Umschau extra | 02.10.2012 | 20:15 Uhr : Ist der Osten aufgebaut?
In einer Extra-Ausgabe zum Tag der Deutschen Einheit berichtet die "Umschau" über Unternehmer und Arbeitnehmer im Osten Deutschlands. Wie haben sie den "Aufbau Ost" in den vergangenen Jahren erlebt?
1989 war der Dresdener Dr. Rolf Heinemann Anfang 50 und einer von mehr als zehntausend Mitarbeitern im Volkseigenen Kombinat Robotron. Im Zuge der Privatisierung des Volkseigentums nahmen er und 25 seiner Kollegen 1990 ihr berufliches Schicksal in die eigenen Hände und kauften einen Teil des ehemaligen Kombinates in Dresden.
Den erfolgreichen Umbau der Firma schafften die neuen Eigentümer fast ohne Fördermittel. Nur für den Neubau von Firmengebäuden hatten sie Geld beantragt. Für das eigentliche Geschäft wurden dagegen keine Kredite aufgenommen. Umso mehr kritisiert Dr. Heinemann, dass ein Großteil der Förderung in West-Unternehmen geflossen sei, die den Osten nur als verlängerte Werkbank aufgebaut haben.
Daniel Schilde ist heute 35 und noch in der Region Bitterfeld zuhause. Noch, denn zum Arbeiten geht es demnächst wieder in den Westen. Sechs Jahre hatte er die Arbeit vor der Haustür. Er profitierte vom Boom der Solarbranche und hatte einen Job als Anlagenführer bei Sovello. Die Solaranlagenhersteller brachten den "Aufbau Ost" mit einiger Verzögerung in die Region um Bitterfeld. Nun ist aber damit schon wieder Schluss. Die staatlichen Subventionen für die Branche sind futsch.
In der Oberlausitz schaut der gebürtige Wolfsburger Ernst Lieb auf zwei erfolgreiche Jahrzehnte "Aufbau Ost" zurück. Aus dem Technischen Chef bei der Diakonie im Westen ist ein erfolgreicher Unternehmer im Osten geworden. Mit Hilfe von Investitionszuschüssen hat er die alten Textima-Hallen in Neugersdorf umgebaut. Dort ist heute sein Maschinenbaubetrieb MBN zuhause, in dem 300 Menschen arbeiten. Ernst Lieb glaubt auch, dass der Osten den Westen irgendwann wirtschaftlich einholen kann.
