Umschau | 08.11.2011 | 20:15 Uhr : Alpenmilch kommt nicht immer aus den Alpen
Der Begriff Alpenmilch klingt nach Bergen, Kühen auf saftigen Wiesen. Das vermitteln die Produzenten von Milch und Hersteller von Schokolade auch auf ihren Websites. Doch nicht die ganze Milch für diese Produkte kommt wirklich aus den Alpen.
Einer der Milchproduzenten, die sich mit dem Alpen-Image schmücken ist die Molkerei Weihenstephan. Bei diesem Hersteller heißt es: "Wir beziehen den überwiegenden Teil unsere Milch aus dem Alpenland und dem Voralpenland. (…) Wir beziehen aber auch Milch von dem bayrischen Milchmarkt." Schaut man sich das Milcheinzugsgebiet von Weihenstephan und das Gebiet der Alpen an, stellt man fest, dass die Alpen nur einen geringen Teil des Milcheinzugsgebietes von Weihenstephan ausmachen. Dieses Vorgehen kritisiert Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale: "Man kann von Verbrauchertäuschung sprechen, weil die Verbraucher erwarten, dass die Kühe auf Weiden in den Alpen stehen." Auch andere Hersteller von Alpenmilchprodukten werben mit dem Berg-Image. Zum Beispiel: Bärenmarke. Auf der Internetseite sind Blumen, Berge, Wiesen und glückliche Kühe zu sehen. Das Unternehmen schreibt uns auch, dass die Milch "ausschließlich von bäuerlichen Betrieben in der Alpen- und Voralpenregion" stamme. Unsere Recherchen ergeben jedoch, dass Bärenmarke auch aus dem Landkreis Rottal-Inn mit Milch beliefert wird. Und der liegt definitiv nicht in den Alpen.
Hersteller gehen großzügig mit geografischen Alpen-Begriff
Ähnlich sieht es bei der Alpenmilchschokolade aus. Schokohersteller verwenden sowieso keine flüssige Milch, sondern nur Milchpulver. Wir haben die renommierte Hersteller angefragt, woher das kommt? Rittersport will uns schriftlich nicht antworten. Am Telefon heißt es nur, dass es da so eine Karte mit dem Liefergebiet gäbe. Die sei aber streng geheim. Milka-Hersteller Kraft Foods sagt uns, dass ihre Milch "aus Tälern und Hochtälern des Alpenraums sowie aus den Ausläufern der Alpen" komme. Wie weit die Alpen auslaufen, sagen sie uns allerdings nicht. Der Pressesprecher von Alpia schreibt uns: "Unsere Alpenmilch kommt fast ausschließlich aus Deutschland. (…) Grob kann man sagen, dass die geografische Begrenzung südlich der Donau ist."
Kühe weiden nicht immer auf Alpen-Wiesen
Bleibt noch die Frage nach der Haltung der Kühe. Es macht einen Unterschied, ob die Kühe auf der Weide oder im Stall gehalten werden. Stephanie Töwe von Greenpeace weiß: "Kühe auf der Weide leben nicht nur besser, sondern die geben auch bessere Milch. Das haben Untersuchungen gezeigt, die wir in der Vergangenheit gemacht haben. Kühe, die eben viel Gras bekommen, geben Milch mit viel mehr ungesättigte Fettsäuren. Und diese sind eben extrem wichtig für unsere Ernährung und für unsere Gesundheit. Und Kühe, die viel Kraftfutter bekommen, geben eben nicht so einen hoch qualitative Milch. Auch diese Frage nach der Kuh-Haltung haben wir den Herstellern gestellt: Bei Weihenstephan heißt es: "Die Anzahl der Weidegänge liegt in der Verantwortung der Landwirte." Bärenmarke verweist auf "die Einhaltung einer tiergerechten Haltung." Milkas Kühe stehen meist in "hellen und gut belüfteten Laufställen." Und bei Alpia weiss man, dass Kühe in den Alpen: "naturgemäß (...) häufiger auf Bergalmen stehen."
