Umschau | 17.01.2012 | 20:15 Uhr : Unterschätzte Gefahr - Feuerwerksraketen sind kein Spielzeug
Jugendlicher Leichtsinn treibt viele dazu, mit Feuerwerkskörpern zu spielen. In den Raketen stecken ungeahnte Gefahren, die Leben kosten können. Ein junger Mann aus Thüringen unterschätzte das Risiko und verlor beim Zünden einer Kugelbombe seine Hände.
Kay G. aus der Nähe von Altenburg hat durch leichtsinniges Verhalten seine Hände verloren. Der Eishockey-Fan wollte beim Auswärtsspiel seiner Lieblingsmannschaft – die Crimmitschauer Eispiraten – die Stimmung vor dem Stadion anheizen. Dazu hatte er eine Kugelbombe angezündet. Als die beim ersten Mal nicht explodierte, versuchte er, sie ein zweites Mal zu zünden. Das wird ihm zum Verhängnis. Die Zündschnur ist schneller abgebrannt als gedacht. Die Explosion reißt ihm beide Hände ab. Ein Jahr lang lag der heute 26-Jäjrige im Krankenhaus, bis die Ärzte seine Hände wenigstens so hinbekamen, dass er den privaten Alltag bewältigen kann. Seinen Job als CNC-Dreher wird er aber nie mehr ausüben können. Er lebt von 700 Euro Erwerbsminderungsrente. Da Kay G. nicht nur mit seinem Leben gespielt hat, sondern auch mit denen anderer Fans vor dem Stadion, hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet. Das wurde aber zwischenzeitlich eingestellt.
Gefahren der Böller
Der Umgang mit Feuerwerkskörpern erfordert Sachkenntnis. Wer die nicht hat, begibt sich in Lebensgefahr. Im Fall von Kay G. wurde ihm wohl die fehlende Kenntnis der Zündschnur zum Verhängnis. Profi–Pyrotechniker Volker Laux ahnt, dass ihre besondere Zusammensetzung die überraschende Explosion ausgelöst hatte. Die brennt nämlich im ersten Stück relativ langsam. Was der Laie nicht weiß, sobald das gedeckte Stück mit der Isolation erreicht hat, rast das Zündfeuer zum Treibsatz. Zudem haben viele der selbsternannten Hobbypyrotechniker kaum eine Vorstellung, wie zerstörerisch die Sprengkraft sein kann. Wie enorm die ist, zeigen Filme im Internet. Da ist zum Beispiel zu sehen, wie zwei größere Kugelbomben auf dem Rücksitz eines Opel Corsa gezündet werden. Die Detonation zerstört den gesamten Wagen. Ein anderer Film zeigt einen gezündeten Böller aus Polen, der einen Kochtopf rund 100 Meter in die Luft schleudert.
Handel wird bestraft
Die Einfuhr von Böllern beispielsweise aus Polen oder Tschechien bzw. der Kauf im Internet ist strengstens verboten. Ein Grund dafür ist, dass die Sprengkraft viel größer ist, als bei Böllern aus Deutschland. Die Einhaltung des Verbots überwacht der Zoll. Der konnte feststellen, dass nicht nur in der Vorweihnachtszeit illegales Feuerwerk nach Deutschland eingeführt wird, sondern über das gesamte Jahr. Illegal ist alles, was kein deutsches Prüfzeichen besitzt. Heike Wilsdorf vom Hauptzollamt Dresden beschreibt die juristischen Folgen: "Das ist ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz und führt in jedem Fall, auch wenn es nur ein einziger Böller ist, zur Einleitung eines Strafverfahrens." Auch wer Kugelbomben ohne den Nachweis einer Pyrotechnikerausbildung besitzt, macht sich strafbar, egal ob die Bomben zugelassen sind oder nicht. Die Strafen können hoch ausfallen. Vor wenigen Tagen wurde der Mann in Hamburg zu 2.000 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er illegal zwei Kugelbomben besaß.

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