Umschau | 17.04.2012 | 20:15 Uhr : Automatische Bremssysteme könnten Bahnunglücke verhindern
Bahnreisen gelten als überaus sicher. Wenn aber etwas passiert, sind die Folgen meist verheerend. In Hessen starben drei Menschen, als ein Personenzug mit einem Bagger zusammenstieß. Experten meinen, dass ein automatisches Bremssystem viele Unfälle verhindern könnten.
In der Nacht zum 13. April 2012 war der Regionalzug mit 34 Fahrgästen bei Mühlheim gegen einen schweren Schienenbagger geprallt. Der Lokführer, der Baggerfahrer und ein Bauarbeiter kamen ums Leben, zwölf Reisende und ein Zugbegleiter wurden verletzt. Die Schadenshöhe des Unfalls wird auf einen siebenstelligen Betrag geschätzt. Auf einer Länge von 500 Metern mussten Schienen komplett ausgetauscht werden.
Wahrscheinliche Unfallursache: menschliches Versagen
Eisenbahnexperte Prof. Hans Jürgen Kühlwetter erklärt, dass der Lokführer keine Chance hatte, das Unglück zu verhindern: "Das, was ein Lokführer sieht, ist schon tot." Denn wegen des langen Bremsweges von Zügen lässt sich ein Unfall nicht wie beim Auto mit einer Vollbremsung verhindern. In Hessen sind Ermittler einen Schritt weitergekommen: "Wir gehen davon aus, dass der Bagger zum Zeitpunkt des Zusammenpralls mit der Regionalbahn auf dem falschen Gleis gestanden hat", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Fraglich sei nur, ob der Bautrupp das falsche Gleis genannt bekommen oder ob sich der Baggerführer vertan habe, so der Eisenbahnexperte Hans Jürgen Kühlwetter. Klarheit soll die Auswertung der beiden Fahrtenschreiber geben, erklärte die Staatsanwaltschaft. "Das kann aber mehrere Wochen in Anspruch nehmen."
Transrapid-Unfall: Sicherheitssystem hätte Unfälle verhindern können
Prof. Kühlwetter erinnert dieser Zusammenstoß an das Unglück auf der Transrapid-Strecke im niedersächsischen Lathen im Jahre 2006. Der Transrapid rammte einen Werkstattwagen, der sich auf der Trasse befand. Dabei starben 23 Menschen. Damals machte ein Fahrdienstleiter einen Fehler. Er gab das Abfahrtssignal, obwohl die Strecke noch nicht frei war. Für die Hinterbliebenen war besonders bitter, dass ein Sicherheitssystem die Folgen dieses Fehlers hätte verhindern können. Es wurde nur nicht benutzt. Die verantwortlichen Leiter wurden bestraft.
Sicherheitssystem nicht an jeder Strecke Pflicht
Ein automatisches Sicherheitssystem hätte auch das Zugunglück in Hordorf im Januar 2011 verhindern können. Zehn Menschen starben, als hier zwei Züge zusammenstießen. Jene Strecke zwischen Magdeburg und Blankenburg ist überwiegend eingleisig. Wenn sich zwei Züge begegnen, können sie einander nur an bestimmten Stellen über Parallelgleise ausweichen. In der Unfallnacht hat das offenbar nicht funktioniert. Ein automatisches Bremssystem, das mit einer Notbremsung reagiert, wenn ein Haltesignal überfahren wird, hätte die Züge jedoch rechtzeitig bremsen können. Doch dieses Sicherheitssystem ist nur für Strecken vorgeschrieben, auf den Züge mit mehr als 100 Kilometer pro Stunde fahren dürfen. Das ist bei Hordorf und auf vielen anderen ostdeutschen Strecken jedoch nicht der Fall. Rein rechtlich wäre die Deutsche Bahn darum nicht gezwungen, hier nachzurüsten. Trotzdem wurde die Hordorfer Strecke nach dem Unfall mit dem automatischen Bremssystem ausgerüstet. Bis zum Jahresende sollen alle Strecken im Osten damit ausgestattet sein.
3 Kommentare
Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.
