Umschau | 10.11.2009 | 20:15 Uhr

Wo lebt es sich am günstigsten?

Was meinen Sie, in welcher Region Deutschlands die Menschen am günstigsten leben? In Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen? Falsch, die preiswerteste Region Deutschlands liegt nicht im Osten, sondern im Westen - im beschaulichen Tirschenreuth in Bayern.

Preisindex Deutschland
Übersicht über regionale Preisunterschiede in Deutschland

Das östlich von Bayreuth gelegene Tirschenreuth ist der Ort mit den niedrigsten Lebenshaltungskosten im Bundesvergleich. Im Wirtshaus gibt es das Mittagsmenü ab fünf Euro, der halbe Liter Bier kostet auch weniger als im Osten. Die Preise sind hier seit 15 Jahren konstant. Niedrige Löhne und die nahe Grenze zu Tschechien machen auch den Frisörbesuch preiswert. Bauland gibt es günstiger als im Osten, das Parken auf dem Marktplatz ist gar kostenlos.

Auch die weiteren "Podestplätze" gehen an Regionen in den alten Bundesländern. Erst auf Platz vier folgt mit Greiz der erste Ort im Osten. Leipzig und Dresden rangieren im Mittelfeld. Etwas tiefer in die Tasche greifen muss man in Jena. Am teuersten ist es in München.

Preise Ost/West
Preisrelationen ausgewählter Güter in Ostdeutschland (Westschnitt 100%, Ostschnitt 78 %).

Ausnahmeerscheinung auf dem Lande?

Doch ist das kleine Tirschenreuth überhaupt ein Maßstab? Wie sieht es denn in den Großstädten aus. Die "Umschau" hat zum Vergleich mit Nürnberg und Dresden zwei ähnlich große Städte gewählt. Welche ist günstiger?

Der erste Weg führte zum Bäcker. Was kostet ein Brot? In Dresden zahlen die Kunden 2,15 Euro in Dresden, in Nürnberg werden 2,50 € verlangt. Dafür ist der Öffentliche Nahverkehr in Franken billiger. Eine Tageskarte kostet 3,80 Euro, in Dresden werden 4,50 Euro fällig. Beim Parken in der City sind beide Städte gleich: Eine Stunde kostet in Dresden wie in Nürnberg 1,50 Euro.

Der Kinobesuch schlägt in Dresden mit 8,50 Euro zu Buche. In Nürnberg ist das Ticket mit 9,40 Euro teurer. Auch bei den Wohnungsmieten sind die Dresdner im Vorteil. Unterm Strich liegt das Preisniveau in Dresden fünf Prozent niedriger als in Nürnberg.

Wie steht es um die Löhne?

Vergleichbar werden die Preise erst, wenn man das Lohnniveau der Regionen berücksichtigt. Die Bäckersfrau in Nürnberg verdient 2.200 Euro im Monat, die Kollegin in Dresden dagegen nur 1.500 Euro. Also deutlich weniger als die Kollegin im Westen. Wer von beiden hat am Ende mehr zum Leben übrig? Im Klartext: Die Bäckerin in Dresden kann sich viel weniger leisten. Ihr Einkommen ist so niedrig, dass auch die etwas günstigeren Preise es nicht ausgleichen können.

Reales Einkommen Deutschland

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung hat eine Studie zur Relation zwischen Preisen und Löhnen erstellt. Die nebenstehende Grafik zeigt die Verhältnisse in Deutschland. In den grünen Regionen gleichen niedrige Preise die niedrigen Löhne aus. In den roten Gebieten ist das nicht der Fall. In den dunkelgrünen Bereichen ist der Standard wegen hoher Einkommen trotz hoher Preise am höchsten.

Es wird deutlich, dass in vielen ostdeutschen Kreisen die niedrigen Preise die niedrigen Löhne nicht kompensieren. Nominal liegt das Einkommensniveau in den neuen Ländern bei 78,8 Prozent des Westniveaus, unter Einrechnung der Preise sind es reale 83,5 Prozent.

Ein Blick nach Greiz

Die Stadt und der Landkreis Greiz sind die preisgünstigste Region Ostdeutschlands. Die Mieten sind günstiger als in Dresden, die Tageskarte für den Öffentlichen Nahverkehr kostet mit 2,60 Euro viel weniger. Die Stunde Parken kostet 90 Cent und ist damit 60 Cent günstiger als in Dresden.

Greiz
Greiz ist der günstigste Ort in Ostdeutschland.

Auch im Rathaus tut man viel, damit das Leben für Bürger und Gäste erschwinglich ist. Museen, Ausstellungen und Freizeitangebote: Die Preise sind außerordentlich günstig. Doch in der Einkaufsmeile der Stadt herrscht Flaute. Durch die hohe Arbeitslosigkeit haben nur wenige Leute Geld zum Einkaufen.

Aber wer in Greiz Arbeit hat, lebt nicht schlecht. Ein Bäckergeselle verdient genauso viel wie die Kollegin in Dresden, profitiert aber von den viel günstigeren Preisen. Diesen Greizern geht es daher nicht schlechter als den Landsleuten im Westen - zumindest nicht schlechter als jenen in Tirschenreuth.

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2009, 16:42 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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