Mi 21.06. 2017 21:15Uhr 29:30 min

Die Spur der Ahnen

Mein Vater, der Vertragsarbeiter

Komplette Sendung

Spur der Ahnen, Mein Vater der Vertragsarbeiter
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Mi, 21.06.2017 21:15 21:45
Film von Nina Rothermundt

Robert Merten aus Sondershausen hat seinen vietnamesischen Vater nie kennengelernt. Der 25-Jährige besitzt nur ein altes Foto, eine Adresse in Vietnam und die Erinnerungen seiner Mutter Kristine an eine große Liebe. Begonnen hat alles im Frühling 1987, als Kristine in einer Diskothek den damals 28-jährigen Ngoc kennenlernt. Ngoc war ein paar Jahre zuvor aus seiner Heimat Vietnam in die DDR gezogen. Hier arbeitete er als sogenannter Vertragsarbeiter im Forstwesen. Vertragsarbeiter wie er sollten den Bedarf an Arbeitskräften in der DDR decken und blieben für 5 Jahre. Allein 60.000 Vietnamesen lebten bis zur Wende in der DDR.

Für Ngoc und Kristine ist es Liebe auf den ersten Blick. Schnell ziehen sie zusammen – für Kristine die schönste Zeit ihres Lebens. Schon nach wenigen Wochen ist sie schwanger, beide freuen sich auf ihren gemeinsamen Sohn Robert. Doch das Glück währt nicht lange. Als Ngocs Arbeitsvertrag nach 5 Jahren endet, muss er das sozialistische Bruderland wieder verlassen und zurück nach Vietnam. Da ist Robert gerade ein halbes Jahr alt. Der Kontakt zwischen Kristine und Ngoc bricht ab – sie hören nie wieder etwas voneinander.

Robert hat schon sein ganzes Leben den Vater vermisst. Jetzt macht er sich auf die Suche nach ihm und es beginnt sein bisher größtes Abenteuer: Er fliegt nach Vietnam. Ein 13.000 Kilometer-Trip ins Ungewisse. Im Gepäck hat Robert nur das 25 Jahre alte Foto seines Vaters und eine ebenso alte Adresse. Wo Ngoc heute genau lebt, weiß er nicht. Wird Robert seinen Vater und damit auch seine Wurzeln in Vietnam finden?

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"Die Reise meines Lebens"

Ngoc ist einer von 60.000 Vietnamesen in der DDR. Als er das Land nach fünf Jahren verlassen muss, lässt er seine Liebe und den kleinen Sohn Robert zurück: 25 Jahre ist das her. Doch Robert will seinen Vater finden.

Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
"Es war Liebe auf den ersten Blick!" Allein 60.000 Vietnamesen kommen bis zur Wende als Vertragsarbeiter in die DDR. Einer von ihnen ist Ngoc. Ihn verschlägt es nach Sondershausen. Er soll in der Forstwirtschaft arbeiten. Persönliche Kontakte über die Arbeit hinaus sind eher nicht vorgesehen. Doch im Frühling 1987 lernt der damals 28-Jährige Kristine in einer Diskothek kennen. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sie sich. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Liebesbeziehungen sind nicht vorgesehen, auch Kinder nicht. Kinder, die einsam ohne Vater aufwachsen werden so wie Robert, der Sohn von Kristine und Ngoc. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Die Spurensuche in Deutschland kommt an ihr Ende. Wenn Robert seinen Vater finden will, muss er nach Vietnam. Auch wenn er nichts hat als eine 25 Jahre alte Adressse und ein ebenso altes Foto seines Vaters. Bildrechte: MDR / Die Spur der Ahnen
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... und von den Eltern Ngocs begrüßt. Bildrechte: MDR/ Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
"Es war Liebe auf den ersten Blick!" Allein 60.000 Vietnamesen kommen bis zur Wende als Vertragsarbeiter in die DDR. Einer von ihnen ist Ngoc. Ihn verschlägt es nach Sondershausen. Er soll in der Forstwirtschaft arbeiten. Persönliche Kontakte über die Arbeit hinaus sind eher nicht vorgesehen. Doch im Frühling 1987 lernt der damals 28-Jährige Kristine in einer Diskothek kennen. "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sie sich. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater der Vertragsarbeiter
Nur ein 25 Jahre altes Foto seines Vaters und einen Zettel mit einer Adresse in Vietnam hält Robert heute in den Händen. "Ich habe meine Freunde gesehen, die in einer intakten Familie aufgewachsen sind. Ich habe mich immer danach gesehnt, meinen Vater kennenzulernen", sagt er. Aus dem kleinen Jungen ist inzwischen ein 25 Jahre alter junger Mann geworden. Er bittet seine Mutter, ihm von seinem Vater zu erzählen und mit ihm auf Spurensuche zu gehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Erinnerungen Rückblende: Kristine erinnert sich an die erste unbeschwerte Zeit damals in den 1980ern. Sie und Ngoc verbringen viel Zeit auf dem Rummel, gehen tanzen. An Ngoc gefällt ihr seine freundliche zuvorkommende Art. Ihnen geht es gut. Dann stellt Kristine fest, sie ist schwanger. Geplant war das Kind nicht, doch Ngoc verhält sich vorbildlich: "Erst hat er ein bisschen erschrocken geguckt, aber dann hat er sich immer um mich gekümmert, egal wie schlecht es mir ging. Er war sehr ruhig und sensibel, immer sehr aufmerksam", erinnert sich Kristine. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
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Das ehemalige Heim von Ngoc Mit ihrem Sohn macht sich Kristine auf zu den Orten, an denen sich ihre Vergangenheit festmachen lässt. Sie besuchen das Wohnheim, in dem Ngoc als einer von rund 50 vietnamesischen Vertragsarbeitern untergebracht gewesen ist. Es liegt mitten im Wald bei Sondershausen. Ngoc ist damals froh, eine Ausbildung zu bekommen, der Armut in seinem Heimatland zu entfliehen. In der DDR bekommen die Vertragsarbeiter denselben Lohn wie ihre Kollegen, sie sind krankenversichert, können ab und an in ihre Heimat reisen. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Robert und Kristine sind auf der Suche nach dem Zimmer, in dem Ngoc damals wohnte: "Ich bin so aufgeregt, die ganzen Erinnerungen sind wieder da, obwohl das schon so lange her ist. Ich zittere am ganzen Körper." Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
"Fünf Quadratmeter Mindeswohnfläche" stehen jedem Vertragsarbeiter damals zu. "Das war kein Luxus", meint Robert, als Kristine ihm Ngocs Zimmer zeigt, in dem einst sechs Leute untergebracht waren. "Ein großer Tisch stand in der Mitte des Raumes", erinnert sich Kristine. "Daran saßen nach Feierabend bestimmt acht Leute, die nähten und sich so etwas dazu verdienten." Sie nutzten eine Versorgungslücke und produzierten Jeans, in der DDR eine begehrte Mangelware. Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Das Glück währt nicht lange Kristine erzählt ihrem Sohn, wie sich Ngoc auf ihn freute. Er zieht zu seiner schwangeren Freundin. Doch das Glück währt nicht lange. Kristine erzählt Robert, wie sie damals immer wieder angefeindet wird, als Fidschi-Hure. Was sie denn mit so einem "Reisfresser" wolle, wird sie gefragt. Der Druck wird zu groß. Sie trennt sich: "Ich war einfach zu schwach damals", wirft sie sich heute selber vor. Dennoch halten Kristine und Ngoc auch nach der Trennung Kontakt: "Als er Dich das erste Mal auf dem Arm hatte, konnte ich sehen, wie stolz er war." Bildrechte: MDR/Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Der Abschied Doch nach fünf Jahren in der DDR läuft der Arbeitsvertrag aus, Ngoc muss zurückkehren: "Am letzten Tag kam er, um sich zu verabschieden. Er hat dich auf den Arm genommen und Du hast sofort angefangen zu weinen, als ob du es geahnt hättest", erinnert sich Kristine. Ngoc kehrt nach Vietnam zurück und Kristine hört nie wieder etwas von ihm. Bildrechte: MDR / Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
"Ein ganz feiner Mensch" Ihre Spurensuche führt Kristine und Robert zunächst ins Forstamt, wo ehemalige Vorgesetzte von Ngoc noch heute arbeiten. Bernd Krause erinnert sich: "Er war in Brigade 4. Ein ganz feiner Mensch. Er war immer freundlich, kannte sich sofort mit Technik aus." Bildrechte: MDR / Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Ein Hinweis? Im Forstamt bekommen Kristine und Robert den Hinweis, dass ein bekannter Ngocs noch heute ein Bistro in Sondershausen führe. So treffen sie Trank (Bild) und sind verwirrt ... Bildrechte: MDR / Die Spur der Ahnen
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... denn sie erfahren, dass Ngoc nach seinem Aufenthalt in der DDR nicht für immer nach Vietnam zurückgekehrt, sondern später nach Russland gegangen sei. Bildrechte: MDR / Die Spur der Ahnen
Spur der Ahnen, Mein Vater, der Vertragsarbeiter
Das Abenteuer beginnt ... Für Robert beginnt das Abenteuer seines Lebens. Gemeinsam mit seiner Freundin Vanessa bricht er ins Land seines Vaters auf: "Ich kenne das Land nicht, ich kenne die Sprache nicht, ich kenne die Kultur nicht. Ich kenne gar nichts!" Bildrechte: MDR/ Spur der Ahnen
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Nach 14 Stunden Flug kommen Robert und Vanessa an in Hanoi. Sie bleiben ein paar Tage in der Metropole des Landes. Bildrechte: MDR/ Spur der Ahnen
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