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Umschau | 13.12.2011 | 20:15 Uhr : Brennende Pullover: Welche Textilien am gefährlichsten sind

Vor allem zur Weihnachtszeit brennen häufig Kerzen. Sie sorgen für eine schöne Stimmung. Doch offenes Feuer ist gefährlich: Kommt man den Flammen zu nahe, beginnen Textilien schnell zu brennen. Die "Umschau" hat verschiedene Stoffe auf ihre Brennbarkeit getestet.

Wie schnell ein Pullover Feuer fängt, musste der sechsjährige Arijan vergangenes Jahr am eigenen Leibe erleben. Er hatte sich über einen Adventskranz gebeugt. Eine Kerze entzündete seinen Pulli, der innerhalb weniger Sekunden in Flammen stand. Das Feuer fraß sich durch das Gewebe in die Haut des Kindes. Der Körper von Arijan wurde zu 40 Prozent verbrannt. Dabei hatte er offensichtlich noch Glück im Unglück, denn er trug einen Pullover aus 100 Prozent Bauwolle.

Textilien im Feuer-Test

Wir wollen wissen, wie sich die Gewebezusammensetzung eines Pullovers auf seine Brennbarkeit auswirkt. Am Institut der Feuerwehr Sachsen-Anhalt in Magdeburg bauen Mario Koch und Elke Jahn einen Tests für uns auf und "verfeuern" mehrere Pullover. Sie werden mithilfe einer Kerze in Brand gesteckt.

Wie schnell Textilien Feuer fangen

Adventsgesteck mit vier roten Kerzen. Eine davon brennt. Eine Frau beugt sich zu einem kleinen Jungen, der eine schwarze Mütze trägt. Sie ist unter dem Kinn befestigt. Wäscheschildchen, Aufschrift: 100 Prozent Cotton

Die meisten Textilien fangen schnell Feuer. Doch sie brennen sehr unterschiedlich. Gefährlich sind vor allem Mischgewebe. [Bilder]


Pullover eins

Der erste Pulli besteht aus 100 Prozent Baumwolle. Einen ähnlichen Pullover hatte auch Arijan bei seinem Unfall an. Wie bei Arijan entfacht die Kerze zuerst nur einen kleinen Teil des Pullovers. Die Flammen breiten sich langsam aus.  Die Rauchentwicklung ist dafür relativ stark. "Es bildet sich ein großer flächenhafter Brand aus, der natürlich zu großen Schäden an Haut führt, die sich darunter befindet", kommentiert Mario Koch das Geschehen.

"Und was man auch ganz deutlich sieht, dass es immer glimmt - es erlischt auch nicht."

Elke Jahn

Pullover zwei

Der nächste Pulli, den wir testen, besteht aus 100 Prozent Polyester. Das Brennverhalten des Pullovers unterscheidet sich deutlich vom Baumwollpullover zuvor. Das Material beginnt zu schmelzen. Ein Loch dehnt sich fast kreisrund aus. Die beiden Brandexperten halten das für sehr gefährlich. Nach Ansicht von Mario Koch sind die brennenden Tropfen flüssigen Kunststoffes besonders kritisch.

"Wenn der Stoff direkt auf der Haut läge, dann würde er sich in die Haut einbrennen. Und wenn ich ihn schnell runterreißen würde, hätte ich sehr schnell eine sehr große Wunde."

Elke Jahn

Pullover drei

Der dritte Test-Pullover besteht aus Mischgewebe: Baumwolle, Polyester und Viskose. Der Pulli ist dicker und flauschiger als zuvor getesteten. Das hat Auswirkungen auf das Brennverhalten. Die Verbrennung werde dadurch beschleunigt, warnt Elke Jahn.

"Wenn es so flauschig ist, kann es dazu beitragen, dass sich eine noch stärkere Wärme entwickelt, sodass sich der Brand noch schneller ausdehnt, weil einfach mehr Sauerstoff zur Verfügung steht."

Elke Jahn

Pullover vier

Auch unser letzter Pulli wurde aus einem Textilgemisch hergestellt. Er besteht zur Hälfte aus Baumwolle und Polyester. Beim Verbrennen schmilzt er gleichzeitig. Nachdem wir alle Pullis getestet haben, ist unser Ergebnis eindeutig. Die größte Gefahr geht von Stoffgemischen aus. Am gefährlichsten ist nach Ansicht von Elke Jahn dabei das Gemisch von Polyacryl und Wolle, weil sich beim Brand die Effekte beider Fasern vereinigen.

Auch aus medizinischer Sicht sei die Stoffzusammensetzung eines Kleidungsstückes entscheidend für die Schwere von Verbrennungen, sagt Dr. Verena Ellerkamp, die den kleinen Arijan operiert hat.

"Es besteht bei den schmelzenden Geweben auch die Gefahr, dass die sich in die Haut hineinschmelzen und dann auch noch zusätzlich zu den verbrannten Gewebeanteilen diese Kunststoffe abgetragen werden müssen."

Dr. Verena Ellerkamp

Hilfe zur Selbsthilfe

Welche Brandriskien es in Privathaushalten gibt, wie man sich im Brandfall verhält und wie man selber löscht, hat die Feuerwehr Düsseldorf sehr ausführlich in einer Broschüre beschrieben. Sie können sie sich als pdf-Dokument kostenlos aus dem Netz laden (Siehe Link).

Paulinchen e.V. hilft

Eltern, deren Kinder Brandverletzungen erlitten haben, werden vom Verein "Paulinchen - Initiative für brandverletzte Kinder" unterstützt. So wird bei Problemen in der Rehabilitationszeit geholfen und Prävention betrieben.

Kontakt

Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder  e.V.
Segeberger Chaussee 35
22850 Norderstedt
Tel. 040 529 50 666
Fax 040 529 50 688
Kostenlose Hotline: 0800 0 112 123
E-Mail: info@paulinchen.de

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2011, 12:45 Uhr

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