So 07.08. 2016 20:15Uhr 45:00 min

Die Pest, die Angst und der Schatz von Erfurt
Die Pest, die Angst und der Schatz von Erfurt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN So, 07.08.2016 20:15 21:00
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Ein kostbarer Schatz, wie er nie zuvor in Deutschland gefunden wurde, ist der Anfang einer Spurensuche, an deren Ende ein grauenhaftes Verbrechen steht: mehr als 700 Gegenstände aus Gold und Silber, über 3.000 Silbermünzen und aufwändig gearbeiteter Familienschmuck. Erst 1998 wurde der Schatz von Erfurt per Zufall bei Bauarbeiten in der Innenstadt wiedergefunden. Was hat es mit diesem einmaligen Fund auf sich?

Der Schatz war einst im Besitz des Erfurter Kaufmanns Kalman von Wiehe. Als Mitglied der jüdischen Gemeinde fühlte er sich wohl in Erfurt. Bis zum Jahr 1349 - ein Jahr, das die Geschichte der Stadt für immer verändern sollte. Angst herrscht in der Stadt, denn die Pest bedroht die Bevölkerung. In dieser aufgeheizten Stimmung suchen Scharfmacher nach Schuldigen für den drohenden "Schwarzen Tod" - und finden sie: in den Juden. Am 21. März 1349 wird fast die gesamte jüdische Gemeinde Erfurts von den Stadtbürgern ermordet. Wie kam es zu diesem schrecklichen Pogrom? Welche Rolle spielte der Kaufmann Kalman von Wiehe? Hat er den Erfurter Schatz vergraben, weil er ahnte, was auf ihn zukommt?

Der Film "Die Pest, die Angst und der Schatz von Erfurt" zeichnet die dramatischen Tage aus dem Jahr 1349 nach. Wer waren die Anführer des Mobs? Was waren ihre Motive? Wie kann es sein, dass an einem Tag in einer Stadt über 1.000 Menschen getötet werden? Erhalten gebliebene Verhörprotokolle nennen die Namen von Mördern und Opfern - die Dokumentation erzählt ihre Geschichte.

Informationen zur Sendung

Bilder zum Film

Ein Foto von den laufenden Dreharbeiten zur neuen Staffel der MDR Historik-Serie
Diese Folge der Reihe "Geschichte Mitteldeutschlands" folgt der Spur dieses Schatzes und ins Jahr 1349, ins mittelalterliche Erfurt. Etwa 20.000 Menschen leben damals in der Handelsstadt - Christen und Juden weitgehend friedlich nebeneinander. Doch warum kommt es im März 1348 dann zu einem fürchterlichen Morden, bei dem an die 1000 Menschen sterben? Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Ein Foto von den laufenden Dreharbeiten zur neuen Staffel der MDR Historik-Serie
Diese Folge der Reihe "Geschichte Mitteldeutschlands" folgt der Spur dieses Schatzes und ins Jahr 1349, ins mittelalterliche Erfurt. Etwa 20.000 Menschen leben damals in der Handelsstadt - Christen und Juden weitgehend friedlich nebeneinander. Doch warum kommt es im März 1348 dann zu einem fürchterlichen Morden, bei dem an die 1000 Menschen sterben? Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Ein Foto von den laufenden Dreharbeiten zur neuen Staffel der MDR Historik-Serie
1998 wurde in Erfurt bei Bauarbeiten ein Schatz gefunden: Dazu zählten mehr als 700 Gegenstände aus Gold und Silber, über 3.000 Silbermünzen und aufwändig gearbeiteter Familienschmuck. Wem gehörte der kostbare Fund und warum wurde er vergraben? Was damals genau geschah, verraten Akten im Stadtarchiv Erfurt: Steuerunterlagen, Besitzurkunden und Gerichtsprotokolle. Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Schauspieler Robert Viktor Minich in seiner Rolle als jüdischer Bankier und Geldverleiher Kalman von Wiehe.
So zeigen Steuerakten von 1348, dass der Jüdische Bankier Kalman von Wiehe (gespielt von Robert Viktor Minich) mitten in der Stadt wohnte, unmittelbar an der großen Handelsstraße. In dem Viertel lebten den Unterlagen zufolge Juden und Christen Tür an Tür, sind Teil der gehobenen Stadtgesellschaft. Doch 1349 ist Kalman von Wiehe beunruhigt - er vergräbt seine Wertsachen in einem Versteck im Erdboden. Doch warum? Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Schauspieler Robert Viktor Minich in seiner Rolle als jüdischer Bankier und Geldverleiher Kalman von Wiehe.
Im mittelalterlichen Erfurt leben Juden nicht als Randgruppe der Gesellschaft in der Stadt, sondern sind ganz normaler Teil der (gehobenen) Gesellschaft. Sie dürfen zwar nicht alle Berufe ausüben, denn die Zünfte waren quasi christliche Körperschaften - wodurch Nichtchristen von Handwerksberufen ausgeschlossen waren. Ausnahme: Wer als Handwerker Produkte herstellte, die religiösen Reinheitsvorschriften entsprechen: Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Ein Foto von den laufenden Dreharbeiten zur neuen Staffel der MDR Historik-Serie
Hasen, Esel oder Schweine dürfen nach jüdischen Glaubensvorschriften nicht verzehrt werden. Durch die rigorose Zünfte-Ordnung müssen die meisten Juden ihren Lebensunterhalt anders bestreiten und arbeiten im Fernhandel oder mit Geldgeschäften, so wie Kalman von Wiehe. Das macht sie in der Bevölkerung allerdings nicht beliebt. Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Ein Foto von den laufenden Dreharbeiten zur neuen Staffel der MDR Historik-Serie
Im Sommer 1348 grassiert die Pest - zusammen mit Berichten über das Massensterben und dem Gerücht, hinter der Pest stecke eine riesige Verschwörung der Juden, die das Trinkwasser in Brunnen und Flüssen vergifteten und so die Seuche verbreiten. Dass Rattenflöhe die Pest übertragen, ist damals noch nicht bekannt. Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Robert Viktor Minich in seiner Rolle als Kalman von Wiehe.
Auch in Erfurt vergiften die Gerüchte die Beziehungen zwischen Christen und Juden. Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Ein Mann lehtn sich mit einem ausgestreckten Arm an eine Gewölbemauer.
Auch Gunzel von Rockstedt (Merten Schroedter) glaubt den Gerüchten. Er ist einer der reichen Bürger von Erfurt und sucht sich Mitverschwörer - Männer, die nicht davor zurückschrecken, die jüdischen Erfurter zu töten. Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Ein Foto von den laufenden Dreharbeiten zur neuen Staffel der MDR Historik-Serie
Hugo Lange, (gespielt von Sebastian Kowski), ein mächtiger Ratsherr, kennt die Gerüchte und sorgt sich um die Ruhe in der Stadt. Stadt und jüdische Gemeinde sind lange miteinander verbunden - im Erfurter Judeneid, einer Schwurformel für Juden bei Rechtsstreitigkeiten mit Christen, ausgestellt vom Erfurter Stadtherren. Zudem leisten die Juden Zahlungen – nicht nur normale Steuern, sondern auch Extra-Abgaben, etwa an den Mainzer Erzbischof. Und auch eine Art Schutzgeld, das eigentlich dem König zusteht. Doch er wird das Morden an den jüdischen Erfurtern nicht verhindern ...

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Robert Viktor Minich in seiner Rolle als Kalman von Wiehe.
Auch in Erfurt vergiften die Gerüchte die Beziehungen zwischen Christen und Juden. Bildrechte: MDR/Andreas Lander