Umschau | 27.09.2011 | 20:15 : Brötchen im Preis- und Qualitätsvergleich
In der Stadt kann man fast an jeder Ecke Brötchen kaufen. Einige kosten 25 Cent, andere mehr als das Doppelte. Wir haben zwei Experten testen lassen, ob man diesen Preisaufschlag auch schmeckt.
Für die "Umschau" testen zwei Backwaren-Experten der Sächsischen Bäckerfachschule Doppelbrötchen aus zehn verschiedenen Leipziger Geschäften. Darunter sind Handwerksbäcker, Großbäckereien mit mehreren Verkaufsfilialen, Supermärkte und Backstationen in Lebensmitteldiscountern. Die Preise liegen zwischen 0,25 und 0,62 Euro. Die beiden Brötchen-Experten sollen herausfinden, ob man diesen Preisunterschied schmeckt. Die Experten testen nach dem offiziellen Prüfschema der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) für Kleingebäck und vergeben maximal zwei Punkte für je
- Form und Aussehen,
- Oberflächen- und Krusteneigenschaften,
- Lockerung und Krumenbild,
- Struktur und Elastizität,
- Geruch und Geschmack,
so dass am Ende maximal zehn Punkte erreicht werden können.
Restbrot im Brötchen
Während des Testes gab es einige Besonderheiten, wie beispielsweise das Brötchen der Kette Wendl. Es liegt mit 0,43 Euro preislich im gehobenen Mittelfeld. Die Tester loben die kräftige Farbe und den Geschmack der Kruste. Aber als sie das Brötcheninnere, die Krume, probieren, fällt der Kommentar "alt". Die graue Farbe und die "stippige" Struktur der Krume lassen die beiden Experten einstimmig zu dem Schluss kommen, dass hier "jede Menge Restbrot" verbacken wurde. "Es ist zulässig, dass man hygienisch einwandfreies Brötchen vom Vortag oder Semmelmehl einweicht und es wieder mit zusetzt", erklärt André Bernatzky.
Naturbackstube und Spätkauf haben gleichen Teiglings-Lieferanten
Das Brötchen aus dem Spätverkauf kostet 0,40 Euro. Auf den ersten Blick ist es zu blass gebacken. Geschmacklich überzeugt es die Experten jedoch. Als sie im Vergleich zum Spätverkaufbrötchen das aus der Naturbackstube (ebenfalls 0,40 Euro) probieren, haben sie einen Verdacht. Beide Brötchen könnten identisch sein. Wir gehen dem Verdacht nach und legen uns vor beiden Geschäften auf die Lauer. Und es stimmt. Vor beiden Läden hält dasselbe Fahrzeug eines Tiefkühllieferanten. Das Brötchen vom Naturbäcker kommt demnach aus industrieller Herstellung und wird gar nicht in der eigenen Bäckerei hergestellt. Für Brötchenexperte André Bernatzky ist das noch zulässig: "Der Begriff Naturbäcker ist nicht geschützt. Wenn es natur heißt, erwartet der Kunde, dass das Brötchen selbst produziert wird. Ich denke, dass ein bisschen ein Grenzbereich."
Ergebnis
Das Brötchen der Handwerksbäckerei Renelt (0,40 Euro) hat den Test gewonnen. Lobend erwähnen die Experten u.a. Farbe und Form. Beim Aufschneiden sehen sie viele Poren in der Krume. "Der Teig hatte Zeit, zu reifen", testieren die Experten dem Handwerksbrötchen. Die günstigsten Brötchen von Marktkauf und Netto landen immer noch im Mittelfeld. Der Verlierer in diesem Test ist das Brötchen des SB-Bäckers Backwerk: Es war unseren Experten zu wenig gebacken.
| Name des Geschäftes | Bäckerei-Typ | Preis Doppel-Brötchen | Bewertung Anzahl der Punkte |
|---|---|---|---|
| Renelt | Handwerksbäcker | 0,40 Euro | 9,8 |
| Lukas | Großbäckerei mit mehreren Verkaufsfilialen | 0,50 Euro | 9,6 |
| Seidels Klosterbäckerei |
Handwerksbäcker mit "Slow Backing"-Verfahren | 0,62 Euro | 9,4 |
| Weck | Handwerksbäcker | 0,35 Euro | 9,1 |
| Marktkauf | Supermarkt | 0,29 Euro | 8,7 |
| Netto | Backstation im Lebensmitteldiscounter | 0,25 Euro | 8,1 |
| Wendl | Großbäckerei mit mehreren Verkaufsfilialen | 0,43 Euro | 7,8 |
| Spätverkauf | "Aufbäcker" der Produkte eines Tiefkühllieferanten | 0,40 Euro | 7,8 |
| Naturbackstube | u.a. "Aufbäcker" der Produkte eines Tiefkühllieferanten | 0,40 Euro | 6,2 |
| Backwerk | Großbäckerei mit mehreren SB-Verkaufsfilialen | 0,35 Euro | 5 |
Tipp:
Ob ein Bäcker selbst backt, ist meist nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Fragen Sie deshalb ruhig einmal in der Bäckerei, wie das Brot gebacken wurde. Auch ein Blick auf die Zutatenliste dürfte aufschlussreich sein: Je mehr chemische Fachbegriffe auf der Liste auftauchen, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Brot nicht traditionell gebacken wurde.
