Umschau extra | 12.06.2012 | 20:15 Uhr : Sicherheits-Test: Diebstahlschutz im Hotelzimmer
Hoteldiebe haben in den Ferien Hochsaison. Wenn sie zuschlagen, wird der Feiertagsurlaub zum Stress. Doch wie sicher sind Hotelzimmer. Experten meinen, für Diebe seien sie kein Hindernis. Wir haben getestet, ob das stimmt.
Für Diebe ist ein Hotelzimmer kein Problem, meinen Experten. Aber stimmt das auch? Von drei Fachleuten haben wir einen Sicherheits-Test durchführen lassen. In einem Vier-Sterne-Hotel versucht Hotel-Sicherheitsexperte Ulrich Jander allein und ohne Werkzeug in fremde Zimmer zu kommen. Dasselbe wollen auch Jens Liebchen und Claus Overbeck von der Sicherheitsfirma RedTeam Pentesting. Sie benutzen dabei Werkzeug.
Die Hotelleitung ist von dem Tun der drei informiert, die Angestellten jedoch sind ahnungslos.
Schwachstelle Personal
Die erste Hürde im Hotel ist es, an der Rezeption vorbeizukommen. Ulrich Jander weiß aus Erfahrung: "Ein Hotel ist löchrig wie ein Schweizer Käse. Man kommt in jedes Hotel rein, außer wenn Sicherheitsleute vor der Türe stehen. Es gibt auch Hotels mit sogenannten Bell-Boys, die draußen stehen und keinen reinlassen. Aber sobald ich drinnen bin, komme ich auch auf die Zimmer." Beim Test hat Jander leichtes Spiel. Er schließt sich einigen Gästen an, die gerade einchecken. Er bleibt an der Rezeption. So kann er ganz unauffällig alle Informationen auskundschaften, die er später vielleicht braucht: den Namen des Gastes und sogar dessen Zimmernummer. Obwohl unser Tester ganz offensichtlich kein Gast des Hauses ist, kann er trotzdem ungehindert mit dem Fahrstuhl zu den Zimmern fahren.
Die zweite Hürde ist es, ohne Schlüssel ins Zimmer zu gelangen. Jander versucht nun zuerst sein Glück bei einer Reinigungskraft. Sie möge ihm doch die Tür öffnen. Er erklärt ihr: "Ich habe meine Karte vergessen. Können Sie mir öffnen." Doch damit kommt er nicht durch. Auch der Hinweis, er wolle doch nur die vergessene Handtasche der Ehefrau holen, bringt ihn nicht weiter. Das Zimmermädchen bittet ihn, an der Rezeption eine neue Zimmerschlüsselkarte zu holen. Sie verhält sich richtig und schickt unseren Tester an die Rezeption. Für Jander kein Problem, denn Name und Zimmernummer hat er ja bereits ausgekundschaftet. An der Rezeption meint er entschuldigend: "Was man nicht im Kopf hat ..." und nennt Namen und Zimmernummer. Daraufhin wird ihm eine neue Karte ausgehändigt. Nun hat er freien Eintritt in das Hotelzimmer.
Ein Stockwerk höher versucht es Jander ein zweites Mal, aber mit einem neuen Trick. Mit dem Handy am Ohr führt er ein scheinbar aufgeregtes Telefonat und marschiert direkt ins Zimmer. Die Reinigungskraft, die gerade dort arbeitet, schickt er raus. Im Zimmer liegen offen ein Laptop und die Reisetasche des Gastes. Wäre Jander ein echter Hoteldieb, wären diese Dinge jetzt weg.
Einbruch mit Werkzeugen
Während der Sicherheitsexperte Ulrich Jander ohne Werkzeuge in die Zimmer gekommen ist, zeigen die Sicherheitsexperten Jens Liebchen und Claus Overbeck, wie man mit mechanischen Hilfsmitteln Hotelzimmertüren öffnen kann. Die beiden machen sich erst gar nicht die Mühe, sich in die Lobby und an der Rezeption vorbeizumogeln. Sie wählen den Notausgang des Hotels. Dort gibt es keine Videoüberwachung und keinen Alarm. Die Tür ist nicht abgeschlossen, sondern nur eingeschnappt. Mit einem Draht haben sie die Tür in weniger als 20 Sekunden geöffnet. Von dort geht es weiter, direkt zum Zimmer.
Mit einfachster und vor allem billiger Technik würde ein Hoteldieb vorgehen. Claus Overbeck benutzt hier eine sogenannte Türklinkenangel. Das ist ein langer gebogener Draht, den er unter der Tür durchschiebt und in Richtung Türklinke führt. So kann er von innen die Türklinke nach unten drücken und das Zimmer öffnen. Das dauert nur wenige Sekunden. Kommt der Einbrecher mit der Metallschlinge nicht unter der Hoteltür hindurch, ist das für Experten auch keine Hürde. Claus Overbeck pumpt ein Kissen unter der Tür auf, um sie leicht anzuheben und mir den Spalt unter der Tür zu vergrößern.
Hotelleitung überrascht über Sicherheitslücken
Der Direktor unseres Testhotels Lieuwe de Jong zeigt sich erstaunt von den Testergebnissen, die ihm die Sicherheitsexperten präsentieren. Er dachte, seine Hotelzimmer seien sicher. De Jong erkennt aber auch das große Problem: Die Türen wurden ohne irgendeine Beschädigung geöffnet. Damit gibt es keinen Hinweis, dass sich hier jemand unerlaubt Zutritt verschafft hat. Lieuwe de Jong: "Wir sind zwar versichert. Aber die Versicherung wird dann wahrscheinlich sagen, dass dies nicht passiert ist. Dann ist der Kunde erst einmal in der Beweispflicht. Er muss erklären, dass dieser Computer wirklich da war." Doch das zu beweisen wird in der Regel schwer.
Experten-Tipp
Geben Sie immer alle Wertsachen in den Hotelsafe. Dies wird auch quittiert, sodass der Hotelgast einen Nachweis hat. Wird der Hotelsafe aufgebrochen, zahlt die Versicherung den entstandenen Schaden.

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