Umschau | 30.08.2011 | 20:15 Uhr : Äpfel: Schönheit versus Geschmack
Im Supermarkt haben wir zwei Apfelsorten miteinander verglichen: "Pink Lady" aus Chile und "Delbarestivale", frisch vom Baum aus Deutschland.
Optisch hat die Senorita aus Südamerika ganz klar die Nase vorn. Sie hat eine attraktive rote Färbung, alle Äpfel sind von gleichmäßiger Größe und jeder einzelne von makelloser Schönheit.
Der Konkurrent aus Deutschland kann mit diesem Anblick nicht mithalten. Dafür punktet er bei der blinden Verkostung. Und wie! Ohne zu sehen, was sie essen, bevorzugen alle Probanden den unscheinbaren Deutschen, den sie am Obststand sonst liegenlassen würden. Apfelbauer Eckhard Brandt weiß, dass das nicht ungewöhnlich ist:
Ein Naturprodukt
Doch ungeahnte Geschmackserlebisse sind nicht der einzige Grund, beim Apfelkauf nicht nur auf Schönheit zu achten. Für die Bauern ist es nicht einfach, den Wunsch nach Äpfeln zu erfüllen, die sich gleichen wie ein Ei dem anderen: "Wir leben mit der Natur", sagt der Obstbauer Hauke Meyer. "Es ist kein Produkt das von Maschinen hergestellt wird." Das Wetter beeinflusst das Wachstum der Früchte. Und es entscheidet über die Gefahren durch Schädlinge. Um perfekt auszusehen, muss ein Apfel 20 bis 30 Mal gespritzt werden. Manche Pestizide werden nur eingesetzt, um die optischen Ansprüche der Kundschaft erfüllen zu können.
Chemie gegen Geschmack
Viele Äpfel werden heute um die halbe Welt geschippert. Dort gelten andere Bedingungen. Deutschen Bauern untersagt die Zusatzstoff-Zulassungsverordnung, Äpfel noch nach der Ernte mit einer pestizidhaltigen Wachsschicht zu versehen. Bei Ware aus Südamerika ist dies erlaubt, sofern bestimmte Höchstmengen nicht überschritten werden. Mehr Chemie für mehr Schönheit. Dabei sollten doch gerade beim Obst vielmehr die inneren Werte zählen, Vitamine und Geschmack.
