Umschau | 21.08.2012 | 20:15 Uhr : Obacht beim "Versilbern" von altem Schmuck
Wer alten Schmuck "versilbern" möchte, ist auf die Fairness der Käufer angewiesen. Nur wenige Kunden können den wirklichen Wert der Gegenstände einschätzen. Unser Test zeigt, dass einige Händler die Kunden übervorteilen.
Wer Gold- oder Silberschmuck mit Edelsteinen verkaufen will, findet in den großen Städten schnell einen Ankäufer. Viele werben mit Slogans wie "Sofort Bargeld für Gold, Silber, Platin und Brillanten" oder "Gold und Brillanten - sofort gegen bar." Wir haben getestet, wie fair ihre Aufkaufpreise sind.
Für uns war eine ältere Dame als Testperson unterwegs. Sie hat in ihrer Heimatstadt stichprobenartig vier Schmuckankäufer ausgewählt. Zum Verkauf wurden jeweils sechs verschiedene Schmuckstücke angeboten. Den Wert dieser Stücke hat zuvor der erfahrene Gold- und Silberschmied Thomas Dwenger ermittelt:
| Beschreibung | Schätzwert gesamt | Schätzwert Steine | |
|---|---|---|---|
| Collier | 585er Gelbgold mit weißgoldenen Zwischenteilen, sieben Brillanten (ca. 1 Karat) | 1.250 Euro | 500 Euro |
| Steine | handgefertigt, 785er Gelbgold, ein Opal und ein Brillant | 1.100 Euro | 800 Euro |
| vier kleine Stücke |
Gold mit Brillanten und einem Saphir |
380 Euro | 190 Euro |
Insgesamt kam unser Thomas Dwenger also auf einen Schätzwert von 2.730 Euro.
Höchstens 50 Prozent unter Schätzwert
Nachdem die Testerin die Schmuckstücke zum Verkauf angeboten hatte, wurden diese von den Ankäufern gemessen und gewogen. Einer von ihnen setzte einen fragwürdigen Edelsteindetektor ein. Der Händler meinte, das Gerät würde anzeigen, dass der Edelstein nicht echt wäre. Viele argumentierten auch, dass sie nur an dem Gold interessiert seien und nicht an den Steinen. Nach Meinung von Thomas Dwenger wollen die Händler mit solchen Bemerkungen nur den Preis drücken. So lagen die Angebote nur zwischen 610 und rund 1.250 Euro. Unsere Testperson hätten der Verkauf also nicht einmal die Hälfte des geschätzten Wertes eingebracht.
Experten-Tipp
Experte Thomas Dwenger kommentiert das Ergebnis: "Es gibt auch in dieser Branche, bei den Ankäufern, viele schwarze Schafe" Deshalb rät er, dass man sich vor dem Besuch eines Ankäufers den Wert der Schmuckstücke von einem Juwelier oder Goldschmiedemeister schätzen lassen soll. Wer dann einen Richtwert hat, kann einschätzen, ob der Ankäufer einen fairen Preis anbietet oder nur auf seinen Vorteil bedacht ist. Gegebenfalls kann man sich dann auch Angebote von anderen Händlern einholen und so das Beste auswählen.
