Umschau

Umschau | 20.09.2011 | 20:15 Uhr : Auf den Strich genau?

In der Gastronomie hat fast jedes Glas einen Eichstrich. Der muss mindestens ein Zentimeter lang sein. Daneben steht dann die Mengenangabe, beispielsweise 0,4 Liter. Doch wer kontrolliert eigentlich, ob die Wirte korrekt einschenken? Die "Umschau" hat beim Ordnungsamt und beim Eichamt nachgefragt und erstaunliche Antworten erhalten. Das Eichamt kontrolliere nur, ob der Eichstrich an der richtigen Stelle vom Glas angebracht ist. Das Ordnungsamt fühlt sich überhaupt nicht zuständig. Der mündige Bürger solle doch bitte selbst kontrollieren, ob sein Glas voll ist. Er bezahle es ja auch, heißt es in der Begründung der Behörde. Bei so wenig Kontrolle scheint fraglich, dass am Zapfhahn immer strichgenau zugeht. Die "Umschau" hat deshalb in beliebten Kneipen und auf Volksfesten in Mitteldeutschland den Test gemacht.

Mit oder ohne Eis

Ein Glas Bier am Mund eines bärtigen Mannes
Wirklich immer randvoll? Die "Umschau hat den Test gemacht.

"Der Gastwirt hat einfach die Pflicht, das Getränk in der entsprechenden Höhe auszuschenken", erklärt Susanne Seidenberg, Dozentin an der Hotelakademie Dresden. Sie begleitet uns auf ein Volksfest. Dort wollen wir wissen, wie genau es die Wirte mit dem Eichstrich nehmen. Beim ersten Stand bestellten wir ein Bier und ein Radler. Trotz großem Andrang arbeitete der Mann am Zapfhahn korrekt und hielt den Füllstrich ein. An einer weiteren Bar bestellten wir Bier, Cola und Prosecco mit Eis. Die Kellnerin füllte die Becher fast zur Hälfte mit Eis. Für Expertin Seidenberg ist das kein Einzelfall: "Ich denke, dass es zum Teil ein Fehler ist, aber es wird auch bewusst so gemacht." Auf Nachfrage erklärt die Bedienung uns, wir hätten auch "ohne Eis" bestellen können. Insgesamt ist das Ergebnis der Stichprobe auf dem Volksfest gut. Von sechs getesteten Ständen wurde nur in einem nicht korrekt gearbeitet. Die "Umschau" testete auch in Dresdner Szenekneipen. Eine Bar fiel dabei besonders negativ auf. Statt der bestellten 0,3 Liter Mineralwasser, bekamen wir nur 0,2 Liter. Der Rest war Eiswürfel. Nur mit ihnen konnte die Bedienung den Füllstrich erreichen.

Zufriedenstellendes Testergebnis

Insgesamt haben wir 15 Stichproben gemacht. Von der Eckkneipe bis zur Szene Bar. In drei Betrieben haben wir Mängel festgestellt. Das Ergebnis war trotz einiger schwarzer Schafe dennoch zufriedenstellend.

Keine Füllstriche bei Mixgetränken

Füllstriche sind auf Bier, Schnaps, Wein und Softdrinkgläsern gesetzlich vorgeschrieben. Aber es gibt auch Ausnahmen. Heißgetränke wie Tee oder Kaffee oder auch Cocktailgläser kommen ohne Eichstrich aus. Bei alkoholischen Mischgetränken, die aus mehr als zwei Einzelgetränken bestehen, ist kein Füllstrich erforderlich. In der Getränkekarte gibt es deshalb auch keine Angaben drauf, wie viel Liter drin sind.

Nachbesserung oder Geld zurück

Ist zu wenig im Glas, sollte man eine Nachbesserung verlangen. Weiter Möglichkeiten sind, entweder einen Preisnachlass zu wünschen oder das Getränk zurückgehen zu lassen und dann auch die Rechnung nicht zu bezahlen.

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2011, 19:19 Uhr

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