Umschau | 25.09.2012 | 20:15 Uhr : Autohersteller leiden unter Rezession
Autohersteller leiden unter Rezession
Wegen der Eurokrise ist nicht nur in den südeuropäischen Ländern wie Italien und Spanien der Automarkt eingebrochen, sondern auch in Deutschland sind die Verkaufszahlen zurückgegangen. Glaubt man den Prognosen der Autoexperten, steht Europa erst am Anfang einer tiefen Rezession. Das nächste Jahr wird aus ihrer Sicht die geringsten Autoverkäufe seit 1993 bringen. Prof. Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte der Uni Duisburg, rechnet vor 2015 mit keiner Erholung.
Noch gibt es bei den Automobilherstellern gravierende Unterschiede. Auf der Sonnenseite stehen Daimler, BMW und allen voran VW. Dort schieben die Mitarbeiter Sonderschichten. Auf der Schattenseite Opel, der französische Hersteller PSA (Peugeot und Citroën), Fiat und Ford. Bei ihnen wird sogar Kurzarbeit eingeführt.
Für Prof. Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach hängt das mit der jeweiligen Ausrichtung des Herstellers zusammen.
Hinzukommt, dass diese Hersteller vor allem kleine und mittlere Autos in großen Stückzahlen für die breite Masse produzieren. Eben diese Kunden halten sich beim Autokauf momentan zurück. Die Folge für die Mitarbeiter der Autowerke ist Kurzarbeit. Bei Opel sind die Werke in Rüsselsheim, Kaiserslautern und in Eisenach betroffen. Auch Ford hat in Köln für einige Tage Kurzarbeit gemeldet.
Weder Ford noch Opel wollen mit den Umschau-Redakteuren über dieses Problem vor der Kamera reden. Auch von den Betriebsräten bekommen wir Absagen. In der SMS eines Betriebsrates heißt es lediglich: "Bitte haben Sie Verständnis, dass ich aus Betriebsratssicht diese Fragen nicht kommentieren werde."
Die Gewinner wie VW haben ihre Präsenz dagegen in anderen Weltregionen, beispielsweise in Nordamerika, ausgebaut. Dort wächst der Automarkt. Auch in China ist die Nachfrage nach deutschen Autos nach wie vor hoch. Das Unternehmen profitiert nun von der Kauflust der Chinesen, die die Flaute in Europa kompensiert. Genau diese Entwicklung haben die französischen Hersteller, aber auch Opel verpasst.
Das zweigeteilte Bild der Autohersteller zeigt sich auch bei den Zulieferbetrieben. Während einige Kurzarbeit anmelden, spüren andere, wie das Zulieferwerk IFA Rotorion bei Magdeburg, nur wenig von der Krise. Das Werk hat sich auf die Entwicklung und Produktion von Antriebs- und Gelenkwellen spezialisiert. IFA Rotorion hat seine Kunden auf der ganzen Welt. Dennoch plant man auch bei IFA Rotorion, zukünftig direkt in China zu produzieren, weil es aus Sicht des Unternehmens wirtschaftlicher ist, ab einem bestimmten Volumen direkt vor Ort zu produzieren. Doch selbst die Wachstumsmärkte in Amerika und China werden die Überkapazitäten in Europa auf Dauer nicht ausgleichen können, sagt Prof. Stefan Bratzel. "Wir müssen damit rechnen, dass im Europäischen Markt fünf bis acht Fabriken zu viel sind."
Das sieht auch Prof. Ferdinand Dudenhöffer so. Aus seiner Sicht wird Opel vermutlich nach 2016 in Bochum nicht mehr produzieren; PSA habe angekündigt, ein Werk zu schließen, bei Fiat warte man, dass es in diesem Jahr noch eine Information gegeben wird.
Und sollte sich die Eurokrise zu einer weltweiten Konjunkturkrise auswachsen, sind auch für die jetzigen Gewinner wie VW die sonnigen Tage vorbei.

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