Umschau

Umschau | 25.09.2012 | 20:15 Uhr : Energieberater im Test

Heizung und Warmwasser beanspruchen einen erheblichen Teil der Wohnkosten. Energie zu sparen, schont darum nicht nur die Umwelt, sondern entlastet zugleich den Geldbeutel. Energieberater zeigen Immobilienbesitzern Wege zur Kostenersparnis auf. Doch was taugen deren Ratschläge?

Testhaus

Mit versteckter Kamera beobachten wir, wie seriös Energieberater arbeiten. Als Versuchsobjekt dient ein Flachdachbungalow, Baujahr 1982. Frank Deitschun, ein vereidigter Sachverständiger, dokumentiert vorab den Zustand: doppelte Mauerung, zehn Zentimeter starke Kerndämmung zwischen den Steinen; Dach mit Eternit gedeckt, Dämmwolle. Das Haus ist gut in Schuss und wurde von vornherein energiebewusst gebaut. Die Messung mit dem Pyrometer zeigt kaum Wärmeverluste. "Kein Handlungsbedarf", so das Fazit des Experten. Wir bestellen vier Energieberater, die im Umkreis von 20 Kilometern ihre Dienste anbieten, um deren Einschätzung zu vergleichen.

Kandidat 1: Er ist im Auftrag einer großen Baumarktkette aktiv, nimmt sich Zeit, studiert Baupläne und klettert sogar auf das Dach. Er erkennt, dass Dach und Fassade einwandfrei sind, empfiehlt aber einen Austausch der Giebelfenster, weil sich dort angeblich große Wärmebrücken bilden. Unser Experte sieht das anders: Hohe Investitionskosten stünden einer allenfalls minimalen Ersparnis gegenüber. Der teure Fenstertausch würde wohl nur dem Baumarkt nutzen, für den der Kandidat unterwegs ist.

Kandidat 2: Er macht sich die Sache etwas einfacher und klettert nicht aufs Dach, dass er dennoch für dringend sanierungsbedürftig erklärt. Empfehlung: Verdoppelung der Dämmung. So sollten sich 20 Prozent Energieersparnis ergeben. Der Sachverständige ist entsetzt.

"Hier ist eine Investition von 30.000 oder 50.000 Euro rein zu stecken, um nachher fünf oder zehn Zentimeter mehr Dämmung zu haben, und die Energieeinsparung, die vielleicht bei 300 oder 400 Litern Öl liegt, also eine Amortisationszeit von hundert Jahren hat, ist voll und ganz daneben."

Frank Deitschun, vereidigter Sachverständiger

Kandidat 3: Der Schornsteinfeger, der sich mit der Energieberatung etwas dazu verdient, rät zum Austausch der Heizungsanlage, ohne auch nur deren Abgaswerte gemessen zu haben. Den Preis von 250 Euro für diesen höchst fragwürdigen Rat stuft unser Experte als Abzocke ein.

Kandidat 4: Dieser Energieberater möchte gern die Wände stärker dämmen und sieht auch im Dach erhebliches Verbesserungspotenzial. Abermals kann sich unser Fachmann nur wundern.

Das Fazit

Vier Energieberater, vier Meinungen. Keine davon hat unser Experte nachvollziehen können. Die Honorarkosten zwischen 49 und 416 Euro kann man sich sparen. "Aufgrund fehlender gesetzlicher Bestimmungen, fehlender Zertifizierung und fehlender Qualifikation von Energieberatern gibt es ganz viele Scharlatane", warnt Frank Deitschun. "Es wird viel Geld ausgegeben, ohne dass es einen wirtschaftlichen Nutzen gibt."

Umschau_Energieberater
Umschau

Wie seriös sind Energieberater?

Mit einem Energieberater hoffen Menschen auf lange Sicht Geld zu sparen. Doch wird man auch gut beraten? Die Umschau hat einige Berater getestet.

25.09.2012, 20:15 Uhr | 06:40 min

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2012, 22:37 Uhr

1. F. Clausen:
Der Bericht ist nicht gerade aussagekräftig! Was hat denn der vereidigte Gutachter Herr Deitschun mit seinem Pyrometer gemessen? Und zu welcher Jahreszeit? Wenn man nicht in der Frostzeit diese Messungen durchführt, dann kann man lediglich eine Oberflächtemperatur feststellen, die der Raumtemperatur ähnlich ist, dies sagt aber noch überhaupt nichts über die Qualität der Gebäudehülle aus! Aussagekräftige Ergebnisse bekommt der Gutachter erst, wenn er auch eine Innentemperatur und eine Außentemperatur zu ab-/vergleichen hat. Bei dem Pflanzenwachstum (blühende Pflanzen) ist der Bereich garantiert nicht in der richtigen Jahreszeit begutachtet worden, um mit einer Pyrometermessung eine Aussage treffen zu können! Bitte lassen Sie doch Ihre Berichte noch einmal fachkundig hinterfragen! Mit freundlichen Grüßen, auch ein vereidigter Bausacherständiger!
26.09.2012
15:25 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen.
Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Pyrometer

Ein Pyrometer wird auch als Strahlungsthermometer bezeichnet. Es ist ein elektronisches Gerät, das zur berührungslosen Temperaturmessung dient.

© 2013 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK