Umschau | 27.11.2012 | 20:15 Uhr : Auswanderer in der Krise
Wie Deutsche auf den Kanaren mit der Rezession kämpfen
Viele Deutsche, die nach Teneriffa ausgewandert sind, haben von einem Neuanfang in reizvoller Umgebung geträumt. Doch häufig sind die Pläne fehlgeschlagen. Jetzt kämpfen aber auch die, die es eigentlich geschafft hatten, gegen das Scheitern an. Vor allem die Ausgaben, die in Zeiten der Krise rasant ansteigen, lassen sie um das wirtschaftliche Überleben kämpfen.
Vor 14 Jahren verließen Jana und Ingo E. Thüringen und wanderten aus. Sie träumten von einem Gläschen Wein bei Wintertemperaturen von angenehmen 20 Grad und einem romantischen Sonnenuntergang auf Teneriffa.
Teneriffa haben sie erreicht, aber ihre Vorstellungen haben sich nicht so erfüllt, denn ihr Plan, eine Wellness-Farm zu eröffnen, schlug fehl. Doch davon haben sie sich nicht abschrecken lassen. Stattdessen eröffneten sie eine Spedition. Heute beschäftigen Jana und Ingo E. zehn Angestellte und organisieren vor allem Umzüge von Deutschland auf die Insel - und umgekehrt. Denn viele deutsche Auswanderer verlassen die Insel nach dem ersten Scheitern wieder, weiß Ingo E.:
Bis auf einen Österreicher stammen alle Angestellten der Spedition aus Mitteldeutschland. Doch das eingespielte Team bekommt die Auswirkungen der spanischen Finanzkrise jeden Tag zu spüren:
Auch andere Einwanderer aus Deutschland bekommen die Folgen der Krise zu spüren. Andrea und Jack U. wollten nach ihrer Silberhochzeit noch einmal zu neuen Ufern aufbrechen. Sie eröffneten auf der Insel eine kleine Kneipe, in der sie deutsche Spezialitäten servieren. Der Neuanfang glückte zunächst, doch jetzt macht sich die Krise mit zunehmenden Ausgaben bemerkbar. Die Preise ändern sich rasant, Lohn, Mehrwertsteuer und auch die Stromkosten steigen an. Jack U. beschreibt die Ausmaße:
Obwohl nach wie vor deutsche Urlauber und Einwanderer die Kneipe besuchen, wird es zunehmend ungemütlich. Immer häufiger bekommen sie die Argwohn der Einheimischen zu spüren:
Gleichzeitig schüren die täglichen Krisenmeldungen die Zukunftsängste. Was wird aus der Rente? Jack U. rechnet mit rund 200 Euro aus der DDR-Rente. Von spanischer Seite dürfte gerade einmal die Mindestrente herausspringen. Auf die hat jeder Anspruch, der 15 Jahre dort lebt und einzahlt. Sie liegt jedoch nur bei 385 Euro. In Deutschland wären es 300 Euro mehr.
Etwa 50.000 Deutsche leben auf Teneriffa. Doch in Krisenzeiten ebbt die Einwanderungswelle ab. Spediteur Ingo E. muss sich darum neben großen Umzügen auch mit Kleintransporten über Wasser halten. Doch wie lange wird das gut gehen? Wird die Rückkehr nach Deutschland eines Tages unausweichlich sein? Und was wird die die Heimkehrenden dort erwarten? Diese Gedanken lassen sich kaum noch verdrängen.

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