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Unter uns

Geschichten aus dem Leben

Datum Sendezeit Länge
Fr., 09.03. 22:00 Uhr 119:30 min

Die Gäste der Sendung:

* Andreas Worm (56) aus Wedemark:
Er wurde mit seiner Familie durch das unangemessene Vorgehen eines Sondereinsatzkommandos der Polizei in Angst und Schrecken versetzt. Am 27. Juli des vergangenen Jahres stürmten rund 25 schwer bewaffnete und vermummte Polizisten sein Haus, erschossen seinen Hund und zielten mit ihren Waffen sogar auf seine Frau und seine kleinen Söhne. Wie sich später zeigte, war Andreas Worm von einem Bekannten denunziert worden, Waffen zu besitzen. Doch das Einsatzkommando fand bei ihm lediglich drei harmlose Dekowaffen, die an der Wand hingen. Das brutale Vorgehen der Polizei löste in Niedersachsen heftige politische Debatten aus. Das Verfahren gegen Andreas Worm wegen angeblichen Waffenbesitzes musste eingestellt werden. Doch ihm blieben ein verwüstetes Haus und eine Familie, die unter schweren psychischen Folgen leidet. Andreas Worm kämpft um Entschädigung und Rehabilitierung.

* Gabriela Jahn (48) aus Königsee:
Sie musste schweren Herzens ihre private Fleischerei schließen und damit eine 72-jährige Familientradition beenden. Bereits 1940 hatte die Familie eine Fleischerei in Königssee eröffnet. Gabriela Jahn übernahm das Geschäft im Jahr 2004 in vierter Generation von ihren Eltern und entwickelte viele Ideen für attraktive Verkaufsangebote. So bot sie einen Partyservice und verkaufte ihre leckeren Waren auf Märkten und Volksfesten. Für ihr Engagement und ihre Ideen wurde sie sogar zweimal zur Thüringer Wurstkönigin gekrönt. Dennoch sanken die Umsätze ständig. Eine der Ursachen dafür sieht Gabriela Jahn neben der Konkurrenz der Supermärkte darin, dass viele Einwohner den Ort verlassen haben und besseren Arbeitsmöglichkeiten nachgezogen sind. Obwohl sie bis zu Erschöpfung arbeitete, blieb ihr keine andere Möglichkeit: Die Wurstkönigin musste am 31. Januar 2012 ihr Geschäft für immer schließen.

* Carolin Beyers (34) aus Kamp-Lintfort:
Sie geriet durch eine ärztliche Fehlleistung in Lebensgefahr: Bei einer Kaiserschnittoperation wurde in ihrem Körper ein Bauchtuch vergessen. Gesundheitliche Beschwerden, die schon unmittelbar nach der Operation auftraten, ignorierten die Ärzte zunächst. Doch in Carolin Beyers Körper bildete sich allmählich ein gefährlicher Tumor. Sie glaubte, an Krebs erkrankt zu sein und verzweifelte fast daran. Der Tumor wurde entdeckt, als Carolin Beyers unter großen Beschwerden in eine Essener Klinik eingeliefert werden musste. Seine Ursache: Gewebe verkapselte das vergessene Bauchtuch mehr und mehr. Es wucherte so stark, dass der Tumor schließlich 25 Kilogramm wog. Gemeinsam mit Rechtsanwältin Birgit Guyens (40) klagte die Patientin gegen die verantwortlichen Ärzte sowohl auf zivilrechtlicher als auch auf strafrechtlicher Ebene. Diese wurden zu Geldstrafen und zu Schadenersatz verurteilt.

* Maria Götze (31) aus Chemnitz:
Sie ist mit 1,28 Meter kleinwüchsig, fühlt sich aber durch ihre sportliche Entwicklung alles andere als klein: Die Schwimmerin gewann zwischen 1996 und 2008 bei Paralympics, Welt- und Europameisterschaften im Behindertensport insgesamt 49 Medaillen. Sechsmal wurde sie in Chemnitz als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet. Im Jahr 2008 nahm Maria Götze ohne Wehmut vom Sport Abschied. Doch sie ist überzeugt, ihm viel zu verdanken – er hat sie selbstbewusster gemacht und geholfen, den Alltag heute souverän zu bewältigen. Die in Chemnitz noch immer stadtbekannte Maria Götze ist glückliche Mutter eines zweijährigen, normalwüchsigen Sohnes und arbeitet erfolgreich bei der Staatsanwaltschaft. Sie bleibt dabei ihrem Motto treu, sich immer so zu akzeptieren, wie man ist.

* Volker Röder (68) aus Berlin:
Er kam 1944 in einem Lebensborn-Heim der Nazis zur Welt und leidet bis heute darunter. Der von der SS getragene Lebensborn-Verein sollte damals die Geburtenrate "arischer" Kinder erhöhen helfen – auch durch anonyme Entbindungen und die Vermittlung der Kinder an Familien von SS-Angehörigen. Volker Röder gehörte zu diesen Kindern. Seine Mutter gab ihn sofort zur Adoption frei. Doch wenige Wochen vor Kriegsende fiel der damals Einjährige in die Hände von Pflegeeltern. Er erinnert sich an eine lieblose und angstvolle Kindheit. Mit sechs Jahren erfuhr er durch einen Zufall von seiner wahren Herkunft und wurde zu einem Menschen ohne Halt und Selbstvertrauen, wie er selbst einschätzt. Mit 57 Jahren lernte er seine leibliche Mutter kennen. Sie blockte alle Fragen ab und wollte mit der Vergangenheit nichts mehr zu tun haben. Doch Volker Röder empfindet es als bitter, als Symbol für die Rassenideologie der Nazis zu gelten.

* Tabea (39) und Ottokar Lehrner (45) aus Berlin:
Sie sind seit 15 Jahren ein glückliches Paar und verstehen sich ohne Worte: Tabea Lehrner ist gehörlos, ihr Ehemann hat schnell die Gebärdensprache erlernt und ihre fünfjährigen Zwillinge wachsen "zweisprachig" auf. Tabea Lehrner verlor ihr Gehör bereits mit eineinhalb Jahren durch eine Gehirnhautentzündung. Sie erlernte den Schneiderberuf und schaffte es, eine anerkannte Modedesignerin zu werden, die ihre Kollektionen auch auf internationalen Märkten präsentiert. Sie gestaltet dabei häufig Modenschauen mit gehörlosen Models. Tabea Lehrner versucht, dem Verlust des Gehörs auch positive Seiten abzugewinnen: Sie ist überzeugt, dass er eine scharfe und kreative Wahrnehmung mit den Augen sowie eine lebendige Fantasie förderte. Ottokar Lehrner ist als Schauspieler tätig, in der Freizeit hilft er seiner Ehefrau als Dolmetscher und Mittler.

* Monika Besser (62) aus Tiefthal:
Sie gibt anderen Menschen Lebenshilfe durch das Legen und Lesen von Tarotkarten. Dabei sieht sie sich nicht als Hellseherin, sondern vor allem als Dolmetscher und Mediator, der mit eigenem Wissen und Erfahrungen für seine Gesprächspartner einen Weg sucht, schwierige Probleme des Lebens zu lösen. Monika Besser fand durch eine tiefe Lebenskrise zum Kartenlegen. Die promovierte Pädagogin und Kunstwissenschaftlerin war nach der Wende durch eine völlig veränderte Arbeitssituation in finanzielle Schwierigkeiten geraten, sie zweifelte an sich selbst und musste psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Dabei erinnerte sie sich an ihre Großmutter, die schon in der DDR Karten legte und mit deren Hilfe Orientierung suchte. Monika Besser absolvierte dann eine spezielle Ausbildung zu den Inhalten des Tarot und qualifizierte sich auch zur sozialpädagogischen Beraterin.

* Tina Rothkamm (41) aus Velbert:
Sie rettete ihre Tochter und sich selbst vor ihrem gewalttätigen tunesischen Ex-Ehemann durch eine abenteuerliche Fahrt auf einem Flüchtlingsboot von Tunesien zur italienischen Insel Lampedusa. Sie hatte sich in diesen Mann im Jahr 2000 verliebt, heiratete ihn und bekam eine Tochter. Doch der Mann verhielt sich zunehmend herrisch, demütigend und erwies sich als gewalttätig. Tina Rothkamm trennte sich von ihm vor vier Jahren und setzte die Scheidung durch. Doch die tunesischen Behörden verweigerten ihr die Ausreise, die Polizei entzog ihr den Pass. Ihre Tochter war in der Heimat des Vaters praktisch entführt. Erst in den Tagen der tunesischen Revolution gelang Tina Rothkamm gemeinsam mit ihrer inzwischen zehnjährigen Tochter die Flucht mit dem Flüchtlingsboot. Die Überfahrt mit insgesamt 150 Flüchtlingen an Bord dauerte 20 Stunden.

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