rössler beschreibt, wie in anderen Kulturen, z.B. der indonesischen, mit diesem Phänomen gänzlich unaufgeregt umgegangen wird. Dort versteht man Transsexuelle als drittes Geschlecht, das z.B. in bestimmten Dorfgemeinschaften wichtige rituelle Funktionen ausübt.