Umschau | 26.07.2011 | 20:15 Uhr : Balaton-Urlaub im Preischeck
Für DDR-Bürger war der Balaton nicht nur ein Bade- und Urlaubsparadies, sondern sorgte auch für ein ungewohntes Einkaufserlebnis. Seither ist das Interesse ostdeutscher Urlauber stetig zurückgegangen, denn der Urlaub am Balaton ist nicht billig.
Der Balaton in Ungarn war vor dem Fall der Mauer ein Ferienparadies für Ost- und Westdeutsche. Heute ist das Interesse eher gering. Ein Grund dafür könnten die Preise sein.
Besonders bliebt war bei DDR-Urlaubern der Campingplatz von Balatonfüred. Ein Zelt-Stellplatz kostete damals für zwei Wochen 944 Forint, damals 166 Mark der DDR. Heute stehen dort viele Stellplätze leer. Zu den wenigen Gästen gehört ein Ehepaar aus Magdeburg. Nach vielen Italien-Urlauben hat es sich zum ersten Mal seit Langem für Ungarn entschieden. Die beiden zeigen uns die Rechnung des Platzvermieters. Sie bezahlen für 14 Tage umgerechnet 546 Euro. Inge S. trauert den alten Zeiten nach: "Dieses Ungarn ist nicht mehr das alte Ungarn. Hier ist das Flair raus. Die Supermärkte machen die ganzen Kleinen kaputt. Gerade dieses kleine Gewerbe hat ja Ungarn früher repräsentiert."
Früher staatlich reglementierte Reisekasse
Zum typischen Balaton-Flair gehörten auch die Pullovermärkte. Dort bekam man das, was es in der DDR nicht gab. Es war aber auch teuer. Zwei T-Shirts gab es umgerechnet für 86 DDR-Mark. Für viele war das unerschwinglich. Der Umtausch in Forint war pro Person für 14 Tage auf 205 Mark begrenzt. Um die Reisekasse aufzubessern, musste man erfinderisch sein. Wolfgang R. erinnert sich: "Wir haben hier einen Bekannten gehabt, der hat uns geschrieben, was er braucht. Das haben wir mitgenommen, und das hat er uns hier für Forint abgekauft." Andere brachten sich im eigenen Pkw das Essen für zwei Wochen von zu Hause mit.
Experten: Urlaub ist woanders preiswerter
Marika und Reiner B. leben schon seit einigen Jahren zeitweise in Deutschland und am Balaton. Sie meinen, dass sämtliche Lebensmittel in Deutschland billiger seien als in Ungarn. Zudem könne man mittlerweise auch woanders preiswert Urlaub machen, aber eben nicht mehr in Ungarn.
Viele Urlauber locken die Erinnerungen
Der Preisanstieg wird am Beispiel der Eheleute aus Magdeburg deutlich. Sie haben ein Appartement mit Blick zum Strand gemietet. Die Möbel sind seit 30 Jahren nicht erneuert worden, die Küche winzig. Sie zahlen pro Nacht 73 Euro. Und so sind es wahrscheinlich die Erinnerungen an frühere Zeiten, die das Ehepaar immer wieder nach Ungarn locken.
