Umschau | 24.07.2012 | 20:15 Uhr : Hochgenuss im Osten - Beliebte Ausflugslokale in luftiger Höhe
Eine Gastwirtschaft auf einem Berg zu betreiben, ist keine leichte Aufgabe. Die Gipfelwirte auf Fichtelberg, Brocken und Inselsberg haben ganz unterschiedliche Konzepte entwickelt. Die tolle Aussicht allein ist kein Erfolgsgarant.
Der Große Inselsberg ist mit 916 Metern zwar nicht der höchste, aber wohl bekannteste Gipfel des Thüringer Waldes. Dort gab es lange Zeit zwei Gasthäuser – den "Berggasthof Stöhr" und das Restaurant "Stadt Gotha". Das "Stadt Gotha" ist seit fast zwei Jahren geschlossen. Aus familiären Gründen, wie es heißt. Der Besitzer sucht einen Käufer, hat aber noch keinen gefunden. Das freut den Konkurrenten, den Berggasthof-Betreiber Sven Stöhr. Der meint nämlich, dass die wenigen Besucher nur für das Fortbestehen eines Gasthauses ausreichen würden. Sein Überlebenskonzept ist der Familienbetrieb. Alle aus der Familie packen mit an und machen so viel wie möglich selbst. Zudem hat der Chef Hausmannskost auf die Karte gesetzt. Auf jeden Fall hat die Familie mehr Durchhaltvermögen bewiesen als der andere Gasthof.
Der Gasthof Stöhr war auch zu DDR-Zeiten stets in Familienbesitz. Seitdem hat sich einiges verändert. Damals habe man vor allem von den zahlreichen FDGB-Urlaubern gelebt, so Stöhr. Heute kämen nur wenige Touristen, und das seien meist Tagesausflügler. Urgroßvater Walter Stöhr war der erste Wirt auf der damals zu Preußen gehörenden Hälfte des Inselsberges. Damals hieß das kleine Sommerlokal noch "Preußischer Hof".
Brockenwirt trotz allen Wettern
Der Brocken im Harz ist mit seinen 1.142 Metern der höchste Berg Norddeutschlands. Der Brockenwirt ist Hans Steinhoff. Mit einer Gulaschkanone fing im Februar 1990 alles. Heute betreiben er und seine Familie nicht nur den Brockenfreisitz und das Restaurant im Bahnhof, sondern auch das Brockenhotel. Der Harzgipfel wurde die Lebensaufgabe von Hans Steinhoff. Er kennt alle Wetterlagen dort oben. Egal ob Orkanböen oder die sonnigen Tage mit phantastischer Fernsicht. Und das macht das Geschäft aus der Sicht von Hans Steinhoff nicht einfach. "Wenn man aber einen guten Draht zur Bank hat und mitspielt, kann man das meistern", so der Brockenwirt.
Die gastronomische Geschichte des Brockenplateaus reicht weit zurück bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals wurde das erste Brockenhotel gebaut. 1935 ging auf dem Gipfel auch der erste deutsche Fernsehturm der Reichspost in Betrieb. Es war ein massiver achtstöckiger Bau. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Hotel zerstört. Das neue "Brockenhotel" eröffnete im umgebauten Fernsehturm. Vom Mauerbau 1961 bis zum Mauerfall 1989 war der Brocken militärisches Sperrgebiet.
Fichtelberg-Gastronomen setzen auf hochwertige Küche
Der Fichtelberg im Erzgebirge war mit seinen 1.214 Metern der höchste Berg der DDR. Heute ist er der höchste Berg Sachsens. Das neue Fichtelberghaus wird seit zehn Jahren vom Ehepaar Meinel geführt. Erfahrene Hoteliers, die noch zwei weitere Hotels in der Region besitzen. Im Gegensatz zu den Gipfelrestaurants auf Brocken und Inselsberg setzt man auf dem Fichtelberg auf sehr hochwertige regionale Küche. Sie wird sogar von diversen Gourmetführern gelobt. Die gehobene Gastronomie wird gut angenommen.
Das Fichtelberghaus hat eine mehr als 100-jährige Geschichte. Das erste Restaurant wurde 1910 erbaut, ist aber 1963 abgebrannt. 1967 wurde das heutige Fichtelberghaus eingeweiht. Bis zur Wende war es stets gut gefüllt. Nach der Wende verschleppte die Treuhand den Verkauf und die Sanierung des Gebäudes. Nach jahrelanger Schließung konnte es nur noch abgerissen werden. Aber der Landkreis errichtete ein neues Fichtelberghaus. Das erinnert wieder an das alte von 1910. 1999 konnte es an die Pächter übergeben werden. Doch die bewiesen wenig Geschick. Es gab viele Beschwerden über den Service und die schlechte Küche. So blieben die Gasträume leer, bald folgte die Insolvenz. Die Meinels übernahmen 2002 das Haus und investierten noch einmal.

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