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Widerstand gegen Hartz IV

Wie zwei Frauen Tausende mobilisieren

Am 16. August gehen in Nordhausen 2.500 Menschen auf die Straße. Sie machen ihrem Unmut gegen Hartz-IV Luft. Es ist die dritte Demonstration in der thüringischen Stadt gegen die jüngsten sozialen Einschnitte. Angefangen hatte alles am 28. Juli - mit gerade einmal 400 Demonstranten.
Anders als in Leipzig, Magdeburg oder Jena stehen hinter den Demos in Nordhausen nicht Gewerkschaften und Parteien, sondern zwei arbeitslose Frauen.

Eine Freundin hilft

Bislang haben sich Petra Wenkel und Marion Schmidt lieber hinter den Entscheidungen anderer versteckt. Doch nach der Verabschiedung des Hartz-IV-Gesetzes im Sommer ist für Marion Schmidt die Leidensfähigkeit erschöpft. Sie findet, dass die Zeit reif für Proteste ist. Doch ihr fehlt der Mut, etwas anzuschieben. Sie spricht ihre Freundin Petra Wenkel an. Die sagt: Wir machen das. Beide Frauen sind seit Jahren arbeitslos. Sie haben ABM und Umschulungen hinter sich und wenig Aussicht auf einen Job. Ihre Perspektive: Arbeitslosengeld II.

Wie organisiert man eine Demo?

Dass der Schritt von der Idee zur Tat so schwierig sein würde, hatten sich die beiden Frauen nicht gedacht. In Deutschland stellt man sich nicht einfach auf die Straße. Da müssen Genehmigungen her! Petra Wenkel und Marion Schmidt betreten Neuland. Sie fragen sich durch. Ihre Stationen: Rathaus, Gewerkschaft, PDS. Bis sie endlich wissen, dass ihr Ansprechpartner das Ordnungsamt des Landkreises Nordhausen ist, haben sie einige Kilometer zurückgelegt und einiges an Erfahrungen gewonnen. Doch die Schwierigkeiten nehmen kein Ende. Als Veranstalter einer Demonstration haben die Frauen Auflagen zu erfüllen. Sie müssen beispielsweise darauf achten, dass der Inhalt der Kundgebung der Anmeldung entspricht. Für die erwarteten 400 Teilnehmer haben sie acht Ordner zu stellen, die u.a. dafür zu sorgen haben, dass die Gewerbetreibenden am Markt nicht gestört werden. Und selbst für die Leisten, an denen die Plakate befestigt werden, tragen sie die Verantwortung. Die dürfen nämlich nicht stärker als 3 Zentimeter sein. Dass Petra Wenkel und Marion Schmidt schließlich auch dafür garantieren müssen, den Veranstaltungsort sauber zu verlassen, versteht fast schon von selbst.
Die praktischenVorbereitungen sind gegen den Bürokratiehindernislauf fast schon ein Kinderspiel: Handzettel, die zur Demo aufrufen, werden am Computer gestaltet, Armbinden für die Ordner aus Bettlacken geschneidert.

Die Unterstützung wächst

Nach der ersten Demo am 28. Juli atmen die beiden Frauen auf. Sie sind erleichtert, dass alles geklappt hat und stolz darauf, etwas bewegt zu haben. Und ihre Mühe zahlt sich aus. Demoteilnehmer bedanken sich bei den ihnen und bieten Hilfe an. Der Nordhäuser Unternehmer Andreas Siegmund will eine Beschallungsanlage kostenlos zur Verfügung stellen. Die Ankündigung der nächsten Demos wird die Lokalausgabe der Thüringer Allgemeinen übernehmen.

Zuletzt aktualisiert: 17. August 2004, 14:46 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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