Umschau | 09.08.2011 | 20:15 Uhr : Speiseeishersteller sparen bei den Zutaten
Speiseeis wird heute industriell in großen Mengen hergestellt. Vielen Kunden schmeckt es sogar besser als handwerklich hergestelltes, obwohl nicht mehr traditionelle, sondern billigere Ersatzstoffe verwendet werden. Zudem wird dem Kunden viel Eis mittels aufgeschäumter Luft vorgegaukelt.
Die Waage verrät, dass im industriell hergestellten Speiseeis vor allem viel Luft enthalten sein muss. Nach Herstellerangaben sind im Produkt "Cremissimo" von Langnese 1.000 ml Eis enthalten. Die Packung wiegt jedoch nur 557 Gramm (inkl. Verpackung). Zum Vergleich dazu: 1.000 Milliliter Milch wiegen etwa 1.000 Gramm. Die Dichteberechnung ergibt, dass dieses Speiseeis 44 Prozent Luft enthält. Beim Vanilleeis der Rewe-Eigenmarke "Ja" sind es 47 Prozent und bei Landliebe sogar 50 Prozent. Die Hersteller erklären, dass das "branchenüblich" und notwendig sei, um eine gewisse "Cremigkeit" zu erreichen. Diese biete einen "ganz besonderen Mehrwert für den Verbraucher". Für Eis-Experte Hilmar Jaedicke ist das zu viel Luft. Jaedicke stellt Speiseeis nach traditionellem Rezept in Handwerksarbeit her. Er meint: "20 Prozent sind in meiner Wahrnehmung das Richtige. Es ist natürlich so, wenn man sehr viel Luft reinmacht, ist das eine gute Methode, um Zutaten zu sparen."
Billigeres Pflanzenfett statt Sahne
Die wichtigste Zutat für das Eis ist Sahne. "Mit Sahne verfeinert" kann man auf einigen Verpackungen lesen. Der tatsächliche Anteil steht auf der Rückseite: sechs Prozent sind es beim "Ja"-Vanilleeis. "Um ein anständiges cremig-sahniges Eis traditionell herzustellen, braucht man mindestens 30 Prozent, besser 40 Prozent Sahne", meint Eis-Experte Jaedicke. Unbemerkt vom Verbraucher ersetzt die Industrie seit einigen Jahren Sahne und Butter, durch billigeres Pflanzenfett. Bei "Mövenpick"-Eis macht Pflanzenfett 70 Prozent des Gesamt-Fetts aus, beim Discount-Produkt "ja" wird ausschließlich Pflanzenfett verwendet. Der Grund für den Zutatentausch sind auch die geringeren Kosten. Pflanzenfett kostet derzeit etwa 1,60 Euro pro Kilogramm. Ein Kilogramm Butter dagegen 4,60 Euro. Für Ernährungswissenschaftler Stefan Lück ist es eine "Sauerei", dass die Preise für das Eis stabil bleiben, aber die Industrie immer billigere Zutaten verwendet.
Günstiges Vanille-Aroma statt echter Bourbon-Vanille
Erstaunlich ist, dass die Verbraucher den Unterschied zwischen billigen und teuren Zutaten gar nicht schmecken. Ein Grund dafür kann sein, dass die Industrie uns an den Geschmack billiger Ersatzstoffe gewöhnt hat. Einer von ihnen ist Vanillin. Das Aroma ersetzt die echte Bourbon-Vanille und ist in nahezu jeder Eis-Packung zu finden, die man im Supermarkt kaufen kann. Auch hier ist der Ersatzstoff wieder günstiger als das Original. 100 Gramm Vanille-Aroma kosten etwa fünf Euro. Für 100 Gramm echte Vanille muss man hingegen etwa 130 Euro zahlen. Laut Angaben eines Herstellers kommt man mit dem Ersatzstoff dem Kundenwunsch nach. Der Verbraucher bekomme so " für kleines Geld ein prima Eis, welches typisch nach Dr. Oetker Vanillin schmeckt, der Vanillegeschmack mit dem viele von uns groß geworden sind", erklärt die Firma Botterblom. Sie verwendet für ihr "Vanilla - Classic" 100 Prozent Aroma.
