Do 12.10. 2017 22:05Uhr (VPS 22:05) 29:30 min

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MDR FERNSEHEN Do, 12.10.2017 22:05 22:35

Beiträge aus der Sendung

Filmszene
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Können wir uns schlechte Laune heute eigentlich noch leisten, wenn ringsherum die Welt immer gut drauf ist? Ja! Andrea Gerk hat dazu ein sehr erhellendes und nebenher sehr launig geschriebenes Buch geschrieben.

artour Do 12.10.2017 22:05Uhr 04:46 min

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Kehlmann
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"artour Spezial" zur Frankfurter Buchmesse: Daniel Kehlmann im Interview Daniel Kehlmann: "Literatur muss auch Leute beleidigen können"

Daniel Kehlmanns "Tyll": Zwischen Fakt und Fiktion

In seinem neuen Buch begibt sich Daniel Kehlmann erneut auf historisches Terrain. "Tyll" ist keine Biographie über Till Eulenspiegel und doch genauso trickreich. Wir haben mit dem Autor gesprochen.

artour Do 12.10.2017 22:05Uhr 03:53 min

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Buchtipps
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"artour Spezial" zur Frankfurter Buchmesse Empfehlungen für den Lese-Herbst

Empfehlungen für den Lese-Herbst

Für den langen grauen Herbst haben wir noch mehr Empfehlungen parat: Marion Poschmann mit "Kieferninseln", Jörg-Uwe Albig mit "Eine Liebe in der Steppe" und Jan Wagner und Tristan Marquardt mit "Unmögliche Liebe".

artour Do 12.10.2017 22:05Uhr 02:11 min

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Flüchtlinge
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"artour Spezial" zur Frankfurter Buchmesse: Emanuelle Carrères"Brief an eine Zoowärterin in Calais" "Ich wollte in die entgegengesetzte Richtung schauen"

Emanuelle Carrère: "Brief an eine Zoowärterin in Calais"

Carrère schaut in seinem Reportage-Band nicht auf das größte Flüchtlingscamp Europas, sondern auf die Einwohner von Calais. Für ihn ist die Situation ein Sinnbild für Politikversagen und zur Schau gestelltes Mitleid.

artour Do 12.10.2017 22:05Uhr 04:33 min

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Wir begeben uns mit dieser Sendung auf die Frankfurter Buchmesse, die vom 11. bis 15. Oktober Frankreich als Ehrengast empfängt und unter dem Motto "Frankfurt auf Französisch" steht. Dafür senden wir direkt aus den Messehallen der Frankfurter Buchmesse und berichten über die literarischen Neuerscheinungen dieses Herbstes. Unsere Moderatorin Katrin Schumacher spricht unter anderem mit Daniel Kehlmann über sein aktuelles Buch "Tyll", in dem er die klassische Eulenspiegel-Geschichte neu erfindet.


* Emanuelle Carrère: "Brief an eine Zoowärterin in Calais"
Zahleiche Schriftsteller haben sich in den letzten Jahren in die altehrwürdige nordfranzösische Stadt Calais begeben, um die aufgeladene, explosive Stimmung vor Ort zu beschreiben. Früher berühmt für seine Fabriken für die Herstellung von gewebter Spitze, ist Calais heute für "Le djeungueule“ berüchtigt, den "Dschungel". So nennen die Franzosen das mittlerweile geräumte, größte Flüchtlingscamp Europas. Über 8.000 Menschen harrten hier zweitweise aus, in Zelten und provisorischen Unterkünften, um auf eine Gelegenheit zu warteten, den Eurotunnel nach Großbritannien zu durchqueren.

Für Emanuelle Carrère, der für seine Reportage "Brief an eine Zoowärterin in Calais" in die Stadt fährt, ist die Situation überaus absurd und ein Sinnbild für das Versagen von Politik, für empathielos zur Schau gestelltes Mitleid, für ein Europa im Zangengriff seiner eigenen Werte und Interessen, aber auch für den Wiederstand dagegen. Er beschreibt die Einwohner von Calais, Menschen aus allen Schichten, die lähmende Arbeitslosigkeit und Fremdenfeindlichkeit, aber auch den Idealismus von Bürgern, die sich für die Flüchtlinge engagieren. Und er spottet über Journalisten und Medienleute, die – wie er selbst – wie Zoobesucher über eine Stadt herfallen, die zu einem Zerr- und Brennspiegel der französischen Gesellschaft geworden ist.


* Andrea Gerk: "Lob der schlechten Laune"
Warum lachen wir über so übellaunige Figuren wie Louis de Funes, Jack Nicholson oder Dr. House? Und warum sind wir genervt davon, wenn der Hausmeister oder der Kollege am Schreibtisch gegenüber schlecht gelaunt ist? Können wir uns schlechte Laune heute eigentlich noch leisten, wenn ringsherum, vom Frühstücksfernsehen bis zum Lachyoga, die Welt ach so spaßig und immer gut drauf ist?

Solchen Fragen ist die studierte Theaterwissenschaftlerin und Moderatorin Andrea Gerk in ihrem Buch "Lob der schlechten Laune" nachgegangen. Herausgekommen ist ein sehr erhellendes und nebenher sehr launig geschriebenes Sachbuch. Man erfährt, dass schlechte Laune eine Triebkraft für die Kreativität ist und dass das ewige "positive Denken", zum Beispiel bei Krankheiten, nicht unbedingt förderlich ist, sondern Kraft raubt. Die schlechte Laune ist also besser als ihr Ruf und ein Menschenrecht - wie Georges Simenon es formulierte.


* Der letzte Trip auf Erden: Reinhold Messner über die legendäre Polarexpedition von Ernest Shackleton
"Männer für waghalsige Reise gesucht. Geringe Löhne, extreme Kälte. Monatelange völlige Dunkelheit. Permanente Gefahr, sichere Heimkehr ungewiss. Ehre und Ruhm im Falle eines Erfolgs. Ernest Shackleton, 4 Burlington Street." Mit dieser Anzeige in der "Zeit" warb der berühmte Polarforscher 1914 um Teilnehmer für seine Expedition zur Antarktis. 5.000 Menschen meldeten sich, siebenundzwanzig von ihnen wählte Shackleton aus, die mit ihm den eisigen Kontinent durchqueren sollten.

Die Expedition ging in die Geschichte ein - nicht wegen ihres Erfolgs, sondern wegen ihres Scheiterns. Während in Europa der Erste Weltkrieg tobte, gerieten die Polarforscher völlig in Vergessenheit. Ihr Schiff, die "Endurance", wurde vom Packeis zermalmt. Monatelang warteten sie in arktischer Nacht auf den abgelegenen Elephant Islands auf Hilfe und Rettung.

Der verzweifelte Heroismus der Männer ist Legende, oft beschrieben und verfilmt. Jetzt hat Reinhold Messner, seit seiner ersten Antarktisdurchquerung 1989 von der Shackleton-Mission fasziniert, der Geschichte dieses grandiosen Scheiterns einen dokumentarischen Roman gewidmet: "Wild oder Der letzte Trip auf Erden".


* Volker Kutscher: "Moabit" und das Berlin der 20er Jahre
Dass das Berlin der 20er Jahre eine gute Krimi-Kulisse ist, ist den Lesern des Autors Volker Kutscher längst klar. Seine Romane spielen in einer fiebrigen Stadt, die sich zwischen Kriegstrauma und Weltwirtschaftskrise aufreibt. Kutscher erzählt von Verführbarkeit und Hedonismus in der Weimarer Republik und zeigt ein Deutschland auf dem Weg in den Nationalsozialismus. Inmitten dieser Szenerie lässt er seinen Kommissar Gereon Rath zwischen mondänen Partys, Rotlichtmilieu und Mafia-Clans ermitteln.

2017 verfilmte der Regisseur Tom Tykwer den ersten Gereon-Rath-Fall nach dem Roman "Der nasse Fisch" für sein Serien-Projekt "Babylon Berlin". Zur Buchmesse erscheint der neueste Kutscher-Roman "Moabit", eine Art Prequel zur weiblichen Hauptfigur der Geschichte, bebildert von der Illustratorin Kat Menschik.


* Buchtipps:

- Jörg-Uwe Albig: "Eine Liebe in der Steppe", Klett-Cotta
- Marion Poschmann: "Kieferninseln", Suhrkamp
- Jan Wagner und Tristan Marquardt: "Unmögliche Liebe", Hanser