Umschau | MDR FERNSEHEN | 25.09.2007
Reallöhne im europäischen Vergleich
"Netto-Löhne, so niedrig wie vor 20 Jahren!" oder "Arbeitnehmern bleibt immer weniger Geld". Das waren die Schlagzeilen der letzten Tage. Offenbar haben die Deutschen immer weniger im Portemonnaie, weil die Löhne seit Jahren nicht mehr steigen. Wir zahlen immer mehr Steuern und Sozialabgaben und die Inflation erledigt den Rest.
Die Umschau hat sich die Lohnentwicklung der letzten Jahre genauer angeschaut. In Deutschland, aber auch im Ausland. Interessant sind besonders die sogenannten Reallohnzuwächse. Also jene Lohnsteigerung, die nach Abzug der Inflationsrate für die Arbeitnehmer übrig bleibt.
Der europäische Vergleich zeigt, wie stark in den anderen Ländern die Löhne - trotz Preissteigerung - steigen. In Irland um 11,8 Prozent, in Großbritannien um 9,8 Prozent, in Schweden um 8,7 Prozent, in Frankreich um fünf Prozent und im wirtschaftlich relativ schwachen Italien um 2,8 Prozent. Deutschland ist das einzige Land, wo die Löhne sinken, im Durchschnitt um 2,7 Prozent. Wie konnte es dazu kommen?
Geringe Löhne und hohe Arbeitslosenquote
Für Thorsten Schulten vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut in Düsseldorf ist die Antwort klar: "Falsche Lohnpolitik. Man hat drauf gesetzt wenn man die Löhne drückt, wird man auch die Arbeitslosigkeit senken. Im Gegenteil, dort, wo wir hohe Löhne haben, ist auch die Arbeitslosigkeit gering." Tatsächlich liegt die Arbeitslosenquote in Ländern wie Irland, Schweden oder Großbritannien, wo die Löhne stark gestiegen sind, um die 5-Prozent-Marke. In Deutschland, wo die Löhne sinken, ist sie mit 8,6 Prozent am höchsten.
Für 2008 sind auch in Deutschland Lohnsteigerungen prognostiziert. Ob davon aber Bauarbeiter oder Verkäuferinnen profitieren, ist unwahrscheinlich.
Zuletzt aktualisiert: 27. September 2007, 16:44 Uhr
