Umschau | 23.10.2012 | 20:15 Uhr : Einkaufen in der Innenstadt - weg von der "Grünen Wiese"
In den 90er-Jahren wurden vier von fünf Einkaufszentren in umliegenden Stadtteilen und auf der Grünen Wiese gebaut. Die Geschäfte in den Innenstädten verloren deshalb Kunden. Nun kehrt sich der Trend um. Die "Umschau" wirft einen Blick nach Leipzig, Dresden und Erfurt.
Vor wenigen Wochen wurden die "Höfe am Brühl" in Leipzig eröffnet. Ein neues Einkaufscenter mitten in der Innenstadt - das bedeutet einerseits Konkurrenz für andere Geschäfte, kann aber andererseits auch als Magnet funktionieren, der die Kundschaft in die Stadt lockt. Die "Höfe am Brühl" sollen deshalb kein abgeschlossenes Einkaufszentrum, sondern Teil der Stadt sein. Planer und Architekten haben die "Höfe" mit Durchgängen und Passagen konstruiert, die direkt in die Stadt weiterführen sollen.
Wenn das Konzept aufgeht, nehmen Besucher der "Höfe am Brühl" danach den direkten Weg in die Innenstadt: zur Petersstraße durch die Hainstraße. Letztere war in den vergangenen Jahren nicht besonders gut besucht, nun soll sie zur Top-Lage für Geschäfte werden.
Kritik an Einkaufscentern: Zu groß und zu viel
Doch manche Einkaufscenter stoßen bei den Kunden nicht auf großes Interesse. Ein Beispiel dafür ist die "Centrum Galerie" in Dresden. In dem großzügig angelegten Gebäude gibt es zu viel Platz: Leere Flächen und weite Wege erwiesen sich für die meisten Kunden als zu umständlich. Die Folge war, dass einige der Geschäfte schnell wieder auszogen. Nun wird das Einkaufszentrum für 27 Millionen Euro umgebaut.
Dass der Trend zurück in die Innenstadt geht, zeigen Statistiken. In den 90ern befanden sich 80 Prozent der neu eröffneten Einkaufscenter in Stadtteilen oder im Umland. Heute sind zwei Drittel der Neueröffnungen in der Innenstadt. Ein Beispiel aus Leipzig: Die Verkaufsfläche im Zentrum lag Anfang der 90er-Jahre bei 40.000 Quadratmetern, die auf der Grünen Wiese und in den Stadtteilen bei 250.000. In den Innenstädten haben sich die Verkaufsflächen mittlerweile auf 190.000 Quadratmeter ausgeweitet.
Konkurrenz belebt das Geschäft?
Weiterer Kritikpunkt an den meisten Einkaufscentern ist, dass es hier die gleichen Geschäfte wie in der Innenstadt noch einmal gibt. Dieselben Marken sind mehrfach im Umkreis von wenigen hundert Metern zu finden. Auch in Erfurt ist dieser Trend nicht zu übersehen:
Dennoch ist die Hoffnung groß, dass Einkaufscenter in der Innenstadt die Kundschaft wieder ins Zentrum zurücklocken. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass die Shopping-Meilen im Umland um ihre Existenz fürchten müssen? Um das zu verhindern, versuchen sie sich mit neuen Konzepten zu behaupten. Der ehemalige "Saalepark" in Günthersdorf heißt mittlerweile "Nova Eventis" - und der Name ist Programm. "Eventshopping" verspricht Freizeitspaß über das Einkaufen hinaus. Dafür bietet das "Nova Eventis" einen Kletterpark, einen Abenteuerspielplatz und Ferienangebote für Kinder an. Neueste Attraktion ist ein umgekipptes Haus, mit dem Besucher angelockt werden sollen.

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