Umschau

Umschau | 09.08.2011 | 20:15 Uhr : Gefährliche Randstreifen

Wer eine Panne auf der Autobahn oder der Landstraße hat, für den ist der Randstreifen oft der rettende Notparkplatz. Viele Unfälle zeigen aber, dass man deshalb noch lange nicht aus der Gefahrenzone ist.

LKW-Unfall auf dem Standstreifen einer Autobahn

Mario Fiedler musste als ADAC-Pannenhelfer erfahren, wie extrem gefährlich es auf dem Randstreifen einer Autobahn werden kann. Er war zusammen mit seinem Kollegen gerade dabei, einen Lkw auf der A2 wieder flott zu machen. Während Fiedler noch unter dem Lastwagen hantiert, nähert sich ein weiterer 18 Tonnen schwerer Lkw und driftet nach rechts auf den Standstreifen: "In dem Moment gab es einen tierischen Knall, der Rahmen schleifte mich mit. Zum Glück bin ich nicht unter die Hinterachse gekommen. Ich dachte, vielleicht ist es das Ende", beschreibt Fiedler heute die damalige Situation. Wie durch ein Wunder hatte er sich nur zwei blaue Flecken zugezogen, und auch sein Kollege stand glücklicherweise weit genug vom Unfall-LKW entfernt.

Meist schwere oder sogar tödliche Verletzungen

Grafik wie ein Lkw auf einen anderen auffährt
Auffahrunfälle, in den Lkw involviert sind, haben meist fatale Folgen.

Meist geht es nicht so glimpflich ab, wenn große Lkw auf stehende Hindernisse prallen. Die Insassen von abgestellten Pkw sind dabei genauso gefährdet wie Pannenhelfer und Einsatzkräfte. Zu den jüngsten Beispielen zählt ein Unfall auf der A31 bei Coesfeld. Ein ADAC-Helfer wurde dort lebensgefährlich verletzt, als ein LKW ihn beim Reifenwechsel auf der Standspur überfuhr. Auch ein 56-jähriger Polizist wurde bei einer Verkehrskontrolle auf dem Standstreifen der B6 bei Goslar schwer verletzt. Ein Kleintransporter hatte den Polizeiwagen gerammt.

Auf der A4 bei Ronneburg (Thüringen) stirbt ein 27-jähriger Straßenarbeiter, weil ein LKW von der Fahrbahn abkommt und ungebremst in die Baustelle auf dem Standstreifen rast.

Müde und unkonzentrierte Lkw-Fahrer

Der renommierte Verkehrsforscher Dieter Ellinghaus hat untersucht, warum gerade Lkw-Fahrer so häufig Unfälle auf der Standspur der Autobahn verursachen: "Die Hauptgründe für das Unfallgeschehen auf Randstreifen ist Unkonzentriertheit und Müdigkeit. Wir müssen das Risiko in die Köpfe kriegen, dass das im Prinzip so gefährlich ist wie Alkohol", fordert Experte Ellinghaus. Die "Umschau" hat bereits mehrfach über die Gefahr berichtet, die von übermüdeten oder unkonzentrierten LKW-Fahrern ausgeht. Oft ist es zu langes Fahren oder einfach Ablenkung durch Telefonieren oder das Schauen in eine Straßenkarte. Manchmal fordern die Fahrer ihr Schicksal regelrecht heraus und spielen auf ihrem Handy oder sitzen zu lässig am Steuer.

Der Bundesverband Güterkraftverkehr "BGL" teilte uns schriftlich zu den Vorwürfen mit, dass man keine Forschungen kenne, die ein Fehlverhalten der Fahrer belegen. Zumindest gibt der Verband zu: "Möglicherweise kann in bestimmten Fällen Übermüdung eine Ursache sein, weil monotones Kolonnenfahren nach unseren Erkenntnissen zu schnellerer Übermüdung führt". Weiterhin führe "der akute Parkplatzmangel sehr häufig dazu, dass Fahrer keine freien Stellflächen für Pausen vorfinden." Das halten Kritiker für ein vorgeschobenes Argument. Vielmehr stünden die Lkw-Fahrer unter großem Zeitdruck und würden deshalb, gesetzliche Ruhezeiten nicht einhalten.

Warnsysteme sollen Unfälle verhindern

Warnsysteme für Lkw: Hier wird der Abstand zu anderen Fahrzeugen gemessen und ggf. gewarnt.
Warnsysteme für Lkw: Hier wird der Abstand zu anderen Fahrzeugen gemessen und ggf. gewarnt.

An der Bundesanstalt für Straßenwesen hat man diverse Sicherheitssysteme geprüft, um technisch das Unfall-Risiko durch Lkw zu verringern. Denn Zusammenstöße enden für die Pkw-Fahrer meist tödlich. Die Europäische Kommission wird deshalb zwischen 2013 und 2015 schrittweise das Schleuderschutzsystem ESP, den Spurverlassenswarner und und Notbremssysteme einführen - allerdings nur bei neuen Lkw. Der Spurverlassenwarner reagiert, wenn das Fahrzeug auf die Begrenzungslinie fährt. Ein ähnliches System warnt den Fahrer, wenn der Spurwechsel zu gefährlich ist. Notbremssysteme ermitteln per Radar den Abstand zum Vordermann, beispielsweise bei einem Stau. Reagiert der Fahrer nicht auf die Warnung, bremst das System den Lkw selbständig ab.

Zuletzt aktualisiert: 09. August 2011, 17:21 Uhr

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