Umschau | 17.04.2012 | 20:15 Uhr : Verkürzen Hersteller die Lebensdauer von Elektrogeräten?
Elektrogeräte halten nach Beobachtungen von Elektromonteuren oft nicht mehr so lange wie früher und landen schnell auf dem Schrott. Die Experten vermuten, dass kurzlebige Elektroteile verbaut werden. Das nachzuweisen, ist jedoch schwer.
Elektromeister Heinrich Jung hat einen Waschmaschinen-Reparaturservice. Aus seiner langjährigen Arbeit kennt er die Schwachstellen der Waschmaschinen. Eine ist die Heizspindel. Meist gehen sie schon nach fünf Jahren kaputt. Er weiß, dass die Hersteller langlebige Bauteile einbauen könnten, es aber nicht tun. Früher hielten die Spindeln 15 Jahre. Der Elektromeister könnte Waschmaschinen mit solchen Schäden reparieren, denn der Rest würde noch länger halten. Doch die meisten Kunden verschrotten das alte Gerät und kaufen ein neues. Die Waschmaschinen–Hersteller weisen den Vorwurf, kurzlebige Heizungen zu verbauen, zurück. Nach ihrer Auskunft halten ihre Produkte "mindestens zehn Jahre".
Experten gehen von Systematisch eingebautem Verschleiß aus
Auch andere Elektrogeräte sind auffällig. TV-Elektromonteur Harald Rudelt weiß, dass man mit besseren und nur wenige Cent teurere Kondensatoren in TV-Netzteilen die Lebensdauer von Fernsehen verlängern könnte. Heute halten viele nur vier Jahre, früher mindestens zwölf. Er meint: "Ein Zufall ist es mit Sicherheit nicht. Zufälle in der Elektronik gibt es nicht. Es ist gewollt, dass diese Netzteile kaputt gehen." Bei der Spielkonsole PS3 ist die Platine schlecht befestigt, so dass sie sich mit der Zeit löst und nicht mehr arbeiten kann. Die meisten Geräte sind ca. zwei Jahre alt. Der Fachmann weiß, dass es kein Benutzerfehler ist, sondern Materialermüdung. Die Beispiele zeigen, dass nicht nur Billigware eine kurze Lebensdauer hat, sondern auch Markenartikel. Diese Erfahrung hat auch Stefan Schridde gemacht. Auf seiner Internetseite "Murks" können Kunden Produkte melden, die schon früh ihren Geist aufgeben.
Garantie-Verlängerungen könnten das Wegwerf-Problem lösen
Nach zwölf Monaten läuft die Garantie bei der Spielkonsole PS3 ab. Danach gibt es nur Gewährleistung. Doch nach dem ersten halben Jahr der insgesamt 18-monatigen Gewährleistungsfrist, muss der Kunde nachweisen, dass ein Fehler von Anfang an da war. Welcher Kunde kann das schon? Damit die Verbraucher aus diesem Dilemma herauskommen, fordert Prof. Holger Rogall von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin: "Deutschland bzw. heute die EU müsste die Garantiezeiten verlängern. Warum nicht einheitlich fünf Jahre und für bestimmte Produkte zehn Jahre? Das ist heute technisch überhaupt kein Problem. Es ist eine gewisse Leichtfertigkeit der Politik, dass sie das so einfach hinnimmt." Es wäre eine Möglichkeit die Hersteller zum Umdenken zu bewegen und dem Wegwerf–Irrsinn ein Ende zu machen.
Nachweis des eingebauten Verschleiß kaum möglich
Der Vorwurf der gezielten Einschränkung der Lebensdauer durch die Hersteller, ist schwer zu beweisen. In der Geschichte gab es bislang nur einen Fall. Um 1920 leuchteten Glühbirnen noch etwa 2.500 Stunden. Für Hersteller war das zu lang, denn sie wollten neue und damit mehr Glühlampen verkaufen. Ingenieure entwickelten einen Glühfaden, der nach höchstens 1.000 Stunden durchbrannte. 1942 flog die Sache auf und das Kartell wurde offiziell verboten. An der Lebensdauer der Glühbirnen hat sich aber bis heute nichts verändert. "Heute hat ein Verbraucher faktisch keine Möglichkeit das nachzuweisen. Wir wissen nie, ob die Hersteller grobfahrlässig einfach zulassen, dass die Produkte schnell kaputt gehen oder ob kriminelle Energie dahinter steckt", meint Prof. Holger Rogall von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.
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