Fernsehen

MDR FERNSEHEN | 06.02.2012 | 23:00 Uhr : Das Versteck

DDR 1977

Manfred Krug versucht als Architekt Max Brink seine Ex-Frau Wanda (Jutta Hoffmann) wiederzugewinnen. Doch sein Versuch basiert auf einer Lüge. Kurz nach Fertigstellung des Films siedelte Manfred Krug nach West-Berlin um.

Filmszene aus "Das Versteck" von 1977 mit Manfred Krug und Jutta Hoffmann in den Hauptrollen

Der Architekt Max Brink (Manfred Krug) steht eines Morgens vor der Tür seiner geschiedenen Frau Wanda (Jutta Hoffmann) und bittet um Einlass. Er werde von der Polizei gesucht, sei aber nicht schuldig. Irgendwann am kommenden Wochenende werde sich der Fall klären - bis dahin brauche er Unterschlupf. Die verstörte Wanda hat gerade ihren neuen Freund (Dieter Mann) zu Besuch. Doch sie nimmt Max bei sich auf.

Lüge

Max verschafft sich mit einer Lüge Zutritt zu Wandas Wohnung. Er wird gar nicht gesucht. Das Ganze ist nur ein Trick, um wieder in Wandas Nähe zu sein und sie vielleicht zurückzuerobern. Die Tage im Versteck werden für die Ex-Eheleute zu Tagen der Prüfung. Wanda ertappt sich dabei, dass ihre Sorge um ihn mehr ist als Fairness und Anständigkeit. Sie kommt Max gefährlich nahe ... Gleichzeitig erinnert sich Wanda an die Jahre ihrer Ehe, die an seinem Egoismus und am gemeinsam nicht bewältigten Alltag zerbrach. Ihre Zweifel wachsen. Traurig wird ihr klar, dass sein Wunsch, wieder mit ihr zu leben, auch der Wunsch nach einem Versteck ist, in dessen Geborgenheit Ruhe sein soll vor den Anstrengungen und Forderungen des Alltags. Doch dieses Versteck würde zu sehr auf ihre Kosten gehen. Dazu ist sie nicht bereit.

Filmszenen: Das Versteck

Die Ehe von Max (Manfred Krug) und Wanda (Jutta Hoffmann) ist an seinem Egoismus und ihrem gemeinsam nicht bewältigten Alltag gescheitert. Nach einem Jahr der Trennung treibt Max die Sehnsucht wieder zu ihr. Er belügt sie, um in ihrer Nähe zu sein. Das Versteck Das Versteck

Spielfilm DDR 1977 [Bilder]


DDR-Frauenbild

Regisseur Frank Beyer verfilmte mit "Das Versteck" aus dem Jahr 1977 eine Beziehungsgeschichte vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Verhältnisse der DDR. Der Film zeigt ein sich wandelndes Frauenbild. Wanda wird zur emanzipierten Frau, die ihre neu gewonnene Selbstständigkeit genießt und nicht mehr darauf verzichten will. Max hingegen ist weiterhin in den alten Rollenbildern gefangen.

Der letzte Film

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jurek Becker. Für die beiden engen Freunde Jurek Becker und Manfred Krug wurde "Das Versteck" zum Abschied von der DDR. Sie hatten sich mit ihrem öffentlichen Eintreten für den Liedermacher Wolf Biermann nach dessen Ausbürgerung 1976 endgültig das Wohlwollen der Mächtigen verscherzt. "Das Versteck" kam 1978 mit nur fünf Kopien in die DDR-Kinos, denn Manfred Krug siedelte kurz nach Fertigstellung nach West-Berlin über.

Das Exil brachte beiden bald neue große Erfolge - vor allem mit der im Februar 1986 gestarteten und zum Kult gewordenen TV-Serie "Liebling Kreuzberg", in der Titelheld Krug nach den Drehbüchern von Becker gewitzt kuriose und dabei exemplarische Rechtsfälle bearbeitete.

Auch für Jurek Becker ist "Das Versteck" die letzte Arbeit für die DEFA. Im Herbst 1976 unterschrieb er die Biermann-Petition. Becker wird daraufhin aus der SED ausgeschlossen und tritt 1977 aus dem Schriftstellerverband der DDR aus. Eine Veröffentlichung seines Romans "Schlaflose Tage" wird abgelehnt. Er lebte ab Ende 1977 mit einem Visum im Westen, das bis zum Ende der DDR immer wieder verlängert wird.

Der MDR zeigt den Film "Das Versteck" aus Anlass des 75. Geburtstages von Manfred Krug am 8. Februar.


Zuletzt aktualisiert: 06. Februar 2012, 15:45 Uhr

Stab:

Musik: Günther Fischer
Kamera: Jürgen Brauer
Buch: Jurek Becker
Regie: Frank Beyer

Besetzung:

Wanda Brink - Jutta Hoffmann
Max Brink - Manfred Krug
Gertrud - Marita Böhme
Lutz Bibow - Dieter Mann
Paul Ludorf - Alfred Müller
VP-Leutnant - Martin Trettau
Frau Paschek - Jarmila Karlovska
Richter - Christoph Beyertt
Streifenpolizist - Willi Schrade
und andere

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