Umschau | 02.08.2011 | 20:15 Uhr : Augustflut 2010 - Was hat man aus der Überschwemmung gelernt
Das Augusthochwasser vor einem Jahr richtete in der Lausitzer Grenzregion zu Polen Schäden in Millionenhöhe an. Noch immer laufen die Renovierungsarbeiten. Es fehlt vor allem an Geld. Die Verantwortlichen für den Hochwasserschutz überlegen, wie man solch eine Katastrophe künftig verhindern kann.
Unter den Flutopfern in Görlitz war auch Rudi K. Sein Haus steht direkt an der Neiße. Der gesamte Keller und das Erdgeschoß standen unter Wasser. Noch immer versucht der 47-Jährige, die Zimmer im Erdgeschoss wieder bewohnbar zu machen.
Derzeit verputzt Rudi K. die Wände im Kinderzimmer neu. Er hofft, dass die Kinder vielleicht wieder einziehen können. Auf rund 80.000 Euro beläuft sich der gesamte Schaden an seinem Haus. Bezahlt hat die Versicherung bisher nur die Hälfte. Woher er die fehlenden 40.000 Euro für die Sanierung nehmen soll, weiß der ALG2-Empfänger nicht. Während Rudi K. die Schäden beseitigt, versucht man anderenorts sich gegen künftige Schäden zu schützen. Einige Hauseigentümer errichten neue hohe Mauern an der Neiße.
Görlitz fordert Schadenersatz von Polen
Auf rund 200 Millionen Euro schätzt die Stadt Görlitz die Gesamtschäden. Zehn Millionen Euro Wiederaufbauhilfe hat die Neißestadt schon vom Freistaat Sachsen bekommen. Und auch vom Betreiber des Staudammes wolle man sich einen Teil des Geldes zurückholen, erklärt Michael Wieler, stellv. Bürgermeister Görlitz. "Wir haben deswegen unmittelbar nach der Flutkatastrophe Strafanzeige gegen den Betreiber des Staudammes gestellt und haben das mit einem Stadtratsbeschluss noch einmal bestätigt. Wir erhoffen uns eine bald mögliche Klärung dieser Frage."
Deutsches Know-how für polnische Staumauern
Das Hochwasser führte auch zu einem Umdenken bei den zuständigen Landesbehörden in Sachsen. Nach Auskunft von Prof. Martin Socher vom Sächsischen Umweltministerium wurde unter anderem die Alarmierungskette verbessert. "Jetzt bekommen die Bürgermeister eine Eilbenachrichtigung als SMS aufs Handy geschickt und sind sozusagen sofort in die Lage zu erkennen, hier kommt eine Hochwassergefahr für meine Gemeinde", so Prof. Socher. Und man versucht, das Problem bei der Wurzel zu packen. Eine der Ursachen war damals die gebrochene Staumauer am polnischen Witka-Stausee. "Die polnische Seite hat einen provisorischen Damm an der Stelle des alten Erddammes errichtet. Dieser Damm ist eine so genannte Spundkastenwand, die massiv gebaut ist. Und gemeinsam werden wir jetzt mit den polnischen Kollegen versuchen, Standards für diese Talsperre zu entwickeln, die unseren Anforderungen genügen", erklärt Prof. Martin Socher, Sächsisches Umweltministerium
Hochwasseropfer optimieren Schutzsysteme
Das Neißehochwasser hatte auch große Schäden im Tierpark Zittau und im Zisterzienserinnenkloster Marienthal angerichtet. Im Tierpark starben mehrere Dutzend Tiere. Dort hat man die Gehegeflächen aufgeschüttet, damit sich die Tiere bei der nächsten Überschwemmung auf eine Insel flüchten können und höchstens nasse Füße bekommen. Im Kloster ergoss sich das Wasser in vielen Räumen, obwohl die alarmierten Klosterschwestern schnell die Spundwände aufgebaut hatten. Die Klosterbetreiber über legen, ob sie den Hochwasserschutz mit höheren Wänden ausbauen sollen oder ob die jetzigen Anlagen ausreichen, weil ein Hochwasser wie das im vergangenen Jahr nur alle 1000 Jahre auftritt.
