Umschau | 14.08.2012 | 20:15 Uhr : Busbrände: Warum auch neue Busse oft Feuer fangen
Busse sollen immer komfortabler und umweltschonender werden. Doch wenn immer mehr Platz für die Passagiere gefragt ist, fehlt er an anderer Stelle. Darum wird die Technik immer kompakter. Vor allem in den Motorräumen wird es eng. Und hier entstehen die meisten Brände.
Im November 2008 brannte ein Reisebus bei Hannover, 20 Menschen starben. Die Ursache war ein Kurzschluss.
Rund 400 Mal im Jahr brennt in Deutschland ein Bus. Reisebusse und Linienbusse sind dabei gleichermaßen betroffen. Meist bricht das Feuer im Motorraum aus. Meist wird der Brand erst spät registriert. Und wenn er schließlich vom Fahrer oder den Passagieren bemerkt wird, ist es in der Regel schon zu spät. Dann geht alles ganz schnell und es bleibt kaum Zeit, den Bus anzuhalten und die Menschen an Bord in Sicherheit zu bringen.
Carolin Offhaus erlebte diese gefährliche Situation im Mai 2011 hautnah. Die damalige Schülerin war zusammen mit 26 Abiturienten auf der A4 unterwegs, als ihr Reisebus kurz vor der Ausfahrt Obersuhl Feuer fing und vollständig ausbrannte.
Mehr als die Hälfte der Schüler verletzte sich bei dem Versuch, aus dem Oberdeck des Doppelstockbusses nach draußen zu springen. Drei Schüler mussten sogar mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Carolin Offhaus erinnert sich:
Auch neue Busse sind betroffen
Man könnte vermuten, solche Brände treten vor allem bei älteren Modellen auf. Aber das ist ein Trugschluss. Häufiger als angenommen werden auch moderne Busse von Bränden heimgesucht. Aus einer bisher unveröffentlichten vertraulichen Statistik des Verbandes der Busunternehmer, die der Umschau-Redaktion vorliegt, geht hervor, dass jeder vierte Brand in einem Bus ausbricht, der fünf Jahre alt oder jünger ist.
Kompakte Bauweise birgt Gefahren
Fast immer fängt zuerst der Motorraum Feuer. Hier sind auf kleinstem Raum heiße Aggregate und eine Menge Technik verbaut. Denn weil die Busse reichlich Platz und Komfort bieten sollen, wird an dieser Stelle immer kompakter gebaut. In einer Stellungnahme des Herstellers Mercedes-Benz heißt es dazu allerdings nur: "Unsere Kunden fragen natürlich Fahrzeuge mit viel Nutzraum und -kapazität nach. (…) Die Größe des Motorraums ist unserer Ansicht nach kein taugliches Mittel zur Beurteilung der Brandsicherheit eines Fahrzeugs."
Experten sehen das anders. Helmut Enk, Sachverständiger bei der DEKRA, zeigt anhand eines nagelneuen Mercedes-Modells, wie dicht Gefahrenquellen wie Kraftstoffleitungen und Kabel und andere Teile im Motorraum beieinander liegen. Trotz modernster Technik schafft das neue Probleme, die manche Hersteller offensichtlich nicht in den Griff bekommen. Bei älteren Fahrzeugen ist dagegen deutlich mehr Platz im Motorraum. Helmut Enk erklärt wohin die immer dichter werdende Bauweise führen kann:
Aber was tun, wenn es brennt? In modernen Bussen gibt es Brandmelder. Durch Hitze schmilzt eine Leitung und es wird Alarm ausgelöst. Allerdings werden nur neun Prozent aller Brände mit Brandmeldern erfasst. Viel häufiger bemerken Passagiere oder Fahrer das Feuer. Dann bleibt kaum Zeit, den Bus anzuhalten und die Passagiere zu evakuieren. Und auch mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Sechs-Kilo-Feuerlöscher lässt sich gegen die Flammen nicht viel ausrichten. Bei einem Busunternehmen im thüringischen Eisenberg setzt man jetzt auf sogenannte Löschkartuschen. Diese Erfindung aus China soll einen Brand bereits bei seiner Entstehung im Motorraum löschen und so Menschen und Fahrzeug vor den Flammen schützen.
Während unserer Dreharbeiten rief Daimler übrigens europaweit 7.200 Busse zurückrufen. Wegen fehlerhaft verlegter Masseleitungen bestand Brandgefahr.
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