So 28.02. 2016 23:15Uhr (VPS 23:05) 135:00 min

MDR FERNSEHEN So, 28.02.2016 23:15 01:30

MDR Zeitreise Spezial Die NVA - Dienen für das Volk?

Die NVA - Dienen für das Volk?

Ein Themenabend moderiert von Mirko Drotschmann

Den Sozialismus mit der Waffe in der Hand gegen den kapitalistischen Feind zu verteidigen, das war der Auftrag der Soldaten in der DDR. Rund 2,5 Millionen junge Männer haben von 1956 bis 1990 den grauen Waffenrock getragen. Was offiziell gerne als "Ehrendienst" verkauft wurde, war für viele Rekruten ein notwendiges Übel. "MDR Zeitreise spezial" erzählt die Geschichten vom Dienst in der Nationalen Volksarmee aus der Perspektive der Rekruten und Soldaten, richtet den Blick auf die besondere Truppe der Bausoldaten und fragt, was aus den Soldaten und Waffen nach der friedlichen Revolution geworden ist. Die Filme im Einzelnen:

* Bis zum letzten Zapfenstreich - Alltag in der NVA
Anfang der 1970er-Jahre war die NVA zu einer relativ schlagkräftigen, modernen Armee im Rahmen der östlichen Militärkoalition herangewachsen und avancierte unter Honecker zu einer Art Musterschüler der Sowjetarmee. Im Herbst 1989 ist es damit dann plötzlich vorbei. Die Ereignisse überschlagen sich und einzelnen Truppenteilen droht sogar der Einsatz gegen die eigenen Leute - gegen Demonstranten in Leipzig. Es kommt zu Streiks und Befehlsverweigerungen. Kurze Zeit später ist die DDR Geschichte, und mit ihr auch die NVA. Michael Erler erzählt die Geschichte der Armee aus der Sicht von Rekruten und Soldaten von Anfang der 1970er-Jahre bis zum letzten Zapfenstreich 1990 - den Alltag der Armee vor dem Hintergrund historischer Ereignisse und Zäsuren.

* Was wurde aus der NVA?
Eine Armee tritt ab, ohne, dass ein einziger Schuss fällt. Am 3. Oktober 1990 übernimmt Bundesverteidigungsminister Gerhard Stoltenberg die Kommandogewalt über die aufzulösende, juristisch bereits nicht mehr existierenden NVA. Reinhard Joksch geht in seiner Dokumentation der Frage nach, was danach mit dem gigantischen Waffenarsenal passierte. Denn nicht alles ging dabei mit rechten Dingen zu und vieles ist bis heute unbekannt. Rund um den Globus ist damals verteilt worden, was die einst hochgerüstete Militärmacht zum "Kampf gegen den Imperialismus" angesammelt hatte. Was davon ist heute, 25 Jahre später, noch existent? Oder ist sie inzwischen ganz und gar verschwunden, die NVA?

* Waffenlose Front - Die Bausoldaten in der DDR
Der Spaten auf der Schulterklappe war das Erkennungszeichen der Bausoldaten, der waffenlose Einheit innerhalb der Nationalen Volksarmee. Anscheinend kam der selbsternannte "Arbeiter- und Bauernstaat" damit "großzügig" jenen entgegen, die aus Gewissensgründen keinen Dienst an der Waffe leisten wollten. Informiert wurde die Öffentlichkeit aber kaum über diese Möglichkeit. Bausoldat werden, das bedeutete oft: keine Chance auf einen Studienplatz, Schikane durch Vorgesetzte, harte und gefährliche Arbeit und Dienst weit weg von zu Hause. Als Drückeberger galten die Bausoldaten bei den Vorgesetzten und für die Stasi waren sie ausgemachte Feinde des Systems. Dennoch sind in den 25 Jahren bis zum Ende der DDR rund 15.000 junge Männer Bausoldaten geworden - mit weitreichenden Konsequenzen für ihr privates und berufliches Leben.

Wenn der NVA-Hauptmann wieder vor einem steht ...

Dresden. Februar 2016. Ein Mann in Uniform läuft über die Straße. Ist das nicht...? - Ja,ein NVA-Hauptmann. Wie reagieren die Leute auf das Experiment und an was erinnern sie sich?

Umfrage NVA
"Ich war im Manöver Oktobersturm. Da ging es eben darum, den Klassenfeind aufzuhalten, wenn es der Fall gewesen wäre. Das war eben die Ideologie und als junger Bursche machst du dir nicht so viele Gedanken. Bei uns wurde immer gesagt: 'Erst den Befehl ausführen und dann kannst du diskutieren.'" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Umfrage NVA
"Ich war im Manöver Oktobersturm. Da ging es eben darum, den Klassenfeind aufzuhalten, wenn es der Fall gewesen wäre. Das war eben die Ideologie und als junger Bursche machst du dir nicht so viele Gedanken. Bei uns wurde immer gesagt: 'Erst den Befehl ausführen und dann kannst du diskutieren.'" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Umfrage NVA
"Ich war bei den Aufklärern in Großenhain. Eliteeinheit. Das war 'ne Scheißzeit: Wir sind nur draußen im Busch gewesen. Selbst bei Frost sind wir so ausgerückt, bis sich die Leute die Knochen erfroren haben und dann mussten wir wieder rein. Das erste halbe Jahr geht’s dir gar nicht gut, da hast du zu rotieren." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Umfrage NVA
Harter Ton und rauer Umgang in der Ausbildung hatten für diesen Mann auch eine positive Seite: "Man ist dort erstmal Mensch geworden. Inwiefern? Ordnung und Disziplin. Ich hab es zwar bereut, dass ich dort gewesen bin, aber man hat was gelernt. […] Dort haben sie mich geformt." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Umfrage NVA
"Der Wehrdienst war eigentlich in Ordnung so, weil es ja immer hieß, die lernen da ein bisschen Zucht und Ordnung und Verantwortung. Es werden Männer, zum ersten Mal richtige Männer." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Umfrage NVA
"Ich wurde alle drei Jahre für ein Vierteljahr zur Reserve eingezogen. Ach, das war ganz schön. Da hast du auch ordentlich Geld verdient. Ich kann mich nicht beschweren, das war wie ein Vierteljahr Urlaub. […] Man hat viele Leute kennen gelernt und ist in der DDR rumgekommen." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Umfrage NVA
Dieser Mann war selbst nicht bei der NVA: "Die Leute haben auch nur ihren Dienst gemacht. Sie mussten ihn machen. Deswegen würde ich den Menschen nicht verteufeln." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Umfrage NVA
Dieser Mann entging der Wehrpflicht: "Ich habe eine klare Position gehabt, ich bin Christ und habe gesagt: Ich nehme keine Waffe in die Hand. Den Bausoldaten-Dienst gab es damals nicht und der Staat wusste noch nicht, wie er mit solchen Leuten umgeht. Aber der Staat hat sich nie an mir gerächt." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Umfrage NVA
"Beim Schießbefehl hatte man schon auch Bedenken und Zweifel. Man hat sich auch gefragt, wie würdest du im Ernstfall handeln? Würdest du das fertigbringen oder nicht? Das war für einen jungen Menschen schon eine schwierige Entscheidung." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Umfrage NVA
"Es schadet keinem, wenn er mal eine Armee mitmacht, sodass er sich mal unterordnen muss. Aber so wie die NVA war, so hätte es nicht sein müssen. Was man so gehört hat, das war von der Wehrmacht nicht sehr unterschiedlich." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Umfrage NVA
"[Die NVA] muss man erlebt haben. Es hat den Menschen geprägt... oder auch so das ganze Zusammengehörigkeitsgefühl... und außerdem hat man da auch Charaktere kennengelernt - das war ein Wahnsinn." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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