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Abfallentsorgung

Müllgebühren in Mitteldeutschland

Nach Recherchen der Umschau sind die Kosten, die Haushalte im Sendegebiet für die Müllentsorgung zu zahlen haben, sehr unterschiedlich. Was nicht ohne weiteres nachvollziehbar ist.

Bei Familie Köhler aus Weißensee, Landkreis Sömmerda in Thüringen ist Mülltrennen Pflicht. Das Problem: Obwohl die Familie so wenig Müll wie möglich entsorgt und nur eine 80 Liter Tonne benötigt, zahlt sie trotzdem immer mehr.
 
Ganz anders bei Familie Höpfner aus dem Saalkreis in Sachsen–Anhalt. Auch dort ist Mülltrennen Pflicht. Doch die Gebühren entwickeln sich ganz anders. Das zeigt ein Blick in die Bescheide der letzten Jahre. 2000 zahlten die Höpfners für ihren Müll 240 Mark. Umgerechnet 122,71 Euro. Ein Jahr später sanken die Gebühren auf 170 Mark, also 86,92 Euro.  85 Euro waren 2003 fällig. 2005 musste die Familie nur noch 74 Euro zahlen.
 
Ganz anders bei Familie Köhler. Ihr Gebührenbescheid für 2004 beläuft sich auf 229 Euro. Und 2005, so eine erste Hochrechnung, steigen die ohnehin hohen Gebühren noch weiter. Der  Vergleich mit dem Saalkreis sieht dann so aus:
Da beide Familien Müll vermeiden, kommen sie mit einer 80 Liter Tonne aus. Höpfners aus dem Saalkreis müssen 26 Pflichtleerungen pro Jahr zahlen – Kosten: 74  Euro.
Familie Köhler hat nur 16 Pflichtleerungen. Zahlt dafür aber bereits 75,84 Euro. Nun folgt noch die Grundgebühr:  208 Euro in Sömmerda. 0 Euro im Saalkreis. Folge: Die Köhlers zahlen mit insgesamt: 283,84 Euro fast 4 Mal soviel wie die Höpfners im Saalkreis.
 
Im Saalkreis ist mit der Gebühr für die normale Mülltonne auch das abgegolten, was in Sömmerda in der Grundgebühr steckt. Sperrmüll, Elektronikschrott, Papier.  Lediglich eine Biotonne bietet der Saalkreis nicht an.  
 
Ab 1. Juni wird Sömmerda seinen Müll in eine Verbrennungsanlage nach Leuna bringen. Doch auch der Saalkreis bringt seinen Müll dorthin. Warum nun also so unterschiedliche hohe Kosten für die Bewohner?

Unterschiedliche Wege - unterschiedliche Gebühren

Vor 5 Jahren startete der Saalkreis eine Ausschreibung für die Müllabfuhr. Gesucht und gefunden wurde der günstigste Entsorger.
Mit diesem machte man günstige Verträge. In der Folge sanken die Gebühren um 30 Prozent. Und trotz Müllverbrennung ist jetzt - 2005  - sogar die nächste Gebührensenkung möglich.  Grund: Im Vertrag mit dem neuen Versorger hat man vorausschauend vorgesehen, dass Ende 2004 die Müllbehälter und die Erfassungsgeräte für die Entsorgung in den Besitz des Landkreises übergehen. Dadurch entfallen die bis dahin in den Gebühren enthaltenen Mietkosten.

So clever war man in Sömmerda nicht. Schlimmer noch. Auf Weisung des Freistaates Thüringen musste der Landkreis seine Deponie vorzeitig schließen - wegen Umweltschutzauflagen. Seit Jahren wird  der Müll erst umgeladen und dann auf weit entfernte Deponien gebracht. Folge: hohe Kosten und damit hohe Gebühren.
 
Für die Köhlers gibt es immerhin ein kleines Trostpflaster: Ihre hohen Müllgebühren – verspricht der Landrat - sollen nicht weiter steigen. Zumindest nicht in den nächsten 4 Jahren.

Die Umschau hat die Satzungen von 77 Landkreisen und kreisfreien Städten untersucht.
In allen drei Ländern ergeben sich 12 Steigerungen und 5 Senkungen im Vergleich zu 2004. Davon waren in Sachsen die drei Landkreise Delitzsch, Torgau-Oschatz und Annaberg sowie die verbandsfreie Stadt Eilenburg betroffen. Gesenkt wurde hingegen in den Landkreisen Riesa-Großenhain und Zwickauer Land. In Sachsen-Anhalt verringerten folgende Landkreise und Städte ihre Gebühren: Saalkreis, Ohrekreis und Magdeburg. Erhöht wurden die Gebühren in Halle und in den Landkreisen Mansfelder Land, Köthen, Wittenberg, Burgenlandkreis, Weißenfels sowie Anhalt-Zerbst. In Thüringen gab es zum Zeitpunkt der Recherche nur eine Erhöhung im Landkreis Sömmerda und keine Senkungen.
Für einen annähernden Vergleich der Zahlenwerte wurde eine 4-köpfige Familie angenommen. Ihr wurde ein 120 Liter Restmüllbehälter mit einem 14-täglichem Entleerungsrhythmus (26 Entleerungen pro Jahr) und eine 120 Liter Biomülltonne mit einem monatlichen Entleerungsrhythmus (12 Entleerungen pro Jahr) zugeordnet.

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2005, 15:34 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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