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Umschau extra | 10.01.2012 | 20:15 Uhr : Euro-Rettung erfordert Abbau der Staatsschulden

Die Staatsschulden der Euro-Länder belasten die Währung. Um den Euro wieder auf feste Beine zu stellen, müssen die Schulden abgebaut werden. Dafür braucht der Staat zusätzliches Geld. Das kann er sich besorgen, in dem er bei seinen Ausgaben spart oder neue Einnahmequellen erschließt. Um das zu erreichen, gibt es verschiedene Wege. Drei davon stellen wir hier vor.

Eurozeichen vor den Frabnkfurter Banktürmen udn dazu ein Feuerwerk.

Steuererhöhung

Um die Schulden abzubauen, braucht der Staat Geld. Das könnte er bekommen, wenn er seine Einnahmen erhöht. Einnahmequellen sind Steuern und Abgaben, die er erheben kann. Dabei kann er auch ganz neue Steuern erfinden, in Anlehnung an den Solidaritätszuschlag für den Aufbau der neuen Bundesländer etwa ein "Notopfer Europa". "Wenn man Steuern erhöht, ist die Gefahr sehr groß, dass es zu einer Konjunkturabwärtsbewegung und schließlich zu einer Rezession kommt und einer Wachstumspause", gibt der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Manfred Neumann von der Universität Bonn aber zu bedenken. Das würde sich wiederum negativ auf andere Einnahmequellen auswirken, zum Beispiel die Lohn- und Umsatzsteuer.

Sparmaßnahmen

Während man mit Steuererhöhungen versucht, das Problem auf der Einnahmenseite zu lösen, packt man mit Sparmaßnahmen auf der Ausgabenseite an. Die Bundesregierung könnte im öffentlichen Dienst massiv Stellen abbauen und damit Lohnkosten sparen. Andere Ausgaben wie das Kindergeld oder das BAföG könnten teilweise oder komplett gestrichen werden. "Wir müssen davon ausgehen, dass wir Leistungskürzungen hinnehmen müssen. Das wird zwar nicht gern propagiert, aber es ist völlig klar, denn der Bundestag hat die Schuldenbremse beschlossen und das bedeutet genau das, dass wir uns auf Kürzungen einstellen müssen", erklärt Prof. Neumann

Inflation

Im dritten Lösungsansatz sollen die Schulden mittels Inflation abgebaut werden. Bei einer Inflation wirft der Staat die Gelddruckpressen an. Die Geldmenge steigt ohne nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Mit dem vielen gedruckten Geld könnten dann die Schulden bezahlt werden. Das gab es schon mal in der deutschen Geschichte. 1923 kostete ein Brot eine Billion Mark. Käme dies wieder so, könnte der Staat seine Schulden mit dem Gegenwert von ein paar Broten begleichen. So extrem wie damals wird es sicher nicht kommen. "Wir müssten mit einer Inflationsrate von acht bis zehn Prozent Jahr für Jahr rechnen", prognostiziert Prof. Neumann. "Das bedeutet, wenn Sie das über fünf Jahre rechnen, dass mehr als die Hälfte des Geldwertes in dieser Zeit verschwindet." Das heißt, nach zehn Jahren wären die Bankguthaben der deutschen Sparer faktisch nichts mehr wert.

Was passiert, wenn der Euro zerbricht?

Euromünzen
Zerbricht die Eurozone, könnten die starken Länder eine eigene Währungsgemeinschaft bilden.

Bekommen die Euro-Staaten ihre Staatsschulden nicht in den Griff, könnte die Eurozone nach Ansicht von Ökonomen zerbrechen. Aus Sicht der Fachleute wäre unter anderem denkbar, dass die wirtschaftsstarken EU-Länder in der Eurozone verbleiben und einen "Nordeuro" einführen. Der würde dann massiv an Wert gewinnen, was zur Folge hätte, dass deutsche Produkte im Ausland teurer werden und der Export zurückgehen würde. Besonders betroffen wären die Stahl- und Autoindustrie. Können Unternehmen aber ihre Waren nicht mehr verkaufen, sinkt die Nachfrage, die Produktion wird gedrosselt und letztendlich werden weniger Arbeitskräfte gebraucht. Die Folge wären also Entlassungen in der Nordeuro-Zone. Auf der anderen Seite würden Importe in die Nordeurozone billiger werden. Das heißt, dass die Preise für zum Beispiel Gas und Benzin sinken. Aber auch Konsumgüter und Rohstoffe für die Industrie werden billiger. Die Kaufkraft der Bevölkerung würde steigen. Langfristig gesehen wäre das eine positive Entwicklung.

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2012, 16:56 Uhr

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